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Bemalte Steine auf Reisen: Internet-Trend "Sauerlandstones" zieht weitere Kreise

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Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt: Beim Verzieren der „Sauerlandstones“ zählt nicht Perfektion, sondern der Spaß an der Sache.

Brilon - In bunte Farben getauchte Steine, die das Herz erweichen und für Glücksgefühle sorgen, gehen derzeit in den Wiesen und Wäldern des Sauerlands auf Reisen. Über den Atlantischen Ozean hinweg ist die Idee nun auch bis nach Brilon übergeschwappt und sorgt für eine regelrechte Welle der Begeisterung. Anderen eine Freude machen und sich selber dabei etwas Gutes tun: Der Hype um die „Sauerlandstones“ weckt einen Gedanken, der in der heutigen Gesellschaft immer mehr verloren geht.

Entschleunigung trifft auf Nächstenliebe – die Idee zu den „Sauerlandstones“ ist dabei so simpel wie das Bemalen selbst: Verziert mit bunten Mustern und Farben werden die Steine anschließend an einem beliebigen Ort der Wahl „ausgesetzt“. Der Finder wiederum darf diesen behalten, sich daran erfreuen oder ihn weiter auf Reisen schicken. Wegbereiterin Anisha Karthaus aus Menden wünscht sich, dass die kleinen Kunstwerke ihren Weg auch über die Grenzen des Sauerlands hinaus finden – um so Menschen auf der ganzen Welt ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. 

Sie selbst brachte den Stein sprichwörtlich auch im Sauerland ins Rollen, nachdem sie während ihres Dänemark-Urlaubs auf die bemalten Kunstwerke gestoßen war. Den Gedanken im Gepäck gründete sie kurzerhand eine Gruppe im sozialen Netzwerk Facebook namens „Sauerlandstones“. Wichtig sei ein gut lesbarer Hinweis auf der Rückseite des Steins mit einem Facebook-Symbol, dem Hashtag #sauerlandstones sowie einer kleinen Gebrauchsanweisung (zum Beispiel „finden, posten, weiterreisen lassen“). 

Unikate für die Ewigkeit

So können Menschen miteinander in Kontakt treten, die sich nie zuvor begegnet sind, aber eines teilen: Sie alle haben eine Leidenschaft für sich entdeckt, in der es nicht um Perfektion, sondern das Besondere im Einzigartigen geht. „In der Gruppe sind alle gleich, keiner wird, wie in vielen anderen Gruppen, niedergemacht“, weiß Sabine Schöpe aus Brilon, die Ende Juli auf das Projekt bei Facebook aufmerksam geworden ist – zu diesem Zeitpunkt verzeichnete die Gruppe gerade einmal 90 Mitglieder. 

„Ich bin dazugestoßen, weil ich etwas machen wollte, was nicht vergänglich ist. Die Steine sind für die Ewigkeit und jeder einzelne ist ein kleines Unikat. Es ist fast so, als würde man ein Puzzle machen – man begibt sich immer wieder daran und lässt Stück für Stück etwas ganz Großes entstehen“, beschreibt die passionierte Malerin die Intention hinter den „Sauerlandstones“. Mittlerweile ist die Gruppe auf stolze 1.153 Mitglieder gewachsen (Stand: 13. September) und ein echter Internet-Renner geworden. Bilder gefundener Steine werden dort geteilt, womöglich entdeckt man sogar seinen eigens kreierten Stein wieder oder erfreut sich schlicht und ergreifend an der gemeinsamen Sache. 

Für die "Sauerlandstones" tauschte die "rasende Reporterin" und SauerlandKurier-Volontärin Jessie Kristen die Schreibfeder gegen den Pinsel ein.

Dass dieser Trend um die Welt geht, stellte auch Sabine Schöpe fest: „Die Idee stammt aus den USA und ist dann an der Nord- und Ostseeküste ‘gestrandet’. Dort bemalt mittlerweile gefühlt jedes zweite Kind einen Stein im Strandkorb. Meine Werke habe ich erstmal in der Umgebung versteckt, die ‘Sauerländer Kuh’ will ich aber demnächst auf Kreta auswildern“, scherzt die Brilonerin. 

An den „Sauerlandstones“ fand sie so viel Gefallen, dass sie prompt einen Aufruf zum gemeinsamen Malen bei Facebook startete – und so Manuela Marx aus Brilon kennenlernte, die ihrer Kreativität durch das Bemalen der Steine wieder auf die Spur kam und ebenfalls ein großer Fan der „Sauerlandstones“ ist. „Zwar habe ich die bunten Steine bereits auf Fehmarn für mich entdeckt, über eine Kundin bin ich dann aber erst auf die Facebook-Gruppe der ‘Sauerlandstones’ aufmerksam geworden“, berichtet die studierte Architektin, die mittlerweile im Lifecoaching-Bereich arbeitet. „Meiner Mutter gehörte ein Kunststudio in Willingen. Durch das Bauzeichnen in meinem Beruf und den elterlichen Einfluss bin ich auch nicht um die Kunst herumgekommen. Es ist schön, durch die ‘Sauerlandstones’ wieder ans Malen zu kommen. Ich habe viel zu lange vor eine weiße Leinwand geschaut.“ 

Ihre ersten eigenen Steine hat Manuela Marx auf ihrer alltäglichen Morgenrunde auf dem Rothaarsteig, an den Bruchhauser Steinen und an der Feuereiche ausgesetzt; ein weiterer soll bald den Waldfeenpfad schmücken, schließlich hat sie die Symbolfigur der Stadt Brilon darauf verewigt. Durch die Idee der „Sauerlandstones“ könne sie es kombinieren, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen, an die frische Luft zu kommen und anderen ganz nebenbei noch eine Freude zu machen. „Der Aspekt des Altruismus kommt dabei deutlich zum Tragen – denn wenn man anderen etwas Gutes tut, tut dies auch einem selber und der eigenen Gesundheit gut. Das fehlt heutzutage häufig. Man hört so viel Negatives, dass man einen Kontrast wie diesen braucht“, resümiert die Künstlerin aus Leidenschaft.

Haben eine Leidenschaft für sich entdeckt: (v.l.) Sabine Schöpe und Manuela Marx aus Brilon lernten sich in der Facebook-Gruppe „Sauerlandstones“ kennen. Zum gemeinsamen Malen traf man sich bereits.

Die „Sauerlandstones“ sollen nicht nur für spaßige Stunden sorgen, ihnen wohnen noch viele weitere positive Nebeneffekte inne. Auch Stress ließe sich durch die achtsame Tätigkeit des Malens laut Manuela Marx im Handumdrehen minimieren – diese nutzt sie hin und wieder sogar als eine Form der Meditation. „Ich meditiere mindestens zehn Minuten am Tag, ab und an dient aber auch das Bemalen der Steine als kleine Entschleunigung für zwischendurch. Im kreativen Schaffen kreisen die Gedanken weniger und es fällt oft leichter, abzuschalten“, weiß die ausgebildete Intuitionstrainerin. 

Auch das Sterben der Bäume in den Wäldern inspirierte sie dazu, dem Leben wieder mehr Farbe einzuhauchen und den Menschen eine Botschaft mit auf den Weg zu geben. Einer ihrer liebevoll gestalteten Steine ziert das Wort „Zärtlichkeit“. „Wer dieses Gefühl gerade braucht, der wird den Stein schon finden“, so ihr Bestreben, durch das man aus ihrer Sicht nur gewinnen könne. 

Botschaften "in Stein gemeißelt"

Eine bedeutungsschwere Botschaft vermittelt auch ihre Tochter Amelie, indem sie eindrucksvoll zeigt, wie gelungene Inklusion aussieht. Die Diagnose „Autismus“ hat ihr Leben verändert – nicht aber ihren Lebensmut. So habe das Bemalen der Steine nicht nur auf Manuela Marx, sondern auch auf ihre Tochter eine immense Wirkung. Die kreative Tätigkeit helfe Amelie, mit den Reizen der Außenwelt besser in Einklang zu kommen, schildert die Mutter des 11-jährigen Mädchens. „Es gibt wohl einige Autisten in Brilon, aber nur wenige trauen sich, darüber zu reden. Meine Tochter ist auch in der Schule ganz offen mit ihrer Diagnose umgegangen. So kann sie für sich eher erklären, warum sie anders ist als alle anderen. Dann darf sie so sein wie sie ist“ – nämlich einzigartig, genau wie die „Sauerlandstones“. „Seit der Diagnose werden wir nicht mehr ganz so schräg angeguckt. Ich finde es beachtlich, wie sie damit umgeht. Ich lerne viel von ihr“, gesteht Manuela Marx. 

Offen und neugierig durch das Leben zu gehen und die Scheuklappen mal abzulegen – dafür plädiert auch Holger Schöpe an der Seite seiner Frau Sabine. „Die meisten Menschen gehen nur noch geradeaus durch das Leben, anstatt innezuhalten und auch mal nach links und rechts zu schauen. Auch wir gehen wieder anders durch die Welt, seitdem wir uns an der Aktion der ‚Sauerlandstones‘ beteiligen.“ 

Der „I love SauerlandKurier“-Stein ist auf Reisen gegangen und wartet nun auf seinen Finder.

Ein Bewusstsein für das Besondere im Detail zu schaffen, sich und anderen Gutes zu tun, aber auch die kleinen Dinge des Alltags wieder mehr wertzuschätzen – der Gedanke hinter den „Sauerlandstones“ scheint Spuren zu hinterlassen und auch hier schon erste Meilensteine gesetzt zu haben – denn wie es schon der gute Goethe wusste: „Wer nichts für andere tut, tut nichts für sich.“

Wir machen mit! 

Den „I love SauerlandKurier“-Stein, den uns Familie Schöpe geschenkt hat, haben wir erneut auf Reisen geschickt. Wer diesen findet, wird gebeten, ein Foto mit Angabe des Fundortes an j.kristen@sauerlandkurier.de zu senden und einen Post in der Facebook-Gruppe „Sauerlandstones“ zu verfassen. Neumitglieder und Ideengeber für weitere gemeinsame Aktionen rund um die kunterbunten Steine sind jederzeit willkommen. Wie wir diese Idee finden? Um es in Karla Kolumnas Worten zu sagen: Einfach sensationell!

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