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Kanadier Lance Heron gibt sein Footballwissen weiter

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Von: Stefan Krüger

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Hat immer ein Auge auf die Details: Beim Training der YouthJacks am Mittwoch achtete Heron ganz genau auf die Schrittfolge des Quarterbacks vor dem Passwurf. © Stefan Krüger

Brilon. Der Quarterback steht bereit, bekommt vom Center das „Ei“, läuft ein paar Schritte zurück und wirft anschließend einen butterweichen Pass in die Arme des Receivers, der über das Spielfeld flitzt. „Good job“, ruft Lance Heron über den Ascheplatz im Sportzentrum an der Jakobuslinde in Brilon. Der erfahrene Football-Headcoach aus Kanada schaut sich zurzeit genau an, was die Briloner Lumberjacks so auf dem Kasten haben.

Immer in Bewegung, immer einen passenden Tipp oder einen lockeren Spruch auf den Lippen – Lance Heron ist in diesen Tagen bei den Trainings der Brilon Lumberjacks und der YouthJacks, dem Nachwuchs des Briloner Teams, voll in seinem Element. „Er ist nicht hier, um etwas zu übernehmen, sondern weil er uns Trainer und Spieler ausbilden soll, damit der ganze Verein von seiner Erfahrungen profitieren kann“, sagt Lumberjacks-Headcoach Axel Hoepfner im Gespräch mit dem SauerlandKurier.

Hoepfner, der 2012 als Spieler von Heron bei den Hamm Aces spielte, hat seinen alten Trainer bei einem mehrtägigen Football-Camp Mitte März in Portugal gefragt, ob er für ein paar Tage nach Brilon kommen könne, um sich die Lumberjacks einmal anzusehen. Heron sagte sofort zu.

Aus dem Mutterland des Footballs

„Sie sind gut aufgestellt und haben eine gute Basis“ – so lautete Herons erster Eindruck der Lumberjacks nach seiner Ankunft in Brilon. Auf Englisch fügt er hinzu: „Sie kennen zwar die Grundlagen, aber nicht die kleinen Details. Im Football können diese entscheidend werden.“

Seine Detailversessenheit ist auch im Umgang mit den Spielern während des Trainings zu erkennen. Egal ob bei Pass- und Fangtraining für die Quarterbacks und Receiver, beim Defensivverhalten der Linemen oder beim Üben des Kickoffs – Heron nimmt sich die Zeit, um bei jedem Spieler ganz genau hinzuschauen. Er gibt Tipps zu den Schrittfolgen vor dem Pass oder welcher Winkel der Fuß bei einem Kickoff einnehmen sollte, damit der Football eine optimale Flugkurve bekommt.

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Heron erklärt den YouthJacks, wie sie sich bei einem Spielzug verhalten sollen. © Stefan Krüger

„Ich glaube sie werden sich in diesem Jahr gut schlagen“, so Herons Saisonprognose für die Lumberjacks. Dies sollte für das Briloner Team Motivation genug sein, um einen guten Saisonstart am heutigen Samstag, 15 Uhr, bei den Bocholt Rhinos hinzulegen. Heron muss es schließlich wissen, denn der erfahrene Headcoach ist in den letzten 30 Jahren im Mutterland des American Footballs als Trainer in fast allen Ligen unterhalb der NFL tätigt gewesen.

American Football als Chance für deutsche Kinder

„Die Linemen sind in Deutschland viel größer“, sagte Lance Heron im Gespräch mit dem SauerlandKurier . Die „big boys“ seien ideal für das Spiel in der Defensive eines American Footballteams, so Heron. Natürlich seien junge Spieler in Deutschland im Vergleich zu Kindern aus den USA bei der Footballausbildung im Nachteil.

„In den USA starten die Kinder bereits mit sechs Jahren mit dem Spielen. Das ist hier nicht der Fall“, erklärt Heron. „In den USA spielen die Kinder Flag-Football.“ Diese Variante des America Football komme ganz ohne Tacklings aus, da jeder Spieler ein Tuch in der Tasche hat, die vom Gegenspieler für ein erfolgreiches Tackling einfach nur herausgezogen werden müsse. „Die Kinder lernen so früh Spielzüge und Spielverständnis kennen“, so Heron.

Der Kanadier sieht im American Football eine Chance für deutsche Kinder. „Europäischen Fußball kann man nur richtig gut spielen, wenn man einen bestimmten Körpertyp besitzt“, so Heron. „Im American Football gibt es für jeden Körpertyp hingegen die passende Position.“ Axel Hoepfner erklärt in diesem Zusammenhang auch, dass Football-Teams im Vergleich zum Fußball sehr groß sind. Bei den Lumberjacks spielen zurzeit 58 Spieler, die auch während der Ligaspiele in der Regel alle zum Einsatz kommen.

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Mit vollem Einsatz dabei: Lance Heron zeigt den Jugendspielern beim Training, dass sie sich auch durch Ablenkungen nicht aus der Ruhe bringen lassen sollen. © Stefan Krüger

Mit der generellen Entwicklung des American Footballs in Deutschland zeigt sich Heron sehr zufrieden. „Ich war erstaunt, als man mir gesagt hat, dass es in Deutschland mittlerweile 64.000 Footballspieler gibt“, sagte Heron. Dies sei früher nicht so gewesen, so der Coach.

Herons Engagement könnte demnächst über seinen bis Montag dauernden Besuch bei den Lumberjacks hinausgehen. „Lance hat sich mit dem ‘American Football & Cheerleading Verband NRW‘ getroffen“, erklärt Mario Polzer von den Briloner Lumberjacks. Es wird darüber nachgedacht, eines seiner Football-Camps 2019 in NRW zu veranstalten.

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