Kooperation als Chance

Neujahrsempfang des Wirtschaftsclubs HSK: Herausforderungen der Globalisierung meistern

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Der Erste Vorsitzende des Wirtschaftsclubs Hochsauerland, Eckhard Lohmann (re.), bedankte sich beim Gastredner Moritz Freiherr von Twickel ganz im Stil des Familienunternehmens.

Brilon/Marsberg. Die vergleichsweise kleinen mittelständischen Unternehmen im Sauerland können sich im Wettbewerb mit der Großindustrie nur dann behaupten, wenn sie sich nicht als Konkurrenten sehen, sondern aktive Netzwerke bilden und so Stärke zeigen. Das war der Tenor von Braumeister und Biersommelier Moritz Freiherr von Twickel, der in sechster Generation die Familienbrauerei Westheim führt.

Der Festredner beim Neujahrsempfang des Wirtschaftsclubs Hochsauerland am Sonntag im Hotel am Wallgraben führte zwei praktische Beispiele aus seinem Unternehmen an, wie lebendige Kooperationen in Zeiten zunehmender Globalisierung große Chancen für regionale Unternehmer bieten.

Die Westheimer Brauerei ist ein traditionelles Handwerksunternehmen mit heute 39 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 4,5 Millionen Euro im Jahr. „Im Verhältnis zu den Fernsehbrauereien, wie wir die nationalen Nachbarn nennen, sind wir bis zu 100-mal kleiner. Wir sind stolz auf unsere handwerkliche Braukunst und sehen uns eher wie der ,Bäcker von nebenan’, statt als Großindustrie“, so Twickel. „Das Wichtigste aber sind und bleiben für uns die Menschen. Wir bilden jedes Jahr mindestens einen Brauer und Mälzer aus. Unsere Ausbildungsquote ist mit 9 Prozent fast zweimal so hoch wie der Bundesdurchschnitt.“

Gerade in Zeiten der Globalisierung ist ein strategischer Einkauf wichtiger denn je. Beispielsweise ist der Gerstenmalzpreis davon abhängig, wie der Weizen als Leitfrucht an den internationalen Rohstoffbörsen gehandelt wird. „Also selbst, wenn die Gerste für unser Malz beispielsweise aus der Soester Börde stammt, der Preis ist abhängig von internationalen Märkten. Hier bestimmt neben der internationalen Nachfrage im Verhältnis zum Angebot auch die Aktivität von Spekulanten den Marktpreis“, erklärt der Braumeister.

„Nutzen Sie Netzwerke“

Da es einer permanenten Beobachtung und Einschätzung der Märkte bedarf, hat sich die Brauerei dem freiwilligen Zusammenschluss der „Freien Brauer“ angeschlossen. „Mit einem Einkaufsvolumen in Höhe von etwa 80 Millionen Euro wird die Wirtschaftskooperation von 40 Familienbetrieben auf dem Markt wahrgenommen und kann professionell agieren. Jede Brauerei darf aber selbstverständlich selber entscheiden, was wo eingekauft wird. So ist der regionale Einkauf der einzelnen Unternehmen möglich und gewünscht.“

Ein weiterer Geschäftszweig der Westheimer ist die Forstwirtschaft. „Wir sind Gründungsmitglied der ersten privat beförsterten Forstbetriebsgemeinschaft in Deutschland. 20 größere und kleinere Waldbauern sind hier mit insgesamt 1800 Hektar zusammengeschlossen“, so Moritz von Twickel. „Wir kontraktieren zentral, haben eine gemeinsame Versicherung, beschaffen das Pflanzgut gemeinsam und vermarkten gemeinsam unser Holz.“

Besonders in solch extremen Zeiten wie dem vergangenen Jahr mit Sturm, Dürre und Borkenkäfer zeige sich die Stärke dieses Netzwerks. „Globales Denken fängt bei der Stadtgrenze an und schließt regionales Handeln nicht aus. Nutzen Sie Netzwerke, um uns gegenseitig zu stärken, damit wir unsere Region in eine gute Zukunft führen“, appellierte Moritz von Twickel abschließend.

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