Großes Problembewusstsein

Lösungsansätze zur Gesundheitsversorgung konstruktiv diskutiert

Bürgermeister Dr. Christof Bartsch (links) bedankte sich bei den Referenten Prof. Dr. Kerstin Hämel (Zweite von links) und Ingo Jackschies (rechts) sowie der Veranstalterin Eva Ellereit (Friedrich Ebert Stiftung NRW) mit einer „Medikation der Briloner Waldfee“.

Brilon. Dass die Gesundheitsversorgung vor Ort den Bürgern Sorgen bereitet, zeigte das große Interesse der Bürger am Diskussionsabend „Medizinische Versorgung – Neue Lösungsansätze für den ländlichen Raum“. Das Briloner Kolpinghaus war vollbesetzt, als im Rahmen der städtischen Gesundheitsinitiative „Brilon versorgt“ am vergangenen Donnerstag Bürger, Vertreter der Politik und Wirtschaft, Gesundheitsexperten mit Bürgermeister Dr. Christof Bartsch und den beiden Referenten Prof. Dr. Kerstin Hämel und Ingo Jackschies gemeinsam diskutierten.

Die Friedrich Ebert Stiftung NRW (Bonn), vertreten durch Eva Ellereit, freute sich als Veranstalter über die positive Resonanz der zahlreichen Gäste. Auch aus Meschede waren viele gekommen, die wegen der geplanten Verlegung der Geburtshilfe von Meschede nach Hüsten für das Thema gerade besonders sensibilisiert sind.

Nach einer kurzen Einführung in das komplexe Thema und einem Grußwort des Bürgermeisters, welcher auch die Moderation des Abends übernahm, folgten die Vorträge der Referenten. Ingo Jackschies lobte zuerst die Attraktivität Brilons „mit der historischen Altstadt, der tollen Fußgängerzone und einer hervorragenden Eisdiele“ und brachte den Zuhörern dann am Beispiel des Gesundheitscampus Balve die Dringlichkeit und Wichtigkeit einer ausgereiften Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum näher. Hier war es beispielsweise ein ortsansässiger Unternehmer, der sich mit einer möglichen Schließung des Krankenhauses nicht abfinden wollte. Nach vielen Gesprächen und Gründung einer Bürgerstiftung sowie der tatkräftigen Unterstützung Jackschies war es in Balve gelungen, das Krankenhaus zu erhalten und zu einem regionalen Gesundheitsversorger zu entwickeln.

Hoher bürokratischer Aufwand

Prof. Dr. Kerstin Hämel zeigte an internationalen Beispielen aus Kanada und Finnland auf, wie umfangreich die Möglichkeiten einer ländlichen Versorgung gelebt werden können. Sie stand den zahlreichen Anregungen der Besucher Rede und Antwort. Lösungsansätze wie mobile Praxen, Prävention und Gesundheitsförderung, Potentiale in der Pflege, Abdeckung eines breiten Bedarfsspektrums wurden konstruktiv diskutiert.

Ein Arzt aus dem Publikum beschwerte sich beispielsweise über den hohen bürokratischen Aufwand im Tagesgeschäft und zog die Politik in die Verantwortung, das Thema Endbürokratisierung aufzugreifen.

Bürgermeister Dr. Christof Bartsch hatte auch Positives zu berichten. Als Ergebnis aus der ersten Veranstaltung im Rahmen der Gesundheitsinitiative „Brilon versorgt“ (1. Juni) zeichnen sich drei positive Entwicklungen ab: Ein Projekt mit der Uni Kassel – ein Forschungsgutachten zur Versorgungssituation in Brilon – ist initiiert. Ferner ist Brilon (Bartsch) Mitglied beim Arbeitskreis für das Pilotprojekt „Medibus“. Zudem stellte Reimund Siebers (Projektentwickler Krankenhaus Maria Hilf) ein umfangreiches KVWL-Projekt vor (Informationsplattform).

„Ich freue, mich, dass so viele interessierte Bürgerinnen und Bürger teilgenommen und sich an dem regen Austausch beteiligt haben. Das zeugt von einem großen Problembewusstsein für ein Thema, das für Brilon und seine Dörfer eine zentrale Rolle als Standortfaktor spielt. Und es macht Hoffnung, gute und gangbare Lösungen zu finden, die letztlich ja uns alle in die Verantwortung nehmen.“ Auch über tolle Gespräche beim Imbiss im Anschluss an den offiziellen Teil freute sich Bürgermeister Bartsch.

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