Er habe ein Verhältnis mit der Mutter des Opfers gehabt

Wende im Missbrauchsprozess? Angeklagter streitet alle Anklagepunkte komplett ab

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Wegen mehrfachen sexuellen Missbrauch steht ein Essener seit Mittwoch vor Gericht.

[Update 16.30 Uhr] Brilon/Arnsberg. Er habe das damals elfjährige Mädchen nie angefasst, außerdem sei er nie mit ihr alleine gewesen – der 28-jährige Mann aus Essen, der seit Mittwoch wegen sexuellen Missbrauchs in sieben Fällen vor Gericht steht, stritt zu Beginn des zweiten Prozesstages alle Anklagepunkte komplett ab.

Dem Angeklagten Dominik H. wird vorgeworfen, das damals elfjährige Kind der Lebensgefährtin seines Vaters mehrfach sexuell missbraucht zu haben. Die Taten sollen im Frühjahr bis Sommer 2014 im häuslichen Umfeld in Brilon stattgefunden haben. Der zweite Prozesstag vor dem Landgericht Arnsberg begann am Freitagmorgen mit der Aussage des Angeklagten.

„Bei den Partys war immer mein Bruder dabei. Die Zimmertüren standen immer offen. Ich war nie mit meiner Halbschwester alleine“, so der Angeklagte Dominik H. Er habe kein Verhältnis mit dem Mädchen gehabt, sondern mit der Lebensgefährtin seines Vaters, der Mutter des Opfers: „Wir haben regelmäßig zusammen Drogen genommen und Intimitäten ausgetauscht.“

"Durch Vater zur Falschaussage gedrängt" 

Sein Vater habe zunächst nichts von der Affäre der beiden gewusst, sei aber schon immer eifersüchtig gewesen. Am 9. April 2014, dem Geburtstag des Angeklagten, uferte die Situation so aus, dass sein Vater „ausgetickt“ sei und die Polizei anrücken musste. Einen Monat später habe sein Bruder ihn mit der Lebensgefährtin des Vaters in flagranti erwischt. Dadurch habe auch sein Vater von dem Verhältnis erfahren.

Das Opfer würde nun von seinem Vater unter Druck gesetzt, deshalb habe es eine Falschaussage gemacht. Aufgenommene Telefonate auf seinem Handy würden dies beweisen. WhatsApp-Nachrichten von der Gegenseite, die den angeblichen Missbrauch des Angeklagten beweisen sollen, seien nicht von ihm. „Mein Handy lag offen im Haus herum. Jeder hatte Zugriff darauf und hätte die Nachrichten schreiben können“, so Dominik H. Das Handy des Angeklagten liegt dem Richter nun als Beweisstück vor. 

Bei der Vernehmung des Opfers sowie einer weiteren Zeugin, die Halbschwester des Angeklagten, die auch sexuell von Dominik H. missbraucht worden sein soll, wurde die Öffentlichkeit von der Sitzung ausgeschlossen.

Zeugenvernehmungen brachten kein Licht in die Angelegenheit

Weitere Zeugenvernehmungen brachten am zweiten Verhandlungstag kein Licht in die Angelegenheit. Während eine Zeugin bestätigte, dass der 28-jährige Dominik H. das elfjährige Mädchen missbraucht haben soll, bescheinigte eine andere wiederum dem Angeklagten eine „reine Weste“. „Ich wusste, dass meine Freundin in Dominik verliebt war. Wenn wir in der Scheune waren, haben sie sich immer geküsst. Ich habe nichts von dem Verhältnis erzählt, obwohl ich es seltsam fand, mit der Stiefschwester etwas zu haben“, berichtete eine 16-jährige Zeugin aus Brilon. Die andere Briloner Zeugin sagte hingegen: „Ich war öfters dort. Das war nur ein Bruder-Schwester-Verhältnis zwischen den beiden. Es ist nichts auffälliges passiert. Dominik hat ihr einen Korb gegeben, weil sie zu jung ist. Daraufhin hat das Mädchen bockig reagiert.“ 

Ähnlich sah das auch die ehemalige Lebensgefährtin des Angeklagten, die zum Tatzeitpunkt ihr zweites Kind von Dominik H. erwartete: „Dominik hat immer viel mit den Kindern gespielt. Vanessa hing ihm am Rockzipfel, weil sie in ihn verliebt war. Ich fand das komisch, dass sich ein elfjähriges Mädchen in einen viel älteren Mann verliebt, habe das als Vaterersatz angesehen. Gespräche mit der Mutter und dem Stiefvater haben nichts bewirkt. Es wurden keine Maßnahmen ergriffen aus Angst, dass sich das Kind etwas antut.“ Die ehemalige Lebensgefährtin, die zehn Jahre mit dem Angeklagten in einer Beziehung stand, gab vor Gericht ihre derzeitige Meldeadresse nicht öffentlich bekannt, aus Angst vor der Mutter und dem Stiefvater des Opfers. 

Nächste Woche, am Freitag, 18. Januar, werden am dritten Prozesstag ab 9 Uhr weitere Zeugen vernommen.

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