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Naturschützer kritisieren Planverfahren für das Feriendorf Gut Petershagen

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Von: Kristin Sens

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„Am Kahlen Hohl“ soll ein Feriendorf mit über 40 Häusern entstehen – aber der Magerrasen ist schützenswert.
„Am Kahlen Hohl“ soll ein Feriendorf mit über 40 Häusern entstehen – aber der Magerrasen ist schützenswert. © Kristin Sens

Der Standort eines geplanten Feriendorfes am „Kahlen Hohl“ in Gudenhagen-Petersborn ist vor allem unter den Anwohnern umstritten. Während einer Podiumsdiskussion vor der Kommunalwahl hatte der Verein Naturschutzgebiet Gudenhagen-Petersborn öffentlich gegenüber der Stadt und dem Investor massive Vorwürfe erhoben. Offensichtlich konnten diese auch während eines internen Gesprächs zwischen Verein, Bürgermeister und Investor, an dem neben Vertretern der Verwaltung auch die Fraktionsvorsitzenden teilnahmen, nicht ausgeräumt werden.

Gudenhagen - Es bestehe der Verdacht, dass es ein abgekartetes Spiel zwischen Investor und Stadtverwaltung sei, denn bereits vor dem Projektantrag von Eckhard Lohmann hätte es Gespräche und Absprachen mit dem damaligen Bauamtsleiter Johannes Nolte gegeben, erklärte der Vorsitzende des Vereins Joachim Schulte. Bei der Podiumsveranstaltung war gar von Kungelei die Rede. Die Stadt selbst habe das in städtischem Besitz befindliche Areal in Petersborn vorgeschlagen, obwohl Nolte damals schon hätte wissen müssen, dass es da naturschutzrechtliche Bedenken gebe.

Bürgermeister Dr. Christof Bartsch sagte dazu, dass es üblich sei, bei derartigen Projekten Abstimmungsgespräche zu führen. Ob und was der damalige Stadtbaudirektor gewusst habe, sei heute nicht mehr festzustellen. “Die verschiedenen relevanten Belange werden in der Regel erst im Rahmen der Bauleitplanung vorgebracht, festgestellt, geprüft und abgewogen“, führte er weiter aus.

Keine naturschutzrelevanten Hindernisse in erstem Gutachten

Fakt ist, dass ein erstes Gutachten keine naturschutzrelevanten Hindernisse fand. Das war die Grundlage des Ratsbeschlusses, die dem Vorhaben 2015 grünes Licht gab. Erst als 2018/2019 der deutschlandweit als Pflanzenexperte bekannte Botaniker Jürgen Feder aus Bremen auf der Fläche zahlreiche seltene Pflanzen fand, bestätigte das Naturschutzamt LANUV den schützenswerten Charakter des Magerrasens.

Ein weiterer Einwand der Naturschützer ist, dass die Stadt das fragliche Gelände zu Bewirtschaftung an den Investor verpachtet habe. Die Stadt bestätigte dies, sprach aber von einem üblichen Prozedere, da sie selbst keine Flächen bewirtschafte. Als Grund nannte sie, dass man dem zukünftigen Eigentümer der Fläche ein „Betretungsrecht“ verschaffen wollte. Zu dem Vorwurf, der Investor habe durch Entfernen des Weideviehs und dem Mähen der Wiese die Fläche in seinem Sinne verändert und dabei gegen Naturschutzrichtlinien verstoßen, erklärte der Bürgermeister, davon wisse er nichts. Den Einwand, man habe hier „den Bock zum Gärtner gemacht“, könne er nicht nachvollziehen. Eckhard Lohmann soll nach einer erneuten Begutachtung der Wiese bestätigt haben, dass schützenswerte Pflanzen immer noch vorhanden seien. Laut Schulte prüft der LANUV derzeit den Vorfall.

Des Weiteren halten die Naturschützer der Stadt vor, sie habe nur halbherzig nach alternativen Standorten gesucht. Nachweislich hat sie zwei alternative Flächen begutachtet, sie aber aus unterschiedlichen Gründen verworfen. Bürgermeister Dr. Christof Bartsch verwies darauf, dass der Ratsbeschluss immer noch rechtsgültig sei. Deshalb gebe es von Seiten der Stadt derzeit keine weiten Bemühungen, einen alternativen Standort zu finden.

Projektumfang erheblich reduziert

Der Investor hat indessen sein Projekt überarbeitet und den Umfang erheblich begrenzt. Die Reithalle sowie zwei Gebäudeteile wurden gestrichen. Die Planfläche wurde von ursprünglich 6,8 Hektar auf knapp zwei Hektar reduziert – davon sollen nur noch rund 1,4 Hektar überbaut werden. Die restliche Fläche soll durch Rotes Höhenvieh beweidet werden. Diese Änderungen bewirken, dass eine neuer Flächennutzungsplan sowie eine erneute Offenlegung des Bebauungsplans erfolgen muss.

Die Naturschützer sind jedoch weiterhin der Auffassung, dass durch das Feriendorf für den Naturschutz unverträgliche „Bewegung“ entstünde. Zudem hegen sie Zweifel, dass in der abgespeckten Variante das Projekt sich überhaupt noch rechnet und befürchten, dass in der Folge die Ferienwohnungen in Dauerwohnsitze umgewandelt würden. Der Bürgermeister sagte dazu: „Rechtsgrundlage wird ein sogenannter Vorhabenbezogener Bebauungsplan sein; in diesem ist geregelt, dass dort nur eine Feriennutzung zulässig ist. Dauerwohnnutzung setzt eine Änderung der gemeindlichen Planung voraus.“

Ein weiterer Stein des Anstoßes ist der Kaufpreis für das Areal. Der Kaufvertrag sah vor, dass binnen einer bestimmten Frist die Kommune Baurecht schaffen muss. Da diese Frist verstrichen ist, ist der Kaufvertrag hinfällig. Nun existieren Gerüchte, dass im neuen Kaufvertrag nur noch ein erheblich geringerer Kaufpreis angesetzt werden soll. Begründung des Investors: Das Areal habe inzwischen für ihn an Wert verloren und die Aufwendungen seien enorm gestiegen – unter anderem durch die Schaffung von Kompensationsflächen. Die Stadt konnte zu diesen nicht öffentlichen Vertragsangelegenheiten keine Stellung nehmen.

Der Rat wird über den Kauf und das Planverfahren erneut entscheiden müssen. Obendrein steht noch die Genehmigung der Naturschutzbehörden für die Ausgleichsfläche aus; der Magerrasen soll durch Sodenverpflanzung kompensiert werden. Während sich der Investor zuversichtlich gibt, zweifeln die Naturschützer daran, dass dies erfolgreich durchgeführt werden kann.

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