Heizen mit Elefantengras

David Witteler misst den Trockengrad des Schilfs - bald kann er ernten. Foto: Sens

Die Energiepreise steigen. Ein Ende scheint nicht in Sicht. Viele bringt das dazu, über Alternativen nachzudenken. Die Familie von David Witteler in Nehden hat das vor zwei Jahren getan und deckt ihren kompletten Bedarf an Heizenergie mit einem Brennstoff aus eigener Produktion ab: Elefantengras.

Das Riesen-Chinaschilf aus dem asiatischen Raum wird bis zu vier Meter hoch. Seine kleinere Wuchsform taucht schon mal in Gärten als Ziergras auf. Aber dass es als Energieträger taugt, davon wissen bisher die wenigsten. Dabei rückte die Pflanze schon in den 70er-Jahren als alternative Energiequelle in den Fokus. Anfang der 90er gab es eine Forschungsförderung der Bundesregierung. Damals erfüllte die Pflanze die Erwartungen noch nicht. Inzwischen wurden in der Entwicklung einige Fortschritte erzielt.

"Auf keinen mehr angewiesen"

In Nehden gab ein Bericht den Anstoß, den der Vater von David Witteler in einem landwirtschaftlichen Wochenblatt las. Die Wittelers stießen im Internet auf eine Firma aus dem Soester Raum, die ihnen die Pflanzen besorgte. Vor zwei Jahren ließen sie mit einer Kartoffelpflanzmaschine die Rhizome auf einer ein Hektar großen Anbaufläche setzen. Drei bis vier Jahre braucht die Pflanze, um sich voll zu entwickeln. Im vorigen Jahr bestritten Wittelers bereits einen Teil ihres Brennstoffbedarfs mit den Schilf-Häckseln. In diesem Jahr hoffen sie auf einen Ertrag zu kommen, der der Heizleistung von in etwa 6.000 bis 8.000 Litern Heizöl entspricht.

"Damit sind wir auf keinen mehr angewiesen in unser Heizstoffversorgung", freut sich David Witteler. Der Aufwand sei dabei relativ gering. Die Pflanzen, einmal gesetzt, haben eine Lebensdauer von 20 bis 30 Jahren. Bei den Standortbedingungen gelten ähnliche Anforderungen wie für Mais. Pro Tag, so hat Witteler ausgerechnet, wachse die Pflanze im Schnitt drei bis fünf Zentimeter. Nachdem die Blätter wieder abgefallen sind, werden die Stängel mit dem Maishäcksler geerntet und zerkleinert. Im Idealfall sind sie dann bereits so trocken, dass keine aufwändige Nachtrocknung erfolgen muss. Mit dem Heugebläse werden die Schnitzel auf den Dachboden gepustet und kommen von dort direkt in den Ofen. Das Teuerste an der Investition sei der Hackschnitzelofen. Dort können alternativ auch Holz-Pellets verheizt werden. In sechs bis sieben Jahren, schätzt Witteler, haben sich die Kosten amortisiert. Als sogenannte C4-Pflanze gewinnt das Schilf seine Energie überwiegend aus der Luft. Es müsse nicht gedüngt werden und Pestizide würden auch nicht zum Einsatz kommen. Eine unkontrollierte Verbreitung sei nicht zu befürchten, da sich die in Europa eingesetzten Pflanzen ausschließlich über Rhizome vermehren, die relativ langsam wachsen. Bei der Verbrennung seien die Häcksel staubärmer als Pellets. Das hohe Schilf biete zudem heimischem Wild ideale Versteckmöglichkeiten, rundet Witteler seine Aufzählung der Vorteile ab. Nun wartet Familie Witteler auf eine lange Trockenperiode, um mit der Ernte zu beginnen, die im Frühjahr erfolgt.

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