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So hat es Julia Becker geschafft, 60 Kilogramm abzunehmen

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Von: Claudia Metten

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Die Ramsbeckerin Julia Becker (Mitte) hat mithilfe der Adipositas-Selbsthilfegruppe im Maria-Hilf-Krankenhaus Brilon (Sarah Wiese, Koordinatorin der Selbsthilfegruppe, und Chefarzt Dr. Martin Pronadl) 60 Kilogramm abgenommen. © Claudia Metten

Fast jeder vierte Erwachsene in Deutschland ist an Adipositas (Fettleibigkeit) erkrankt. Julia Becker aus dem HSK hatte Kleidergröße 50, als sie 2016 beschloss, etwas gegen ihre Erkrankung zu unternehmen. Seitdem hat die Architektin 60 Kilogramm verloren, trägt nun Kleidergröße 42. Aber wie hat sie das geschafft?

Brilon/Ramsbeck – „Ich habe im SauerlandKurier den Bericht ,Ich bin Sarah 2.0’ (erschienen am 23. Juli 2016, Anm. d. Red.) gelesen und das Vorher-/Nachher-Bild gesehen. Daraufhin habe ich Sarah angerufen und bin in die Adipositas-Selbsthilfegruppe im Maria-Hilf-Krankenhaus Brilon eingetreten“, berichtet Julia Becker aus Ramsbeck (Gemeinde Bestwig) vom Beginn ihrer Odyssee.

Als einen „Weckruf“ bezeichnet sie noch heute den Schritt in ein neues, selbstbestimmtes Leben, der ihr anfangs viel abverlangte.

Gewichtsreduktion und Umstellung der Lebensgewohnheiten

Sechs Monate lang musste sich die Ramsbeckerin das kostenlose, multimodale Programm erarbeiten, das auf Gewichtsreduktion und Umstellung der Lebensgewohnheiten abzielt, um schließlich selbst den Antrag für eine Magenverkleinerung bei der Krankenkasse stellen zu dürfen.

„Im Vorfeld gehörte viel Kopfarbeit dazu sowie eine komplette Ernährungsumstellung und Bewegungstherapie sowie Gespräche mit einem Psychologen. Die Unterstützung in der Selbsthilfegruppe hat mir dabei sehr geholfen“, so die 42-Jährige, deren Gewichtszunahme mit 18 Jahren im Studium begann und 20 Jahre andauerte.

Kein Figurproblem charakterschwacher Menschen

Wie Julia Becker gelten inzwischen ein Viertel der Männer und Frauen in Deutschland als adipös. Dabei ist Fettleibigkeit kein Figurproblem charakterschwacher Menschen, sondern eine anerkannte, chronische Erkrankung, die den ganzen Körper belastet und zu Folgeerkrankungen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Herzinfarkt oder auch Krebserkrankungen führen kann. Betroffene leiden nicht nur unter den physischen und psychischen Begleiterscheinungen, sondern auch unter Stigmatisierung durch die Umwelt.

„Vor der Magenverkleinerung 2017 stand eine zweiwöchige Eiweiß-Phase zur Leberfestigung an“, ergänzt Julia Becker. „Am Tag der OP war ich sehr aufgewühlt. Ich habe gehofft, dass der Schlauchmagen funktioniert und ich stark genug bin, nicht wieder zuzunehmen.“

„Ich fühle mich seit dem Eingriff wie neugeboren“

Seitdem sind fünf Jahre vergangen und die Ramsbecker Architektin hat nach dem erfolgreichen, einstündigen Eingriff die Pfunde purzeln sehen. Die engmaschige Betreuung vor der Operation, die Nachsorge, die dauerhafte Umstellung der Ernährung sowie regelmäßiger Sport dreimal pro Woche habe dazu beigetragen, ihr buchstäblich ein neues Leben zu bereiten. „Das Hungergefühl ist seit der Operation komplett weg, die Lust am Essen jedoch wieder da. Ich esse nur noch zu bestimmten Zeiten mehrmals am Tag. Allerdings bin ich nach einer viertel Pizza Margherita voll satt“, so Julia Becker. „Ich fühle mich seit dem Eingriff wie neugeboren, leistungsstark und ausgeglichen. Ich sitze nicht mehr auf dem Sofa, sondern bin agil unterwegs.“

Grundpfeiler ihrer Ernährung sind seit der Magenverkleinerung hauptsächlich eiweißreiche und fettarme Lebensmittel, viel Obst und Gemüse, Milchprodukte, mageres Fleisch sowie Fisch und ein geringes Maß an Kohlenhydraten.

Worauf soll nach der Operation verzichtet werden?

Auf kohlensäure- und zuckerhaltige Getränke sowie auf Süßigkeiten und Alkohol sollten Patienten nach der Operation möglichst verzichten. Zudem wird empfohlen, täglich Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamin B12 einzunehmen. Des Weiteren sollen täglich ein bis zwei Liter kohlensäurefreie Getränke vor und zwischen den Mahlzeiten im Abstand von 30 Minuten getrunken werden.

„Bei uns in der Adipositas-Selbsthilfegruppe wird Menschen mit Übergewicht geholfen, die meist einen BMI (Body-Mass-Index) von 35 bis 40 oder sogar höher haben. Jeder, der unter Adipositas leidet, kann zu uns kommen“, ergänzt Sarah Wiese, Koordinatorin der Selbsthilfegruppe und des Adipositaszentrums.

Maria-Hilf Krankenhaus Brilon arbeitet an Zertifizierung

Derzeit arbeitet das Maria-Hilf Krankenhaus Brilon an der Zertifizierung, um als Adipositaszentrum anerkannt zu werden. Dafür ist eine erfolgreiche, stationsübergreifende Zusammenarbeit in folgenden Abteilungen erforderlich: Ernährungsberatung, Bewegungstherapie, Psychosomatik, Gastroenterologie, Diabetologie, Anästhesie, Chirurgie und Adipositas Selbsthilfegruppe.

„Im Adipositas-Zentrum arbeiten spezialisierte Mediziner und Therapeuten Hand in Hand, um Patienten die bestmögliche Therapie zu bieten. Wir streben das Qualitätssiegel an, das von einer unabhängigen Kommission vergeben wird“, so Dr. Martin Pronadl, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie, abschließend.

Weitere Infos

Wer weitere Informationen wünscht, kann sich bei Sarah Wiese unter Tel. 02961/780-1265 oder per E-Mail an sarah.wiese@kh-brilon.de melden.

Selbsthilfegruppe

Das Treffen der Adipositas-Selbsthilfegruppe findet in jeder ungerade Woche montags von 19 bis 21 Uhr (zur Zeit per Zoom-Meeting) im Briloner Maria-Hilf-Krankenhaus statt. In den geraden Wochen treffen sich die Betroffenen mit ihrer Therapeutin Donnerstagvormittag von 9 bis 10 Uhr per Zoom-Meeting. 

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