Vernissage: „Das Besondere herausarbeiten“

Kunstinstallation „Source“ in Alme möchte Wahrnehmung schärfen

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Die Vernissage des Kunstprojekts „Source“ der Essener Künstlerin Anne Berlit im Rahmen des Spirituellen Sommers zog viele Neugierige an: Kirchliche Vertreter, Kunstinteressierte, Naturliebhaber – und vor allem viele Almer, die an der Entstehung teils kräftig mitgewirkt hatten.

Alme – „Als ich das erste Mal gebeten wurde, eine Gruppe zu spirituellen Orten in Alme zu führen, bekam ich einen Schreck“, erinnerte sich Wolfgang Kraft, Sprecher der Alme AG. Inzwischen gehören das Geistige und Alme fest zusammen, sind die Almequellen einer von 43 offiziellen „Seelenorten“ im Sauerland. „Spiritualität ist etwas ganz Bodenständiges“, erklärte Susanne Falk. Sie ist Projektleiterin des Spirituellen Sommers und war diejenige, die das Kunstprojekt „Source“ (Quelle), welches an diesem Sommerabend am Entenstall in Alme eingeweiht wird, auf den Weg gebracht hat.

Falk entwickelte die Idee einer Kunstinstallation mit Bezug auf die Almequellen und brachte die Almer mit der Essener Künstlerin Anne Berlit zusammen. Diese besichtigte den Ort und war sofort fasziniert. „Eine Quell-Erfahrung ist immer ein Anfang, sie stimuliert zur Suche nach dem Ursprung. Ich versuche, von jedem Ort das Besondere herauszuarbeiten“, erklärte die Künstlerin. Besonders das achteckige Kneippbecken hatte es ihr schnell angetan. „Das war für uns eine wundersame Fügung, denn die Kneippanlage war in die Jahre gekommen und wurde längst nicht mehr so richtig genutzt. Wir hatten uns schon Gedanken gemacht, was wir damit anfangen sollten“, so Cordula Kaup, Verkehrsverein Alme/Alme AG. Die Künstlerin entwickelte ihre Vorstellungen und es wurde schließlich vereinbart, anstelle einer Installation lediglich für die Dauer des Spirituellen Sommers eine dauerhafte Sache zu schaffen. Gemeinsam mit dem Verein wurde das Projekt entwickelt und die handwerklich und technisch versierten Kräfte im Verein halfen tatkräftig bei der Umsetzung. 

Schiefer als heimisches Material für "soziale Skulptur" verwendet

In rund 360 Arbeitsstunden brachten sie das Mühlrad wieder in Ordnung, legten Rohre und füllten das Kneippbecken mit Schotter auf. Die Künstlerin bedeckte das Oktogon schließlich mit neun Tonnen Schiefersteinen, zwischen denen nun das Wasser der Alme an fünf Stellen hervorquillt. (Die Alme hat so zu ihren 104 natürlichen Quellen noch fünf weitere bekommen, wurde augenzwinkernd kommentiert.) Schiefer wurde deshalb verwendet, weil es Berlit wichtig war, nur heimische Materialien zu verwenden. Damit konnten sie auch eventuelle Bedenken von Naturschützern entkräften. „Es war schon eine Herausforderung“, betonte Berthold Vogt, einer der „Handwerker“ des Verkehrsvereins. Treffend bezeichnete Katharina Lökenhoff, Künstlerin und Kunstpädagogin, die Installation als „soziale Skulptur“. 

Entstanden ist aber noch mehr: Ein Mehrgenerationenweg verbindet das Oktogon am Entenstall mit dem Quellteich der Alme, angelegt als „Komfortweg“, ein Merkmal das inzwischen auch durch Sauerland Tourismus bestätigt wurde. „Es ist ein Dreiklang entstanden: Kunstwerk – Weg -– Quelle“, freute sich Cordula Kaup. Musikalisch und kulinarisch bereicherten Franz-Josef Staudinger am Marimbaphon und Doris und Alfred Seifert mit Brennesselsuppe, Schnittchen und einem Quellwasser-Cocktail die Vernissage. 

Die Künstlerin Anne Berlit (sitzend) erprobt die Wirkung ihrer Installation.

Baulich ist das Projekt beendet, aber für die Künstlerin ist die Vernissage erst der Anfang: „Es muss sich nun entwickeln. Es verwirklicht sich erst dann, wenn es von den Menschen angenommen wird“, so Berlit. Durch die künstlerische Intervention soll die Wahrnehmung für das, was eigentlich schon vorhanden ist, geschärft werden. Letztendlich kann sie dazu dienen, dass sich die Menschen mit dem Ort identifizieren. 

Wenn man sich vor Augen hält, wie viele Menschen in die Realisierung involviert waren und wie viele der Vernissage beiwohnten (Der Vorsitzende des Verkehrsvereins Ludger Böddeker hatte zuvor noch allen Freunden und Förderern – kurz: „Land und Leuten“ – gedankt), dann scheint dieses Vorhaben auf einem guten Weg zu sein. „Es ist wohl ein Zeichen unserer Zeit, dass wir derartiger Inszenierungen bedürften, um uns einen solchen Ort bewusst zu machen; unsere Vorfahren hätten das wohl noch intuitiv gespürt“, meinte nachdenklich Bürgermeister Dr. Christof Bartsch. Dass die Quelle ein tief verwurzeltes christliches Symbol sei, wertete er als ein „gutes Zeichen“. So wünschte er dem Ort „ganz viele Besucher, die sich auch darauf einlassen wollen“. 

In Wolfgang Kraft hat der spirituelle Ort jedenfalls einen starken Fürsprecher: „Die Landschaft rund um die Almequellen ist wie aus einem Märchen entlehnt. Man kann sich hier hinsetzen, auf das Wasser gucken und dessen Lebendigkeit genießen. Wie es fließt, säuselt und blubbert. Für manche Menschen ist das ein Geräusch, für mich ist das Musik.“

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