„Kinder sind ganz anders motiviert“

Pädagoge auf vier Pfoten: Hündin Neela ist im Kindergarten St. Ludgerus im Einsatz

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Nadine Voß (r.) hat dem Kindergartenhund Neela bereits ein paar Tricks beigebracht. Maresa Schulte (l.) und Lotta Hardes (2.v.r) freuen sich, mit der Tibet-Terrier-Hündin spielen zu können.

Alme. Schwarzes weiches Fell und ein treuer Hundeblick – dies erwartet die Kinder in der Schulkindergruppe des Kindergartens St. Ludgerus Alme mehrmals in der Woche, wenn sie ihren Gruppenraum betreten. „Neela ist da“, heißt es dann. Neela (gesprochen Nila) ist eine Tibet-Terrier-Hündin und seit Juli 2017 als pädagogischer Begleithund in Ausbildung im Einsatz. Das Pilotprojekt ist bislang einmalig im Raum Brilon.

„Neela ist jetzt zehn Monate alt und ihre Rasse ist sehr gelehrig und familienfreundlich“, erklärt ihre Besitzerin Nadine Voß, die auch Mitarbeiterin im Kindergarten ist, beim Besuch des SauerlandKurier in Alme. Neela liegt währenddessen entspannt unter einem Tisch in ihrem Körbchen und macht unter einem Tisch im Gruppenraum ein Nickerchen. Zurzeit befindet sich Neela noch in der Eingewöhnungsphase und begleitet zunächst nur den Alltag in der Einrichtung an vier Tagen in der Woche. „Sie ist aber bereits ein festes Gruppenmitglied“, so Nadine Voß über den Status von Neela bei den Vorschulkindern. 

Neelas offizielle Weiterbildung soll demnächst beginnen und in etwa einem Jahr abgeschlossen sein. Bis dahin müssen Nadine Voß und Neela an zwei Workshops teilnehmen. Am Ende muss dann eine Hausarbeit in Form eines Videos abgegeben und eine theoretische sowie praktische Prüfung absolviert werden. Bis dahin soll Neela viele kleine Tricks beherrschen, die sie dann mit den Kindern im Kindergarten in Alme durchführen kann.

Neela soll auch das Würfeln erlernen

„Auf Dauer soll Neela zum Beispiel noch das Würfeln erlernen“, sagt Nadine Voß. „Dann kann sie beispielsweise mit den Kindern ,Mensch ärgere dich nicht‘ spielen.“ Die Umsetzung dieses Tricks probiert die Erzieherin und gelernte Pferdepädagogin aktuell aus. „Entweder muss Neela den Würfel mit der Nase anstoßen oder ins Maul nehmen und ausspucken.“ 

Außerdem sollen Kinderspiele wie „Pinke Panke“ für den Hund adaptiert werden. Neela soll dem Spiel beispielsweise erraten, in welcher Hand sich ein Leckerchen befindet. Ob alle Tricks klappen werden, muss abgewartet werden. Aktuell wird noch viel ausprobiert. 

Wichtig ist für Voß aber auch, dass Neela ihre Ruhezeiten im Kindergarten bekommt. „Die Kinder wissen genau, wann Neela zum Spielen bereit ist und wann sie ihre Ruhe braucht.“ Später soll Neela ein Halstuch tragen, welches signalisieren soll, dass sie jetzt am Arbeiten ist. Außerdem lernen die Kinder im Umgang mit Neela das Verhalten eines Hundes lesen zu können. Zudem werden den Kindern eindeutige Kommandos, sowohl verbal als auch mit Handzeichen, vermittelt, welche die Kommunkation mit dem Hund erleichtern sollen. 

Anwesenheit von Neela ist eine Bereicherung

Für die Aktivitäten im Kindergarten ist die Anwesenheit von Neela bereits jetzt eine Bereicherung. „Wir gehen viel häufiger mit den Kindern raus, auch bei schlechtem Wetter“, sagt Voß. „Wenn Neela raus muss, dann sind die Kinder ganz anders motiviert.“ 

Auf Dauer soll Neela gezielter im Alltag der Kindertageseinrichtung – bei Kindern, die zurückhaltend sind und sich nicht gerne öffnen, aber auch auch bei sprachauffälligen und unruhigen Kindern – eingesetzt werden. Auch zur Überwindung von Angst, gerade bei der Angst vor Hunden, kann Neela nützlich sein, erklärt Voß: „Wir zwingen aber niemanden. Die Kontaktaufnahme mit dem Hund muss vom Kind ausgehen.“

Hund in der pädagogischen Arbeit vielseitig einsetzbar

Gerade in der pädagogischen Arbeit kann der Hund vielseitig eingesetzt werden. „Viele Situationen lassen sich leichter über den Hund klären“, erklärt Voß. „Im Umgang mit dem Hund sind die Kinder nämlich sehr rücksichtsvoll.“ Beispielsweise seien sie leichter zu überzeugen etwas leiser zu sein, wenn der Hund im Raum sei. „Für mich ist daher der Umgang der Kinder mit dem Hund interessant“, so Voß. „Sie holen Wasser für den Hund und es war für die Kinder jetzt auch selbstverständlich, dass Neela ein Weihnachtsgeschenk bekommt.“ 

Tibet-Terrier-Hündin Neela.

Die Idee, mit Neela einen pädagogischen Begleithund einzusetzen, hatte Voß aufgrund ihrer langjährigen Arbeit in der Psychatrie in Marsberg. „Ich habe eine Ausbildung zur Reittherapeutin gemacht und dabei gemerkt, dass die Kinder im Umgang mit Tieren ganz anders sind. Sie machen dann Sachen, die sie sonst nie machen würden. Tiere wirken sehr beruhigend auf Kinder“, erklärt Voß. „Im Kindergarten ist es aber schwer mit Pferden zu arbeiten.“ Zusammen mit der Leiterin des Kindergartens St. Ludgerus, Julia Greve, hat Nadine Voß ihre Idee in Angriff genommen. „Der Träger, die Kirchengemeinde, war sofort begeistert“, erklärt Grewe. Auch die Eltern seien für das Projekt schnell zu begeistern gewesen. 

Da ein Kindergarten an Hygieneregeln gebunden ist, müssen diese auch im Umgang mit einem Hund beachtet werden. „Neela darf beispielsweise nicht in die Küche oder beim Essen dabei sein. Die Kinder müssen sich vor dem Essen zudem immer die Hände waschen, wenn sie vorher den Hund angefasst haben“, erklärt Voß. Das Thema Hundehaarallergie sei bei den Neela hingegen kein großes Thema, da Tibet Terrier wenig Haare verlieren und ihr Fell nur selten allergische Reaktionen auslösen würden. 

Die Ausbildung zum pädagogischen Begleithund absolvieren Nadine Voß und Neela beim Münsteraner Institut für therapeutische Fortbildung und tiergestützte Therapien (MITTT). „Wir sind mit dem MITTT an einen Berufsverband angeschlossen. Das war uns sehr wichtig“, sagt Voß abschließend.

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