Hospizverein Brilon diskutiert im Vortrag die Sterbehilfe

Leben und sterben lassen

Der Vorstand des Briloner Hospizvereins Michael Rosenbaum, Sabine Götte, Pastor Rainer Müller, Heinz-Georg Eirund, Lucie Ernstberger, Evelyn Canisius, Sabine Koslowski und Hildegard Padberg (v. l.) präsentierte auf der Mitgliederversammlung den Spendenscheck.

Ein Leben in Würde, dieser Anspruch ist gesetzlich fixiert. Grundgesetz, Paragraph 1, Absatz 1: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“, steht darin geschrieben. Ein Menschenrecht, dem alle zustimmen würden. Die Stimmen aber teilen sich, wenn es nicht um das Leben, sondern um das Sterben geht. Wie sieht ein menschenwürdiges Sterben aus? Diese Grundsatzfrage stand im Fokus des Vortrages „Sterbehilfe in der Diskussion“.

Zu der Diskussion hatte der Vorstand des Hospizvereins die Referenten Pfarrer Lothar Kuschnik und Peter Sinn eingeladen, die verschiedene Positionen sowie Sachinformationen zur Sterbehilfe darstellten. Zu den gesetzlich zulässigen Möglichkeiten gehöre die indirekte Sterbehilfe als „Hilfe zum Sterben“ durch die ungewollte Lebensverkürzung als Nebenwirkung eines Medikamentes, beispielsweise eines Schmerzmittels. Legal ist – eine Zustimmung des Patienten sowie die medizinische Indikation vorausgesetzt – die terminale Sedierung, also eine großzügige Gabe von Medikamenten bis zum Eintritt des Todes, wenn sich Schmerzen oder Angst nicht dauerhaft lindern lassen und als unerträglich erlebt werden. Gesetzlich verboten ist hingegen die – momentan viel diskutierte – Aktive Sterbehilfe wie in der Schweiz oder den Niederlanden. Die Beihilfe zum Suizid, wie es beispielsweise im US-Bundesstaat Oregon nach fixem Reglement erlaubt ist, berge für den Mediziner in Deutschland eine Zerreißprobe. Das Mittel für den Suizid darf bereitgestellt werden. Wird es jedoch angewendet, so muss der Arzt das Leben retten, also den Tod verhindern. Ein unauflöslicher Widerspruch. Referent Lothar Kuschnik kritisierte mit Blick auf das Sterben lassen und dürfen eine zu große „Programmierung auf das Leben“. Seine Forderung konkret: „Es muss den Ärzten die Möglichkeit gegeben werden, denen, die es wollen, ein Sterben in Würde zu ermöglichen.“ Peter Sinn sah Parallelen zwischen Lebensende und dessen Beginn: „Ich gehe dahin zurück, woher ich gekommen bin.“

30 Menschen bis zum Tod begleitet

Sterbenden würdevolle letzte Tage im Leben zu geben, das verstehen die aktiven Mitglieder des Hospizverein Brilon als ihren Auftrag. Auf ihrer Mitgliederversammlung blickten sie auf das vergangene Jahr zurück. 2014 wurden 30 Menschen von 14 ehrenamtlichen Sterbebegleitern bis zu ihrem Tod begleitet. Den Hinterbliebenen wurde jeden zweiten Sonntag im Monat im Alfred-Delp-Haus mit dem Trauercafé ein Forum gegeben, sich gemeinsam den geliebten Verstorbenen zu erinnern. Ein solches Forum wird in Kooperation mit den Krankenhaus Maria-Hilf jeden ersten Sonntag im Quartal auch verwaisten Eltern und Familien bei einem Begegnungsnachmittag gegeben sowie die zweimal jährlich stattfindenden ökumenischen Abschiedsfeiern für die sogenannten Sternenkinder.

Neben der Begleitung pflegen die Hospizler auch ihr internes Netzwerk mit anderen Hospizvereinen der Region. Zu den Zukunftsthemen gehört dabei unter anderem die Etablierung eines Palliativnetzwerkes zwischen Haupt- und Ehrenamt – Ärzten, Sozialstationen und Hospizbewegung. In Kooperation mit dem Bildpunkt Brilon wurden zwei öffentliche Themen-Film-Abende veranstaltet. Im Rahmen ihrer Konfirmationsvorbereitung informierten sich Konfirmanden auf einem Projekttag zum Thema „Tod und Sterben“ über das Engagement und den Auftrag des Hospizvereins. Darüber hinaus intensivierte der Verein seine Öffentlichkeitsarbeit weiter: An Schulen, Berufskollegs und bei gemeinnützigen Vereinen und Verbänden sowie bei professionellen Altenhilfe-Diensten wurde über die Hospizarbeit informiert.

Ein besonderes Dankeschön ging an Hildegard Padberg, die sich nach zwölfjähriger intensiver und engagierter Arbeit von ihrer Aufgabe als Koordinatorin verabschiedet hat. Sie hat die Ausbildungs-Gruppen geleitet und das Notfall-Handy an der Frau gehabt. „Sie sind das Gesicht des Hospizvereins und sie haben Menschen zusammengebracht“, bedankte sich Vorsitzender Pastor Rainer Müller. Die Koordination des Vereins mit der Hauptaufgabe der Telefonübernahme hat Lucie Ernstberger übernommen. Ein Dankeschön sagen die 130 Mitglieder des Vereins auch der Firma Egger, die bei ihrer Aktion „Egger läuft“, 1.500 Euro gespendet hat.

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