Persönliche Herausforderung angenommen

Thomas Neuhaus fährt fürs Fischbrötchen zur See

Ein Foto mit Fischbrötchen am Zielort Hooksiel war Pflicht. Danach hat es Thomas Neuhaus aber gerne verschenkt.

Brilon. Er hat in wenigen Stunden insgesamt 518 Kilometer unter die Pedale genommen, dabei mehr als 10.000 Kalorien verbrannt und für den Hin- und Rückweg 18 Stunden und neun Minuten reine Fahrtzeit auf dem Rennrad in Kauf genommen, um an der Nordsee – in Hooksiel – ein Fischbrötchen zu essen. „Dabei bin ich eigentlich gar kein Fischbrötchen-Typ“, gesteht Thomas Neuhaus. Was hat den 39-jährigen Briloner getrieben, diesen außergewöhnlich großen Aufwand für einen – unliebsamen – kulinarischen Happen zu betreiben?

„Weil es Spaß macht und man sich selber etwas beweisen möchte und sehen möchte, wie weit der Körper geht“, sagt der Hobby-Rennfahrer. Er war im Internet auf die „Fischbrötchen-Tour“ aufmerksam geworden, die der Initiator vor zehn Jahren aus Jux und Dollerei mit der Idee „Ich fahre zur Nordsee und esse ein Fischbrötchen“ aus der Taufe gehoben hatte. Mit der Zeit fand dieser immer mehr „Nachahmer“. Inzwischen muss man sich für die Tour, die ab Stukenbrock startet, sogar bewerben – 28 Teilnehmer sind zu gelassen.

„Bei so einem Blödsinn muss ich mitmachen“, sagt Thomas Neuhaus lachend, der bei seiner Bewerbung dem Veranstalter auch eine kleine Geschichte erzählt hat – über seinen Unfall 2013 und die mühsame Rehabilitation. Neuhaus hatte viele Kilos zugenommen und war in ein schwarzes Loch gefallen, hatte sich nutzlos gefühlt.

Thomas Neuhaus ist stolz auf sich, dass er die Strecke mit seinem Rennrad geschafft hat.

Den nötigen Ansporn wieder auf die Beine zu kommen, bekam Thomas Neuhaus von seinem sehr guten Freund Alfred Kothke. Seitdem hat Neuhaus nicht nur seine Pfunde wieder verloren, sondern „ich bin wieder positiver und im Leben wieder dabei“. Alfred Kothke war es auch, der dem Rennradler ans Herz legte, sich an der „Fischbrötchen-Tour“ zu versuchen: „Du kannst das, wenn du willst.“

Dennoch plagten den 39-Jährigen einen Tag vor der Tour derbe Versagensängste. Von seiner Tochter Emily und seiner Frau ließ er sich daher einen „Motivationszettel“ schreiben, den er in seinem Handy während der gesamten Tour bei sich trug.

Herausforderung gepackt

Seine Sorgen waren unberechtigt: Auch wenn auf der Heimfahrt – nach einer Übernachtung in Jever – nach einem Bergsprint 100 Kilometer vor dem Ziel die Knie begonnen haben zu zittern – Thomas Neuhaus hat seine persönliche Herausforderung gepackt. Auch wenn er das Fischbrötchen in Hooksiel nur fürs Foto in die Hand nahm und daraufhin gleich weiter verschenkte, um kurz danach lieber ein Snickers zu verschlingen, um sein „Hunger-Ast“ zu überwinden: „Ich hätte es direkt mit Papier essen können.“

Und dennoch wird er wieder für ein Fischbrötchen zur Nordsee radeln. „Nächstes Jahr will ich wieder dabei sein“, sagt der Briloner, der sich als neue Herausforderung mittelfristig aber die 300 Kilometer am Stück vorgenommen hat – um die 281 Kilometer der Hinfahrt von Stukenbrock über Hooksiel nach Jever zu toppen.

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