„Wenn wir nichts tun, wird der ganze Wald braun“

Exkursion im Madfelder Stadtwald zeigt Schäden auf - Politik und Forstamt sind alarmiert

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Wie ernst die derzeitige Lage beim Waldsterben überall ist, wurde bei der Exkursion im Madfelder Wald deutlich.

Madfeld – Rund 50 interessierte Bürger waren am Donnerstag der Einladung des Briloner Stadtforstes gefolgt, sich zu der nicht mehr zu übersehenden Waldproblematik aus sachkundiger Hand bei einer Exkursion im Madfelder Wald zu informieren.

Der Realität ins Auge blickend stellte Forstamtsleiter Dr. Gerrit Bub unmissverständlich klar: „Die Fichte, unser Brotbaum, stirbt. Es ist nicht ‘ein´ Schadensereignis, das uns diese seit Bestehen des Landes NRW größte Katastrophe herbeigeführt hat. Es ist die unsägliche Kombination aus Stürmen, zwei aufeinander folgenden heißen und trockenen Sommern, die daraus resultierende Käferkalamität und auch der für den Letzten nicht mehr weg zu diskutierende Klimawandel ist die Summe dessen, was uns derzeit vor nie dagewesene Herausforderungen stellt.“ 

Ungläubiges Staunen erzeugte dann die weiteren Erklärungen von Dr. Bub und Revierleiter Karl-Ludwig Oriwall, dass nicht die extrem ins Auge fallenden braunen, abgestorbenen Fichten, die in teilweise großen Gruppen überall in den Wäldern zu sehen sind, das Hauptproblem darstellen, sondern die vermeintlich gesunden noch mit grünen Baumspitzen ausgestatteten Fichten, die sich bei näherer Betrachtung aber als bereits vom Käfer befallen darstellen. Ein Teppich aus grünen und nicht wie sonst bei Fichten üblich braunen Nadeln ist auf dem Boden rund um den 130 Jahre alten Baum zu finden und der mächtige Stamm sieht bei genauer Betrachtung aus, als hätte man mit einem Schrotgewehr darauf geschossen. 

Als Förster Oriwall dann mit dem Schäleisen die Rinde abstößt, wird das Ausmaß sichtbar. Fraßgänge und Käferlarven haben auch diesen Baum zu einem Käferbaum werden lassen, der jetzt dringend aus dem Bestand entfernt werden muss. „Wir schlagen nur noch waldhygienetechnisch, kein Frischholz, sondern nur noch befallene Bäume wie diesen hier“, erklärte Dr. Bub: „Diese Bäume stellen die eigentliche Gefahr dar, denn darin wächst gerade eine neue Generation von Borkenkäfern heran.“ Revierleiter Oriwall ergänzte dazu: „ Die braunen abgestorbenen Bäume stellen, was das angeht, keine Gefahr bezüglich der Käfer dar. Die Generation, die diesen Baum befallen hatte, ist ausgeflogen und solch ein Baum wird nicht mehr von Käfern aufgesucht.“ 

"Wir brauchen Zeit, Geld, Personal und dringendst Wasser"

Einem geplanten Hiebsatz mit einem Soll von 34.000 Festmetern steht ein realer Holzeinschlag von 112.000 Festmetern entgegen. Die Forstleute, Sägewerke und Tranportunternehmer stoßen seit langem schon an ihre Grenzen, denn die derzeitige Problematik betrifft ja nicht den Briloner Forst allein. In allen Bundesländern, wenn auch regional mit unterschiedlichen Schadensereignissen und über die Grenzen hinweg, ist Holz im Übermaß auf dem Markt. Das drückt den Preis und die Kosten explodieren durch den nie da gewesenen Aufwand, der zur Rettung des Waldes betrieben werden muss. Auch muss sich der städtische Haushalt damit arrangieren, dass aus dem Forst derzeit keine Einnahmen zu generieren sind. Das Gegenteil ist der Fall und Dr. Bub dankte in diesem Zuge dem Rat, der sich parteiübergreifend zur finanziellen Sicherstellung der Maßnahmen bereit erklärt hat. 

Das Schäleisen bringt die Wahrheit zu Tage.

Hubertus Weber (SPD) sagte dazu: „Das muss uns unser Wald wert sein.“ Das unterstrich auch Christiane Kretschmar (BBL) und Karin Bange (CDU) legte besonderen Wert darauf, dass es einzig und allein um die Sache geht: „Hier darf niemand versuchen, politisches Kapital herauszuschlagen. Wenn Geld benötigt wird, werden wir es bereitstellen.“ Dass es keine einfache Lösung gibt, kam in der Gesprächsrunde deutlich zur Sprache. Die Fichte als falschen Baum im Sauerland zu verteufeln sei Nonsens. In den sauerlandtypischen Zeiten mit viel Regen seien die Bäume über Jahrzehnte ertragreich gewachsen. Die Douglasie sei eine Alternative, aber auch mit Schwierigkeiten behaftet, da die Setzlinge nicht frostsicher sind und somit nicht im Herbst gepflanzt werden können. Gibt es ein trockenes Frühjahr wie in den vergangenen beiden Jahren, vertrocknen sie und auch die hiesigen Laubholzbestände, insbesondere die Buche wird derzeit durch die anhaltende Trockenheit und den Klimawandel massiv in Mitleidenschaft gezogen. „Es gibt nicht die einfache Lösung. Wir brauchen Zeit, Geld, Personal und dringendst Wasser“, fasste Dr. Gerrit Bub mit sichtbarer Angespanntheit zusammen und stellte nochmals klar: „Wenn wir nichts tun, wird der ganze Wald braun.“

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