Frevelhafte Tat

Bekanntschaft mit dem Schnadestein machen Briloner, Neubürger und Gäste. Weitere Bilder im Fotoalbum unter www.sauerlandkurier.de. Foto: Christoph Kloke

Wie vor 624 Jahren schritten die Briloner am vergangenen Montag wie alle zwei Jahre einen von fünf Grenzabschnitten - die rund 25 Kilometer lange Blumenschnade - ab. Rund 5000 Männer machten sich auf den Weg, darunter viele Briloner, die es in die Ferne gezogen hat. Die meisten kommen alle zwei Jahre zum "Mittsommerfest der Briloner" in ihre Heimat zurück. Diesmal wartete eine Überraschung in Rösenbeck.

Früher gab es ernsthafte Streitigkeiten um den Verlauf der Grenze zu den Nachbarn. Aber auch der Holzklau wurde beim Abmarsch der Stadtgrenzen geahndet. Das alte Brauchtum ist gute Tradition, auch wenn sich die Nachbarn heute vertragen und es schon lange keine Grenzverschiebungen mehr gab. Doch in diesem Jahr war alles anders.

Statt eines Grenzsteins fanden die Schnadegänger an der Grenze zu Rösenbeck, unweit des Lagerplatzes "Am Schwarzen Haupt", ein leeres Loch vor. Der Stein wurde ausgehebelt und lag 20 Meter weiter im Feld. "Das ist eine frevelhafte Tat und kein Dummer-Jungenstreich. Noch heute früh um halb sechs war der Grenzstein an seinem Platz", machte Bürgermeister Franz Schrewe seinen Unmut deutlich, während die Rösenbecker Abordnung ihr Schmunzeln nicht verbergen konnte. Die Rösenbecker wehrten sich jedoch gegen jeglichen Verdacht und meinten, nachdem Stadtschreiber Klaus Hülsenbeck den Rezess vor dem leeren Loch verlesen hatte, scherzhaft nur: "Wenn wir es gewesen wären, hätte der Stein nicht 20 Meter weiter, sondern vor der Briloner Rathaustreppe gelegen."

Alle anderen Grenzpunkte zu den Nachbarn waren ohne Beanstandung. Am Stadtborn begrüßten die Delegationen aus Wülfte und Alme die Schnadegänger. Beim Grenzrezess "Am stumpfen Turm", dem Standort eines mittelalterlichen Wartturmes, waren es die Thülener. Am Haus Becker empfingen die Messinghauser die Mannsleute, bevor es für die offiziellen Delegierten durch die Hoppecke ging. In Hoppecke dann der letzte Grenzstein am Haus Wilmes, das mitten auf der Grenze zwischen Hoppecke und Brilon liegt.

Gäste aus aller Welt bei der Schnade

Nachdem vor zwei Jahren das türkische Fernsehen TRT Ankara von der Briloner Schnade berichtet hatte, wollte Erdogan Gökce diesmal mit dabei sein und reiste aus dem türkischen Karabül an. Aus der Volksrepublik China kam Miao Du. Der Geschäftsführer des chinesischen Werkes der Firma Hoppecke Batterien wanderte begeistert mit.

Wer die weiteste Anreise hatte, steht auf fl Seite 3

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