Verkehr ins Stocken gebracht

Landwirte protestieren mit „Schlepper-Flashmob“ gegen Düngemittelverordnung

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Rund 40 Landwirte aus dem Raum Brilon sind mit ihren Treckern dem bundesweiten Aufruf zur Demo des Aktionsbündnisses „Land schafft Verbindung“ gefolgt.

Brilon/Rösenbeck – „Wir sind überhaupt nicht gegen Umweltschutz – aber die Auflagen machen gerade die kleineren und mittleren Betriebe kaputt.“ Das ist das erste, was Landwirt Stefan Schmidt an diesem Abend bei der Trecker-Demo sagt. Es sind Familienbetriebe mit 60 bis 90 Milchkühen, wie sie im Hochsauerland so häufig sind – und politisch ja auch eigentlich gewollt.

Kein Wunder, dass besonders im Sauerland der Unmut groß ist über die Umweltauflagen, wie zum Beispiel die neue Düngemittelverordnung. Rund 40 Landwirte aus dem Raum Brilon sind gestern mit ihren Treckern dem bundesweiten Aufruf des Aktionsbündnisses „Land schafft Verbindung“ gefolgt, einem Netzwerk von mittlerweile rund 40.000 Landwirten. 

Von Rösenbeck aus sind sie die B7 entlang nach Brilon bis zum Kreisel mit dem markanten roten Bogen gefahren und haben den Feierabendverkehr ins Stocken gebracht. Von dort aus fuhren die meisten weiter zum Marktplatz und über die Altenbürener Straße zurück nach Rösenbeck. Nur wenige hatten Banner oder Plakate dabei. „Das war eine sehr spontane Sache, wir haben uns erst gestern Abend dazu entschlossen“, erklärte Organisator Stefan Schmidt. 

Was den Landwirten so große Sorgen macht, ist zum einen der große bürokratische Aufwand, der mittlerweile beim Einsatz von Düngemitteln betrieben werden muss. „Dafür müsste ich eigentlich einen ganzen Mitarbeiter einstellen“, hatte ein Landwirt unlängst bei einem Pressegespräch des Kreisverbands im Hochsauerland in Udorf gesagt. Etwas, das für kleinere Familienbetriebe nicht wirtschaftlich darstellbar ist. Außerdem müssten die Landwirte größere Investitionen tätigen, um ihre organischen Düngemittel über einen größeren Zeitraum lagern zu können. 

Am meisten ärgert es die Landwirte, dass von oben herab pauschal etwas verordnet wird das vor Ort häufig wenig Sinn macht. „Wir wollen einfach beteiligt werden“, so Schmidt. 

Hintergrund 

„Land schafft Verbindung“ ist eine noch junge Basisbewegung von Landwirten aus allen Bereichen der Landwirtschaft, die sich von ihren Verbänden nicht mehr gut vertreten fühlen. Auslöser waren die Gesetzesankündigungen der Bundesregierung in diesem Herbst. Am 1. Oktober gründete sie sich zunächst als Facebook-Gruppe. Bundesweit haben sich rund 40.000 Mitglieder angeschlossen. Ihre erste große Initiative war die Zentralveranstaltung in Bonn am 22. Oktober. „Wir haben das Schweigen und Zuhören satt“, sagen sie. Ihre zentralen Anliegen sind: Regionale Produktion vor den Import zu stellen, Kooperation statt Verbotspolitik und das Verhindern des Höfesterbens.

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