Mutter und Stiefvater des Opfers sagen aus

Erster Prozesstag: 28-Jähriger steht wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs vor Gericht

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Brilon/Arnsberg. Wegen sexuellen Missbrauchs in sieben Fällen, davon in zwei Fällen schwer, muss sich ein 28-jähriger Mann aus Essen ab heute vor der sechsten Großen Strafkammer als Jugendschutzkammer am Landgericht Arnsberg verantworten. Dem Angeklagten Dominik H. wird vorgeworfen, das damals elfjährige Kind der Lebensgefährtin seines Vaters mehrfach sexuell missbraucht zu haben. Die Taten sollen im Frühjahr bis Sommer 2014 im häuslichen Umfeld in Brilon stattgefunden haben.

Laut Anklage der Staatsanwaltschaft lebte der mehrfach vorbestrafte Beschuldigte zusammen mit seinem Bruder und Vater sowie dessen Lebensgefährtin und deren vier Kindern - das fünfte war unterwegs - als Patchwork-Familie in einem Haus am Waldrand in der Nähe von Brilon. 

In dem genannten Zeitraum soll der Angeklagte das Mädchen mehrfach geküsst, im Intimbereich und an der Brust gestreichelt haben sowie mit dem Finger in sie eingedrungen sein, um sich so sexuell zu erregen. Bereits vor dem elften Geburtstag des Mädchen soll der damals 24-Jährige, der ab dem zweiten Schuljahr eine Förderschule für verhaltensauffällige Kinder besucht hat, ihr seine Liebe gestanden haben. 

Auffälliges Foto bei Facebook

Auf die Taten hingewiesen wurde die Mutter durch die damalige Ex-Freundin des Angeklagten, die zum Tatzeitpunkt auch in dem Haus der Patchwork-Familie lebte. Ein auffälliges Facebook-Foto, auf dem der Beschuldigte das Mädchen umarmte sowie gemeinsame Abende in einer Scheune und im Baumhaus hätten letztendlich dazu geführt, dass aufgrund von Vermutungen ein Kontaktverbot zwischen den beiden verhängt wurde. 

„Anfangs hatte Dominik viel Stress mit meinen Kindern, doch dann wurde das Verhältnis besser und er spielte viel mit ihnen. Wir haben uns damals selbstständig gemacht. Ich war überfordert mit der Arbeit, der Schwangerschaft und meinen vier Kindern“, so die Mutter des Mädchens. „In der Scheune und im Baumhaus nebenan haben die Kinder Partys gefeiert. Wir haben uns nichts dabei gedacht. Ich erfuhr erst durch Dominiks Ex-Freundin, dass die beiden zusammen sind. Vorher habe ich gedacht, das ist ein gutes Bruder-Schwester-Verhältnis.“ 

Wegen sexuellen Missbrauchs in sieben Fällen, davon in zwei Fällen schwer, muss sich ein 28-jähriger Mann aus Essen ab heute vor dem Landgericht Arnsberg verantworten.

Eine Kur der vier Kinder in den Sommerferien 2014 auf Norderney brachte schließlich weitere Klarheit. Die Freundin des damals elfjährigen Mädchens berichtete von Flaschendrehen mit Ausziehen, Drogenkonsum und der Beziehung zwischen Dominik H. und dem jungen Mädchen. Auf Nachfragen der Mutter bestätigte das Kind schließlich den Oralverkehr, die Küsse und das Streicheln im Genitalbereich, sodass es zur Anzeige bei der Polizei kam. 

Anschließende Zusammenbrüche in der Schule, weil Dominik H. ihr auflauerte, psychologische Probleme im Vorfeld mit stationärem Aufenthalt in der Psychiatrie sowie Mobbing an ihrer vorherigen Schule führten dazu, dass das Mädchen immer in sich gekehrter wurde. „Dominik hatte ein dominantes Verhalten gegenüber meiner Stieftochter, kontrollierte ihr Handy. Als wir von dem Missbrauch erfahren haben, wurde Dominik sofort aus dem Haus geworfen. Bei der Polizei wurde Anzeige erstattet. Mein anderer Sohn sagte zu mir: ,Wenn ich über Dominik auspacke geht er in den Knast’“, so der Vater des Angeklagten. 

„Ergebnis des HPV-Tests war positiv“ 

Polizeiliche Vernehmungen sowie Untersuchungen bei der Briloner Frauenärztin Dr. Ursula Roß folgten. „Bei der Vernehmung wurde Oralverkehr erwähnt. Die Taten wurden mehrfach am Wochenende verübt“, so die zuständige Oberkommissarin. Frauenärztin Ursula Roß: „Mehrfacher sexueller Missbrauch hat laut Aussage des Kindes stattgefunden. Der Finger wurde in die Vagina eingeführt. Ein- bis zweimal in der Woche und täglich am Wochenende. Die anschließende erste Untersuchung hat keine Auffälligkeiten ergeben. Erst bei der zweiten gynäkologischen Untersuchung, bei der die Mutter anwesend war, wurde ein Abstrich durchgeführt. Das Ergebnis des HPV-Tests war positiv. Die HPV-Viren können durch Geschlechtsverkehr übertragen werden.“ 

Weitere Zeugen werden am kommenden Freitag am zweiten Verhandlungstag vor der sechsten Großen Strafkammer als Jugendschutzkammer am Landgericht Arnsberg vernommen. Der Angeklagte hat angekündigt, zu den Vorwürfen Stellung zu beziehen.

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