„Niveau war nochmal höher“

Poetry Slam in Brilon: Selbst geschriebene Texte kommen gut an

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Ute Hachmann (r.) überreichte allen Teilnehmern des letzten Poetry Slams im Bahnhof Blau ein Geschenk. 

Brilon. „Siegen ist nicht das Wichtigste. Das Mitmachen und Dabeisein ist das Coole“, so Ute Hachmann, Leiterin der Briloner Stadtbibliothek und Initiatorin des Briloner Poetry Slams, zu Beginn des dritten Dichter- und Poetenwettstreits am vergangenen Donnerstag. Elf Mutige präsentierten diesmal ihre selbstgeschriebenen Texte vor ausverkauften Haus im „Bahnhof Blau“ zum Auftakt der „Briloner Kleinkunsttage“.

Zum ersten Mal war die Initiatorin nicht das „Opferlamm“, das als erstes außer Konkurrenz auf der Bühne steht, um das Publikum anzuheizen. Diese Aufgabe übernahm René Nicolas, der zurzeit als Praktikant in der Stadtbibliothek arbeitet und vom Moderator Dean Ruddock auch als „der Praktikant“ vorgestellt wurde. Dean Ruddock, der Poetry Slammer aus Paderborn, führte wieder gekonnt durch den Abend und hatte auch wie gewohnt den ein oder anderen lockeren Spruch auf den Lippen. So berichtete er von seinem „ganz schwierigen Tag heute“, da er mit dem Flixbus angereist war und sein Sitznachbar ihn mit angeschaltenen Tastentönen am Handy und Mettbrötchen belästigte. „Da kann der Abend nur besser werden.“

Der Poetry Slammer sollte recht behalten. „Das Niveau war nochmal höher als im letzten Jahr“, war Ute Hachmann nach den Vorträgen begeistert. Neun Poetry Slammer hatten sich im Vorfeld gemeldet, einer kam noch spontan am gleichen Abend hinzu.

Mit tiefgründigen, sehr persönlichen, aber auch skurrilen und selbstironischen Texten wagten sich die Teilnehmer – zumeist ohne Poetry Slam-Erfahrung – auf die Bühne. Vorjahressiegerin Florentine Schmidt war zum dritten Mal dabei und ließ das Publikum in ihre Gedankenwelt eintauchen, die ihr nachts einen Strich durch ihre Einschlafpläne macht („Gehirnsturm – Brainstorming at its Bestform“). Auch Hanna Schulte, die ihrem Gegenüber ihre Gefühle und Gedanken zur eigenen Schüchternheit näher brachte, und Frauke Brauer mit ihrer „Hommage“ an das Blau und dem Bahnhof Blau kannten die Zuschauer schon aus dem vergangenen Jahr.

Geteilte Freude: Die beiden Gewinner des Poetry Slams, Patrick Siebert und Davina Sauer-Wundling, klatschen sich ab.

Ihre Mitstreiter hatten hingegen ihr Bühnen-Debüt in Brilon. Sharupa Faruq teilte mit den Zuschauern ihre Gedanken zum Leben, das sie spüren und sich nicht mehr verstecken möchte. Stephan Sandkühler, der extra aus dem Ruhrgebiet angereist war, erzählte, dass er ein Narr sei, da er an Frieden glaube und das Lachen sowie ehrliche Worte schätze und kam zu dem Schluss: „Ich bin gerne ein Narr“. Maria Laumann berichtete in ihrem Text „Schau in den Spiegel“ von einer Phase, die „viele Manschen in ihrem Leben haben“, von Selbstzweifel und sogar Selbsthass. Edmund Leisse hatte seinen Text über „Hannes, den lieben Gott?“, den er vor Jahren begonnen hatte, für den Poetry Slam zu Ende geschrieben. Aus dem Publikum meldete sich noch spontan Steve M. bei Ute Hachmann, der ein selbst verfasstes Gedicht zum Besten gab. Sein Vortrag wurde jedoch nicht bewertet, da er an der Verlosung der Startnummern nicht teilgenommen hatte.

„Es ist so mutig, dass ihr da wart"

Doch zwei Poetry Slammer beigeisterten die Jury, die aus Freiwilligen im Publikum bestand, so sehr, dass sie beide mit 37 Punkten den Dichterwettstreit für sich entschieden: Davina Sauer-Wundling, die den Poetry Slam mit einem selbstironischen Einblick in die „Erwachsenenpubertät“ eröffnete und Patrick Siebert mit dem letzten offiziellen Auftritt des Abends, bei dem er ebenfalls mit viel Humor und Augenzwinkern über seinen Berufsalltag als Sozialarbeiter und der Arbeit mit der „Intensivgruppe verhaltensauffälliger Jugendlicher“ berichtete.

„Es ist so mutig, dass ihr da wart und überhaupt nicht selbstverständlich“, bedankte sich Initiatorin Ute Hachmann bei der Siegerehrung und überreichte allen Teilnehmern ein Geschenk.

Der Briloner Poetry Slam fand in diesem Jahr zum letzten Mal im Bahnhof Blau statt, da er seinen Betrieb einstellt. Für 2020 wird nach einem anderen Austragungsort gesucht.

Zum Abschluss hatte Moderator Dean Ruddock noch einen Tipp für das Publikum in petto, der Slampoet und Humorist Nektarios Vlachopoulos kommt im Rahmen der Briloner Kleinkunsttage am heutigen Samstag, 23. März, um 20 Uhr mit seinem ersten Soloprogramm in den Bahnhof Blau. „Den sollte man sich nicht entgehen lassen.“ Restkarten gibt es noch für 19 Euro an der Abendkasse.

Poetry Slam in Brilon

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