Lokaler Blick in die Geschichte

Forschungsgruppe des Petrinums reicht Film über Briloner Geschichte 1918-1933 ein

+
Die jungen Menschen der Forschungsgruppe sind durch die Aufarbeitung der lokalen Geschichte bereit dafür, ihre eigene Zukunft mitzugestalten. Vertreter des Gymnasium Petrinum, der Stadt und der Museen Haus Hövener und Heimatmuseums der Stadt Marsberg, begleiteten und unterstützen die sieben Schüler bei der umfangreichen Recherche in den Archiven.

Brilon/Marsberg - Rechtzeitig zum Abgabeschluss zum Geschichtswettbewerbes des Bundespräsidenten wurde der Film der Forschungsgruppe des Gymnasiums Petrinum fertig. Die sieben Schüler der Gruppe reichten ihre Dokumentation bei der Körber Stiftung ein.

Bundesweit hatten rund 5.600 Schüler zum Wettbewerbsthema geforscht und mit insgesamt 1.992 Beiträge teilgenommen. 

Die Schüler des Briloner Gymnasiums thematisierten die Frage „Eine Krise der Demokratie in den Jahren 1918 bis 1933 auch in Brilon?“ Das rund einjährige Projekt begleitete Geschichtslehrerin Anja Burg: „Die Idee entstand aus der Frage, ob so etwas wie in der Weimarer Republik wieder passieren kann.“ Ende Mai beim Museumstag im Haus Hövener wurde das Werk erstmalig der Öffentlichkeit vorgestellt (SauerlandKurier berichtete). Jetzt sprachen die sieben Schüler über die Gründe für ihr Engagement und ihre Erfahrungen. 

Stadt Brilon und Museum Haus Hövener machen Projekt möglich

Möglich gemacht hatte das Projekt eine Bildungspartnerschaft des Gymnasiums mit der Stadt Brilon und dem Haus Hövener. Carsten Schlömer, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Museums Haus Hövener, erklärte: „Die Kooperation hat die Ziele, den normalen Unterricht zu erweitern und Projekte und Veranstaltungen zu bieten, die die Schule im normalen Unterricht nicht bewerkstelligen kann.“ 

Heiner Duppelfeld, Leiter des Heimatmuseums der Stadt Marsberg, der wie Bürgermeister Dr. Christof Bartsch den Film mit Interviews unterstützte, strebt in Marsberg eine ähnliche Zusammenarbeit an. 

Im Vordergrund der Aufarbeitung stand der lokale Bezug mit der Frage, was war vor 100 Jahren in Brilon. Lennard Rosenkranz, Leah Bartsch, Mike Bothur, Ann-Kathrin Stappert, Jonas Lahme, Tim Wigge und Karl-Erik Niggemann durchforsteten alte Tageszeitungen, Zeitdokumente und Ratsberichte. „Das war ein willkommenes Projekt, da mich die lokale Geschichte persönlich interessiert“, begründete Mike Bothur seine Teilnahme. Leah Bartsch wollte wissen, was die Briloner damals interessierte: „Die alte Schrift zu lesen ist nicht immer einfach, aber es macht Spaß, in die Archive zu schauen.“ Einzig bei handgeschriebenen Ratsberichten kamen die Schüler an ihre Grenzen. 

Johannes Droste, Schulleiter des Gymnasium Petrinum, sieht die Aufgabe der Schule darin, den Schülern alles mitzugeben, damit deren Leben gelingt. Droste weiß, erst durch den regionalen Bezug wird Geschichte erlebbar. 

„Menschen mit Geschichtsbewusstsein sind schwerer manipulierbar. Dazu gehört auch das Wissen um die eigene Identität und Herkunft“, unterstreicht Heiner Duppelfeld. Dazu passt der Drang von Karl-Erik Niggemann für die Gesellschaft aktiv zu werden: „Unsere Lebenssituation ist aktuell verhältnismäßig stabil. Unsere Aufgabe ist es jetzt zu schauen, dass diese nicht aus den Fugen gerät.“ 

Dr. Christof Bartsch sieht die jungen Menschen durch ihre Arbeit gut gewappnet, die Dinge der Gegenwart zu sehen und die Zukunft zu gestalten. Jonas Lahme ergänzte: „Die große Geschichte kann nur passieren, wenn lokal etwas passiert.“ 

Den Stolz auf den eigenen Film brachte Tim Wigge auf den Punkt: „Es ist toll etwas erarbeitet zu haben, dass man anderen Leuten zeigen kann und was es in keinem TV-Programm gibt.“ 

Nächstes Projekt bereits in Planung

Der Film steht auch zukünftig dem Geschichtsunterricht zur Verfügung. Ann-Kathrin Stappert versicherte: „Ich wäre jederzeit wieder bei so einem Projekt dabei.“ Geschichtslehrer des Petrinum, Dr. Christoph Thüer, verriet bereits einer der nächsten Projektideen: „Eine Gruppe wird im Rahmen des Wirtschaftsforums zu den anstehenden Hansetagen eine Ausstellung konzeptionieren.“ Auch der Nationalsozialismus ist noch ein weiteres Thema. Aber zunächst können jetzt alle Interessierten die 45-minütige Lokalgeschichtsdokumentation im Haus Hövener und auf der Homepage des Gymnasiums Petrinum anschauen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare