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Gemeinsamer Kampf gegen den Krebs - Typisierungsaktion für zwei Sauerländer am Sonntag

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Von: Jessie Kristen

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Den Kindern beim Erwachsenwerden zusehen: Das ist es, was sich die an Leukämie erkrankte Katharina Schmidt am meisten wünscht – den Mut hat die Familie noch lange nicht verloren.
Den Kindern beim Erwachsenwerden zusehen: Das ist es, was sich die an Leukämie erkrankte Katharina Schmidt am meisten wünscht – den Mut hat die Familie noch lange nicht verloren.

Brilon-Wald/Deifeld - Ein weiterer Schicksalsschlag erschüttert die Region – erneut trifft es eine Familie, der völlig unerwartet der Boden unter den Füßen weggerissen wird. Die gerade einmal 29-jährige Katharina Schmidt aus Brilon-Wald muss sich ebenso wie der Deifelder Florian Hellwig und tausende weitere Menschen plötzlich eingestehen: Ich habe Krebs. Genauer gesagt akute Leukämie.

Von einem auf den anderen Moment kann das Leben, welches im Alltag oft so selbstverständlich erscheint, aus den Fugen geraten – und plötzlich ist nichts mehr, wie es einmal war. So erging es auch Katharina Schmidt aus Brilon-Wald im Juli 2019, während sie gemeinsam mit ihrer Familie nichtsahnend ein paar erholsame Urlaubstage verbrachte. Die Sonnenseite des Lebens eben, die plötzlich einen dunklen Schatten nach sich zieht. 

Katharina fühlt sich abgeschlagen. Ihr ist schwindelig, geringste Anstrengung ist schon zu viel. Vielleicht eine Grippe, mag man meinen, nichts habe konkret auf Schlimmeres hingewiesen, schildert ihr Bruder Florian Schmidt, der sich gemeinsam mit Katharina und den Kindern einfach nur eine schöne Zeit machen wollte. Dann plötzlich der Zusammenbruch seiner Schwester: „Sie lag nur noch da, war wie tot“, erinnert sich Florian an einige der wohl schlimmsten Sekunden in seinem Leben und dem seiner Schwester. 

Die schlimme Vorahnung der Ärzte am Urlaubsort bestätigte sich nur wenige Tage später, am 22. Juli, in einem Paderborner Krankenhaus: Katharina hat Blutkrebs oder auch akute lymphatische Leukämie. Akut bedeutet, dass der Krebs ohne die darauffolgende Chemotherapie nicht zu besiegen ist. 

Katharina trifft die zweitschlimmste Form. Im schlimmsten Fall hat sie nur noch fünf Monate zu leben, sollte kein geeigneter Stammzellenspender für sie gefunden werden. Dass sie erst 29 Jahre alt ist und so eine Krebsform eigentlich im Säuglings- oder hohen Rentenalter auftrete, mache es für ihren Bruder umso unbegreiflicher. „Die Diagnose war wie ein Schlag ins Gesicht. Das wünsche ich wirklich keinem, gesagt zu bekommen, man habe vielleicht nur noch Monate zu leben. Bei dem Gedanken sind wir aber noch lange nicht, es gibt Möglichkeiten – aufgeben gibt es für uns nicht, man wächst mit seinen Aufgaben.“ 

Während sich Katharina in der Chemotherapie ins Leben zurückkämpft, kümmert sich ihr Mann Roy liebevoll um ihre drei Kinder.
Während sich Katharina in der Chemotherapie ins Leben zurückkämpft, kümmert sich ihr Mann Roy liebevoll um ihre drei Kinder.

Wie schnell die Familie schließlich in die neue Situation hineinwächst, ist bemerkenswert. Katharinas Mann Roy lässt sich von seiner Firma beurlauben, während diese sich in den Chemoblöcken zurück ins Leben kämpft. Er kümmert sich liebevoll um die drei Kinder, sieben, neun und elf Jahre alt. Auch die merken schnell, dass mit der Mama etwas nicht stimmt. Um ihnen den größten Schrecken zu nehmen, ergreift die Familie Maßnahmen, die unter die Haut gehen: Bevor Katharina die Haare ausfallen, dürfen die Kinder ihr diese kurzerhand selbst abrasieren. „So konnten sie sich besser damit anfreunden und dachten beim Anblick der Glatze vielleicht nicht – ‘Was passiert hier mit der Mama gerade?’“, erzählt Florian. 

Ihren Kindern noch beim Erwachsenwerden zuzusehen, sei Katharinas größter Wunsch, noch etwas Zeit zu haben für gemeinsame Erlebnisse und schöne Momente, denn damit verbringe sie ihre Zeit am liebsten. Mit Katharinas Erkrankung geht die Familie, auch den Jüngsten gegenüber, weiterhin ganz offen um. „Wir haben es den Kindern so erklärt, dass es sich bei den Blutkörperchen um eine Art ‘Blutpolizei’ handelt, die nur gerade nicht mehr so funktioniert wie bei gesunden Menschen“, schildert Florian die Versuche, sie möglichst spielerisch und sanft an das so schmerzhafte Thema heranzuführen. 

Schmerzen, die auch Katharina momentan tagtäglich verspürt und von denen ihr Bruder sie am liebsten befreien würde – was natürlich nicht möglich ist. Dass er als Spender infrage kommt, dazu bestehe nur eine geringe Chance, denn sein Spendermaterial enthalte lediglich fünf von zehn genetischen Merkmalen, die mit denen von seiner Schwester übereinstimmen. Zu wenig eigentlich, so die Ärzte, denn die Gefahr, dass sie dieses dann wieder abstößt, sei groß. „Zehn von zehn identischen Merkmalen wäre Jackpot, Ostern und Weihnachten auf einmal, umso besser stehen die Chancen auf Heilung“, weiß Florian Schmidt, der dem Krebs seiner Schwester den Kampf angesagt hat. 

Zwei erkrankte Menschen, an denen viele Schicksale hängen – auch die Familie um Florian Hellwig aus Deifeld gibt sich dem Krebs nicht geschlagen.
Zwei erkrankte Menschen, an denen viele Schicksale hängen – auch die Familie um Florian Hellwig aus Deifeld gibt sich dem Krebs nicht geschlagen.

Ein Kampf, den auch die Familie rund um Florian Hellwig aus Deifeld derzeit austrägt (SauerlandKurier berichtete). Kurz vor Heiligabend erhielt er die schockierende Diagnose: Akute Myeloische Leukämie, die aggressivste Form der Krankheit. 

Typisierungsaktion soll Leben retten

Zwei Schicksale, die die Menschen im Sauerland wachrütteln, und dunkle Stunden, in denen sich Lichtblicke abzeichnen – denn Hoffnung spendet den Betroffenen nun die große Welle der Hilfsbereitschaft, die diese von Freunden genauso wie Fremden erfahren. So wurde die laut DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) wahrscheinlich bislang größte Aktion, die diese jemals mit ausgerichtet hat, in Medebach ins Leben gerufen – eine Typisierungsaktion, bei der sich jeder gesunde Mensch zwischen 17 und 55 Jahren frei nach dem Motto „Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein“ binnen weniger Minuten als Spender registrieren lassen kann. 

Auch Florian Schmidt sei in das „Orgateam“ der Typisierungsaktion „mitreingerutscht“ und war überwältigt, wie hilfsbereit die Menschen im Sauerland sind. Ebenso herzlich wurde er von den Deifeldern rund um Florian Hellwig aufgenommen. „Ich sitze hier jeden Tag mit Gänsehaut für so viel Offenheit und Herzlichkeit der Menschen“, erzählt er, sichtlich gerührt von der großen Anteilnahme. „Die Aktion wird ein ‘Riesending’, schon im Vorfeld haben sich über 3000 Menschen für die Registrierung angekündigt. Wir haben weit über 100 Helfer an dem Tag vor Ort, sodass es sich für jeden nur um wenige Minuten ihrer Zeit handelt“ – Zeit, die den Erkrankten langsam, aber sicher durch die Finger rinnt und die über Leben und Tod entscheiden kann.

Die Typisierungsaktion findet am morgigen Sonntag, 26. Januar, von 13 bis 17 Uhr in der Schützenhalle Medebach statt. Es werden Busse ab Brilon Bahnhof über Willingen sowie ab Winterberg Bahnhof um 13 und 15 Uhr inklusive Rückfahrt angeboten. Die Mitfahrt ist kostenlos. Die Busunternehmen Rettler und Sälzer spenden pro Fahrgast fünf Euro an die DKMS.

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