Mietverhältnis vereinbart

Irritationen um Standort beseitigt: Egger kauft Grundstück von Briloner Leuchten - Stadt wehrt sich gegen Vowürfe

Das rund 20.000 Quadrameter große Grundstücksareal der Briloner Leuchten GmbH & Co. KG wurde jetzt von der Egger Holzwerkstoffe Brilon GmbH & Co. KG erworben.
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Das rund 20.000 Quadrameter große Grundstücksareal der Briloner Leuchten GmbH & Co. KG wurde jetzt von der Egger Holzwerkstoffe Brilon GmbH & Co. KG käuflich erworben.

Paukenschlag in der Briloner Wirtschaftswelt: Wie dem Sauerlandkurier auf Anfrage exklusiv von beiden Unternehmen bestätigt wurde, hat die Egger Holzwerkstoffe Brilon GmbH & Co. KG das rund 20.000 Quadrameter große Grundstücksareal der Briloner Leuchten GmbH & Co. KG Im Kissen käuflich erworben. Zudem wurde mit Briloner Leuchten eine mehrjährige Weiternutzung im Rahmen eines Mietverhältnisses vereinbart.

Brilon/Meschede – „Wir können den Kauf bestätigen. Die notarielle Beurkundung hat bereits stattgefunden, wobei die finale Abwicklung noch nicht erfolgt ist. Zum Kaufpreis machen wir keine Angaben“, erklärte Martin Ansorge, kaufmännischer Werksleiter bei Egger gegenüber unserer Zeitung. Zu den Beweggründen sagte er: „In erster Linie haben wir uns diese Liegenschaft gesichert, um in der Zukunft weiteres Wachstum gewährleisten zu können.“ Der Standort Brilon entwickele sich stets dynamisch und man habe mit diesem Areal die optimale Abrundung des bestehenden Werksgeländes geschaffen. „Vor dem Hintergrund der stetigen Erweiterungs- und Modernisierungsmaßnahmen im Werk benötigen wir immer ausreichend Potentialflächen.“ Derzeit beschäftige man sich etwa intensiv mit den Vorbereitungen zum Bau eines zweiten Hochregallagers für Fertigware mit einem Investitionsvolumen von knapp 17 Millionen Euro.

Auch von Seiten der Briloner Leuchten wurde der Deal bestätigt. Sebastian Saturna, Prokurist und Kaufmännischer Leiter, verwies darauf, dass Egger das 20.000 Quadratmeter große Grundstücksareal mitsamt den 4.000 Quadratmeter großen Hallen und den 2.000 Quadratmetern Büro- und Ausstellungsfläche gekauft und sich somit den Standort für die nächsten 100 Jahre gesichert habe.
Der Mietvertrag sei zwischen den beiden Parteien für eine mehrjährige Nutzung unterschrieben und notariell beurkundet worden. Er betont zugleich: „Damit bleiben wir am Briloner Standort. In Meschede ist zunächst ausschließlich die Logistik angesiedelt.“ Während man aktuell dabei sei, aus infrastrukturellen Gründen auch den „Ladenbau“, also die hauseigene Service-Konstruktionsabteilung, ins Gewerbegebiet Enste zu verlagern, sei ein derartiger Umzug für das Verwaltungsgebäude vorerst nicht geplant.

Spekulationen um Umzug Mitte 2023 nicht bestätigt

Zuletzt hatte es in Brilon öffentliche Spekulationen darüber gegeben, dass die Briloner Leuchten Mitte 2023 endgültig ihrem Gründungsort den Rücken kehren würden. Ausgelöst wurden diese unter anderem durch ein von Gewerbe- und Industriemakler Thomas Kaefer (Universal-X GmbH) verfasstes offizielles Schreiben an die Presse. Darin beklagt der mit der Vermarktung des Grundstückareals beauftragte Immobilienexperte den Verlust des Traditionsunternehmens für die Stadt Brilon, welches nun auch seinen Stamm- und Verwaltungssitz mit 280 Arbeitsplätzen Mitte 2023 nach Meschede verlagern werde.

„Den genannten Termin können wir definitiv nicht bestätigen“, erklärte indes Sebastian Saturna auf Anfrage. Es sei sicherlich ein offenes Geheimnis, dass man sich langfristig mit einem kompletten Umzug des Unternehmens beschäftige, derzeit sei dies aber alleine aufgrund des logistischen und bautechnischen Aufwandes kein Thema.

„Mein Auftrag bestand darin, bis zum 30. Juni 2023 eine besenreine Abwicklung vorzunehmen“, versucht Thomas Kaefer im Gespräch mit unserer Redaktion die Irritation bezüglich des Datums aufzuklären. Dass die beiden Unternehmen Egger und Briloner Leuchten anschließend ein darüberhinausgehendes Nutzungsverhältnis vereinbart haben, sei ihm nicht bekannt. Fakt sei aber, dass die politisch Verantwortlichen ganz gleich zu welchem Zeitpunkt nicht genug getan hätten, um das Traditionsunternehmen in Brilon zu halten, so Kaefer..

Als gebürtiger Briloner fühle ich mich der Stadt verbunden und finde es sehr bedauerlich, dass uns unnötigerweise ein so gesundes, zukunftsorientiertes Unternehmen verloren geht.

Thomas Kaefer (Universal-X GmbH)

„Natürlich ist es ein schöner Erfolg, dass wir einen Käufer gefunden haben, obwohl die Unternehmen in den jetzigen Pandemiezeiten eher verhalten sind, was große Veränderungen und Investitionen betrifft. Als gebürtiger Briloner fühle ich mich aber auch der Stadt verbunden und finde es sehr bedauerlich, dass uns unnötigerweise ein so gesundes, zukunftsorientiertes Unternehmen verloren geht. Hätten Stadtspitze und Wirtschaftsförderung damals regionale Immobilienexperten eingebunden, als Briloner Leuchten zusätzliche Flächen suchte, hätte man das Unternehmen mit Sicherheit am Standort halten können.“

Bürgermeister Bartsch widerlegt Vorwürfe

Ein Vorwurf, gegen den sich Brilons Bürgermeister Dr. Christof Bartsch massiv zur Wehr setzt. „Das entspricht nicht der Wahrheit. Bevor Briloner Leuchten sich damals entschieden hatte, den Logistikbereich in Meschede-Enste anzusiedeln, haben wir in Brilon alle verfügbaren Flächen vorgestellt und eine Umsetzbarkeit überprüft“, erklärte der Bürgermeister. Herausgekommen sei dabei, dass die angebotenen Gewerbeflächen zu klein für die Leuchtenfirma gewesen seien und das infrage kommende ehemalige Nolte-Gebäude für ein Logistikunternehmen zu nah am Wohngebiet angegliedert gewesen wäre. „Der Hauptgrund für den Umzug nach Meschede-Enste war nicht allein die Fläche, sondern auch die hier fehlenden, aber zusätzlich benötigten Arbeitskräfte“, ergänzte Dr. Christof Bartsch.

In Kombination mit einem verhältnismäßig eher niedrigen Einkommen in der Logistikbranche und der anfallenden Fahrtkosten für die neuen Mitarbeiter aus anderen Ortschaften habe auch die infrastrukturelle Anbindung an die A46 dazu geführt, dass schließlich der Standort Meschede-Enste ausgewählt worden sei.

Zu der an ihm formulierten Kritik sagt Bartsch: „Wir haben uns zum damaligen Zeitpunkt viele Gedanken gemacht und sind pro-aktiv auf den Architekten zugegangen. Das war ein öffentliches Verfahren. Herr Kaefer wiederum ist nicht mit entsprechenden Flächen auf die Stadt zugekommen.“

Diskussion über Zwischennutzung als Schulgebäude

Nicht der einzige Vorwurf, den Thomas Kaefer dem Briloner Bürgermeister macht. So sei er mit einem Umbauplan für die Nachnutzung des Gebäudes der Briloner Leuchten ebenfalls auf keinerlei Interesse seitens der Stadt gestoßen. Gemeinsam mit dem Immobilieninvestor Wilhelm Mormann und mit Unterstützung des Architekten Andreas Kraft habe er ein Konzept entworfen, welches eine Zwischennutzung als Schulgebäude vorgesehen hätte, bevor an dem Standort endgültig hätten Büros entstehen sollen. „So hätten wir mehrere Probleme gleichzeitig gelöst“, erklärte Kaefer mit Blick auf das stark mit PCB belastete Gebäude des Briloner Gymnasium, für das eine Totalsanierung oder ein Abriss und Neubau unvermeidlich sei. Von den Unterrichtsräumen in denselben Größenverhältnissen über die Mensa bis zu den Sportflächen im Außenbereich habe das Konzept alles umfasst, auch an einen Shuttleverkehr zu den Turnhallen sei gedacht worden. „Wir bekamen erst auf unsere Nachfragen überhaupt eine Reaktion. Ein Sachbearbeiter teilte uns mit, man sei nicht interessiert“, so Kaefer.

Bürgermeister Bartsch bestätigte, dass an die Stadt die grundsätzliche Idee eines Umbaus des Gebäudes in ein Schulgebäude herangetragen worden sei. Jedoch sei ein solches Vorhaben regionalplanerisch sehr schwierig umzusetzen. Zudem halte er es für extrem gefährlich und unzumutbar, dass Kinder und Jugendliche in einem Industriegebiet zur Schule gehen bzw. mit dem Fahrrad dorthin fahren sollen.

Abwanderung als „Warnschuss“

Der Argumentation zum Trotz bleibt Thomas Kaefer bei seiner Kritik: „Wenn man so ambitionslos agiert und sich in den 2020er Jahren immer noch auf dem ausruht, was hier in den 1980er Jahren unter Stadtdirektor Schüle aufgebaut wurde, gefährdet man die Vielfalt der hiesigen vitalen, erfolgreichen und namhaften Unternehmen. Die Verwaltungsspitze und die politischen Gremien sollten die Abwanderung der Briloner Leuchten unbedingt als Warnschuss verstehen.“

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