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„Es macht mich so traurig“ - Reaktionen auf die Invasion der Ukraine durch Russland

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Von: Daniela Weber, Claudia Metten

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Ukraine Berlin
Schon vor der Invasion der Ukraine versammelten sich Anfang der Woche am Brandenburger Tor in Berlin zahlreiche Menschen und drückten ihre Solidarität mit der Ukraine aus. © STEFANIE LOOS / AFP

In der Nacht vom 23. auf den 24. Februar ist das Unvorstellbare Wirklichkeit geworden: Russland startet die Invasion der Ukraine – ein Landkrieg mitten in Europa. Mittlerweile haben russische Truppen die ukrainische Hauptstadt Kiew erreicht. Die gebürtige Ukrainerin Victoria Liese aus Brilon spricht von einer „Katastrophe für die Ukraine und ganz Europa.“ 

Brilon/Olsberg - Bis zuletzt hatte sie gehofft, dass Putin diesen Schritt nicht wagt: „Auch viele meiner Freunde in der Ukraine haben nicht damit gerechnet. Es macht mich so traurig“, sagt die Brilonerin, die in Odessa geboren wurde, im Gespräch mit dem SauerlandKurier. Einige von Lieses engsten Freunden leben in Kiew, befreundete Frauen seien mit ihren Kindern bereits in westlich gelegene Kleinstädte geflohen, die Männer seien in der Hauptstadt geblieben: „Die Männer kämpfen für ihr Land, in diesem Moment, in den Straßen von Kiew. Kann man sich das vorstellen? Wie kann so etwas mitten in Europa im Jahr 2022 passieren?“

Als ich die ersten Nachrichten darüber gelesen habe, habe ich gezittert. Ich habe Angst um meine Freunde in der Ukraine. Die haben mich aber zum Glück sofort angerufen, um mir zu sagen, dass ich mir keine Sorgen machen muss.

Victoria Liese
Liese Ukraine
Victoria Liese stammt gebürtig aus der Ukraine. Sie macht sich Sorgen um ihre Freunde, die in der Ukraine leben. © Privat

Man merkt ihr ihre Verzweiflung an. Seit dem Start der Invasion habe sie nicht mehr geschlafen. „Als ich die ersten Nachrichten darüber gelesen habe, habe ich gezittert. Ich habe Angst um meine Freunde in der Ukraine. Die haben mich aber zum Glück sofort angerufen, um mir zu sagen, dass ich mir keine Sorgen machen muss.“ Wenn sie Facebook öffnet, wird sie ständig mit neuen Videos und Bildern aus der Ukraine konfrontiert: „Meine Freunde posten viel. Ich sehe, was da los ist. Es sind viele Häuser beschädigt, Menschen sterben. Das ist alles Wirklichkeit.“

Putin lebt in der Vergangenheit. Er will ganz Europa destabilisieren.

Victoria Liese

Für Liese fühle es sich derzeit so an, als würde auch ein Teil von ihr in der Ukraine leiden: „Ich habe Angst um jeden ukrainischen Menschen. Jeder dort gehört zurzeit zu meiner Familie.“ Zwischen ihre Verzweiflung mischt sich Wut. Wut auf Putin und das, was er ihrem Geburtsland in diesen Stunden antut. „Putin lebt in der Vergangenheit. Er will ganz Europa destabilisieren.“

Reaktion einer gebürtigen Russin

Nicht nur Victoria Liese ist fassungslos über die Entwicklungen in der Ukraine, auch Irene Ewert aus Olsberg, deren Familie noch in Russland lebt, ist bestürzt. „Wir sind total sprachlos und total schockiert. Niemand kann in Russland verstehen, was Putin gerade macht. Es geht nur um politische Macht und sich beweisen wollen“, betont Ewert, die Freunde in der Ukraine hat.

Die ganze Bevölkerung leidet unter der Situation. Meine Freundin rief am Donnerstagmorgen um fünf Uhr aus Odessa an. Seitdem kommen keine Nachrichten mehr. Ich mache mir große Sorgen, lese im Internet und höre russische Nachrichten. 

Irene Ewert

„Die ganze Bevölkerung leidet unter der Situation. Meine Freundin rief am Donnerstagmorgen um fünf Uhr aus Odessa an. Seitdem kommen keine Nachrichten mehr. Ich mache mir große Sorgen, lese im Internet und höre russische Nachrichten. Es heißt immer nur, dass seien bisher nur militärische Ansätze. Überall sind große Schlangen vor den Geschäften, die Leute machen Hamsterkäufe, warten ab, wie es weitergeht. Alle haben große Angst“.

Auswirkungen für Egger

Auch für die Firma Egger aus Brilon hat der Krieg in der Ukraine Auswirkungen. Das Unternehmen besitzt ein Vertriebsbüro in Kiew. Auf Nachfrage erklärt Egger: „Für Egger hat die Sicherheit und Gesundheit seiner Mitarbeiter allerhöchste Priorität. Aus diesem Grund ist das Vertriebsbüro in Kiew bis auf Weiteres geschlossen. Egger steht in kontinuierlichem Austausch mit den Mitarbeitern vor Ort und bietet in gegebenem Rahmen Unterstützung an.“ Grundsätzlich sei es aktuell noch zu früh, konkrete Aussagen über den Verlauf der kommenden Wochen oder Monate und die möglichen wirtschaftlichen Implikationen zu treffen.

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