Kiefernfund im Hollenloch

Marina, Tochter von Andreas Schudelski, hinter einem Sinterbecken in der sogenannten Apostelhalle der Höhle. In dieser fand man auch den Schienbeinknochen.

"Die Höhle gab es in Rösenbeck schon immer - da gab es Rösenbeck noch gar nicht", schmunzelt Andreas Schudelski, selbst seit 25 Jahren mit dem sogenannten "Hollenloch" eng verbunden. Die neuesten Knochenfunde aus der Höhle, die aus dem Jahr 2008 stammen, konnten nun vom Amt für Boden- und Denkmalpflege datiert werden.

Höhlenbären hielten ihren Winterschlaf, Vielfraße und Höhlenhyänen gingen hier auf Nahrungssuche, und auch der Mensch hinterließ seine Spuren in Form von Klingen, und Pfeilspitzen aus Feuerstein, aber auch Schmuckstücken, die unter anderem keltischen Ursprungs sind. Skelettreste der genannten Tiere, die alle während der letzten Eiszeit ausstarben, wurden bei Ausgrabungen 1831 gefunden. Die Rösenbecker Höhle gehörte 1789 zu den ersten Höhlen überhaupt, die untersucht wurden. "Das belegen auch die Inschriften, die zum Teil noch gut erkennbar sind", erzählt Andreas Schudelski, Mitglied im Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher. Die Rösenbecker Höhle, die vor rund 375 Millionen Jahren im Briloner Massenkalk entstand, wird wahrscheinlich nie alles preisgeben, was sie verbirgt. Zu groß und vor allem zu verschlungen breitet sie sich unter der Erde aus.

Andreas Schudelski ist hier oft "zu Besuch". Öffentlich zugänglich ist die Höhle allerdings nicht mehr. Um Raubgrabungen zu verhindern, wurde sie verschlossen und ist nur noch wissenschaftlich nutzbar oder unter fachlicher Führung zu besichtigen. "Ich versuche immer, mit wachem Blick durch die Höhle zu gehen", erklärt Schudelski. Dann seien auch immer wieder neue Entdeckungen möglich. So wie vor drei Jahren, als menschliche Kiefer- und auch Schienbeinknochen gefunden wurden. Dass es sich bei dem Kieferknochen um den eines Kindes handeln musste, wurde schnell deutlich, da die hinteren Backenknochen noch sehr tief liegen. Die Datierung durch Universitäten in Groningen (Niederlande) und Kiel, die der Briloner Heimatbund finanzierte, erbrachten dann im April die Ergebnisse: Der Schienbeinknochen stammt in etwa aus der Zeit um 300 vor Christi, das kindliche Gebiss ist sogar noch älter und kann auf die Zeit um 900 vor Christi datiert werden - die Grenze von Bronze- zur frühen vorrömischen Eisenzeit. Älteste Funde aus der Höhle belegen, dass der Mensch bereits zur Jungsteinzeit hier war und seine Handwerkszeuge aus Feuerstein hierhin mitgeführt hat. Wie etwa das Kind damals zu Tode kam, sollen weitere wissenschaftliche Forschungen noch herausfinden.

Wahrscheinlich ist, dass die Rösenbecker Höhle noch mehr Zeugnisse vergangener Zeitalter bereithält. Zufallsfunde sind immer wieder möglich. Doch um die weiten, hinter Felsspalten und Gesteinsmassen noch verborgenen Höhlenteile zu erforschen, "braucht es schon richtige Expeditionen", wie Andreas Schudelski vermutet. Heute wird die Höhle vor allem von vielen kleinen Bewohnern genutzt: Sechs verschiedene Fledermausarten halten hier ihren Winterschlaf. Währenddessen bleibt die Höhle komplett verschlossen. In jedem Frühjahr werden die Tiere in Menge und Art bestimmt. In einer Rösenbecker Ortschronik, die bis Ende 2011 erscheinen soll, kann man übrigens noch einmal alles detailliert über die Rösenbecker Höhle nachlesen - natürlich aus der Feder von Andreas Schudelski.

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