Neonazi-Trio: Blick auf Brilon

Die Taten des Neonazi-Trios aus Zwickau beherrschten die Schlagzeilen der letzten Zeit. Diskussionen über Zentralregister, V-Männer-Einsatz und NPD-Verbot bestimmten die politische Landschaft in ganz Deutschland. Wähnte man die Gefahr nicht unmittelbar vor der eigenen Haustür, schwappt das Thema jetzt auch in den Hochsauerlandkreis über. Denn auch die SPD und CDU Brilon waren in den Fokus der Rechtsradikalen gerückt.

"Im Zuge der Ermittlungen wurden auch umfangreiche Daten von Personen und Institutionen aufgefunden. Darunter befinden sich auch Daten Ihrer Institution", heißt es beispielsweise in dem Schreiben der Kreispolizeibehörde Hochsauerlandkreis an die SPD-Fraktion im Rat der Stadt Brilon. Ob es weitere Betroffene im HSK gibt, dazu schweigt die Kreispolizei. Einziger Kommentar: "Alle Betroffenen werden kontaktiert und informiert. Man kann beruhigt sagen, dass es keinen Hinweis auf irgendeine aktuelle Gefahr gibt", sagte Pressesprecher Christian Brucherseifer auf Anfrage des SauerlandKurier. Zu welchem Zweck die Daten dienen sollten, ist bislang noch unklar.

Öffentlich zugängliche Daten

Die Briloner Genossen können nur vermuten, wie sie ins Blickfeld der Zwickauer Neonazis geraten sind. "Wir haben immer was gegen Rechtsradikalismus gemacht, und die SPD ist allgemein im Fangschema", sagt Dirk Wiese, Vorsitzender der SPD Brilon. Nach seinem Kenntnisstand hatten die Neonazis nur die Daten vom Fraktionsbüro an der Derkere Straße gespeichert - öffentlich zugängliche Informationen. Privatpersonen aus der Briloner Partei scheinen nicht ausgekundschaftet worden zu sein. Gleiches gilt für das Fraktionsbüro der Briloner CDU. Auch Wolfgang Diekmann, Stadtverbandsvorsitzender, hat keine Erklärung dafür, warum die Briloner CDU in der Liste auftaucht. "Wir sind in Brilon aber kein Einzelfall. Auch andere CDU-Stadt- und Kreisverbände sind betroffen."

"Zwar guckt man nicht schlecht, wenn man sich plötzlich auf so einer Liste wiederfindet", so Wiese. Aber verunsichern, einschüchtern oder verängstigen lasse man sich davon nicht. "Wir werden weiter unsere Arbeit machen und uns klar gegen Rechtsextremismus positionieren." In diesem Punkt würden sich alle Parteien im HSK vorbildlich engagieren. "Im Sauerland mache ich mir keine großen Sorgen. Aber wehret den Anfängen. Man muss wachsam sein und darf nicht nachlassen", fordert Wiese.

In Olsberg haben die Parteien bisher keine Mitteilung der Kreispolizei erhalten.

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