„Sprache ist der Schlüssel“

"Innovationscluster Handwerk" informiert über Flüchtlinge als Arbeitnehmer

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Zur Fachkräftesicherung und nachhaltigen Integration stellten Udo Linnenbrink (Willkommenslotse Handwerkskammer), Ingomar Schennen (Kreishandwerkerschaft Hochsauerland), Dagmar Stümpel-Müller (Handwerkskammerjuristin), Verena Kurth (Handwerkskammer Südwestfalen), Andreas Goesmann (Teamleiter Integrationsberatung und Koordinator Arbeitsagentur) und Oliver Dülme (Wirtschaftsförderer Brilon) die Chancen durch geflüchtete Menschen als Auszubildende oder Mitarbeiter vor.

Brilon/Hochsauerland. Beim Netzwerktreffen des „Innovationscluster Handwerk“ informierten die Handwerkskammer Südwestfalen, die Kreishandwerkerschaft und die Briloner Wirtschaftsförderung die regionalen Unternehmer zum Thema „Geflüchtete Menschen als Auszubildende oder Mitarbeiter“.

Wirtschaftsförderer Oliver Dülme freute sich über den Arbeitskreis im Bürgerzentrum Brilon. Udo Linnenbrink, einer von bundesweit 180 Willkommenslotsen, hob die Chancen durch die Zuwanderung hervor: „Die Motivation und Begeisterung dieser Menschen ist ein wertvolles Kapital für die Betriebe.“ Geeignete Bewerber zu finden, in engem Austausch mit der Arbeitsagentur und den zuständigen Institutionen an den Betrieb zu binden und die Beteiligten zu begleiten, ist die Aufgabe des Willkommenslotsen. Linnenbrink stellte die Möglichkeiten der berufsbegleitenden Sprachförderung vor: „Die Sprache ist der Schlüssel. Die Perspektive für alle Beteiligten: Azubis und Fachkräfte als Bereicherung sowie eine nachhaltige Integration.“

Die Hemmnis sieht der Willkommenslotse in der ländlichen Region im Nahverkehr, da die Zugezogenen oft keinen Führerschein haben. Verena Kurth von der Handwerkskammer Südwestfalen erklärte, dass sich die Sprachbarrieren verminderten und viele Unternehmen positiv eingestellt seien. Jedoch seien die Bildungsvorraussetzung anders, da es in den Herkunftsländern andere Schulsysteme gebe oder Flüchtlinge aufgrund des Krieges ihre Schul- sowie anderen Berufsausbildungen abgebrochen hätten.

Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse

Zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse referierte die Handwerkskammerjuristin Ass. jur. Dagmar Stümpel-Müller: „In einem Anerkennungsverfahren können Ausbildungen aus anderen Ländern auf die Gleichwertigkeit in einem äquivalenten Beruf anerkannt werden. Die Antragsteller erhalten keinen deutschen Gesellen- oder Meisterbrief, sondern einen Gleichwertigkeitsbescheid.“ Meistens werde ein „teilweise Gleichwertig“ festgestellt, das durch Kurse oder betriebliche Nachschulungen zu einer vollen Anerkennung ausgebaut werden könne. Das je nach Aufwand 100 bis 600 Euro teure Antragsverfahren dauert in der Regel drei Monate und kann gefördert werden. 

Über gut gefüllte Fördertöpfe für die Sprachförderung berichtete Andreas Goesmann, Teamleiter Integrationsberatung und Koordinator der Arbeitsagentur. Weiter erklärte Goesmann die „Drei-plus-zwei-Regelung“. Damit erhalten Geflüchtete während einer dreijährigen Ausbildung ihre Duldung und anschließend für zwei Jahre ein Aufenthaltsrecht. „Das Ziel muss jedoch ein erfolgreicher Abschluss sein, dafür sind natürlich die entsprechenden Kenntnisse erforderlich. Die Fälle, bei denen die Einstiegsqualifizierung (sozialversicherungspflichtiges Praktikum) oder Ausbildung als Bleibegrund im Vordergrund steht, scheitern sehr oft“, gab Andreas Goesmann zu bedenken.

Aus der Runde der Unternehmer wurden positive Erfahrungen mit Geflüchteten als Arbeitnehmer oder Auszubildende geteilt, aber auch über Probleme mit Behörden und Ämtern berichtet. Hier setzten die Organisatoren der Veranstaltung an und helfen zu vermitteln. Udo Linnenbrink gab den Interessierten mit auf den Weg die Behörden frühzeitig mit einzubinden.

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