Trockenheit, Dürreschäden und Co.

SPD präsentiert Sieben-Punkte-Plan gegen "Waldsterben 2.0" im Sauerland

Die Idylle trügt: Das dramatische Waldsterben ist auch am Diemelsee nicht mehr zu übersehen.
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Die Idylle trügt: Das dramatische Waldsterben ist auch am Diemelsee nicht mehr zu übersehen.

Hochsauerland - Dass der heimische Wald in keinem guten Zustand ist, ist kaum noch zu übersehen. Die Südwestfalen-SPD hat deshalb ein Positionspapier mit einem Sieben-Punkte-Plan zur Rettung des Waldes erstellt. In einem Pressegespräch stellte Sprecher Dirk Wiese jetzt gemeinsam mit weiteren sozialdemokratischen Amtskollegen der Region dieses Papier vor.

„Wenn wir die braunen Waldstellen sehen, ist uns allen klar, dass es dramatische Folgen haben wird, wenn es mit der Trockenheit so weitergeht“, erklärte Wiese einleitend. „Wir haben jetzt das Waldsterben 2.0“, unterstrich Volker Schmidt, Landratskandidat Märkischer Kreis, die Dramatik der Lage.

Kritik übt das Positionspapier daran, dass das vom Bund zur Schadensbegrenzung und zum Umbau des Waldes aufgelegte Förderprogramm in seiner Umsetzung durch das Land NRW Defizite aufweise. Ziel müsse sein, die heimischen Wälder zu klimafreundlichen und beständigen Mischwäldern umzubauen. Die besonderen Waldbesitzverhältnisse in NRW – viele kleine private Waldbesitzer und Genossenschaften – machten dabei maßgeschneiderte Fördermaßnahmen notwendig.

Im Einzelnen sieht der Sieben-Punkte-Plan folgende Maßnahmen vor:

  • 1. Dürreschäden ausgleichen
    Waldbesitzer müssen bei der Beseitigung und Vermeidung von Trockenschäden finanziell unterstützt werden. 

  • 2. Rahmenbedingungen der Förderprogramme richtig setzen 
    Als unverständlich bezeichnet die SPD etwa die Problematik, dass das Förderprogramm zu Extremwetter die Beauftragung von Fremdunternehmen nicht unterstütze. Dabei sei der Einsatz von externen Dienstleistern vor allem für kleinere Waldbesitzer wichtig. Mittel aus dem Bundesprogramm sollen zügig und zielgerichtet „in die Fläche“ kommen, damit notwendige Maßnahmen, wie Abtransport und Neupflanzung, schnell und passend sinnvoll zum Jahresverlauf erfolgen können. 
  • 3. Waldumbau fachlich kompetent gestalten
    Ein Leitfaden für Waldeigentümer soll diese über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse informieren. Beispielhaft wird auf eine bereits existierende Broschüre zu Orkanschäden verwiesen, die lediglich neu auflegt werden müsse. Der Landesbetrieb Wald und Holz soll zudem personell und finanziell aufgestockt werden, um den gestiegenen Anforderungen gewachsen zu sein. 

  • 4. Windkraft auch im Wald erlauben
    Denn diese leiste einen wichtigen Beitrag zur Energiewende – und sei so auch eine Voraussetzung für den Erhalt des Waldes. Sinnvoll sei dies in Regionen mit hohem Waldanteil und dort, wo es mit den Entwicklungszielen des Waldes vereinbar ist, nach der Devise: „Windkraft mit Augenmaß“. Zugleich schaffe Windenergie eine „interessante Einnahmequelle“ für Waldbesitzer und Kommunen 

  • 5. Maßnahmen zur Verbesserung der Ökosystemleistungen honorieren
    Mögliche Ökosystemleistungen gilt es transparent für die Waldeigner zu benennen, messbar zu machen und entsprechend zu honorieren. 

  • 6. Waldbrandgefahr senken 
    Trockenheit steigert die Waldbrandgefahr – hier ist nach Ansicht der Sozialdemokraten schnelles Handeln gefordert. Das Land soll entsprechende Sachmittel beschaffen, sowie die Anlage beziehungsweise den Ausbau und die Unterhaltung von Waldbrandschutzstreifen mit feuerhemmenden Baumarten, von Brandschutzschneisen sowie von Löschteichen und Löschwasserentnahmestellen fördern. 
  • 7. Wildschäden verringern 
    Die durch die Extremwetterschäden bedingte Situation mit vielen Neupflanzungen führe zu einem Konflikt mit dem Wildbestand. Hier müsse man einen Weg finden, die Setzlinge effektiv vor Verbiss zu schützen, beziehungsweise den Tierbestand deutlich reduzieren. „Waldbau und Jagd müssen konsequent zusammen gedacht werden“, heißt es in dem Papier.

Landrat Andreas Müller und weitere südwestfälische Landratskandidaten vertieften im Pressegespräch einzelne Punkte des Positionspapiers. „Wir müssen zeigen, wie ökologischer Wald auch unter ökonomischen Gesichtspunkten attraktiv ist“, fasste Reinhard Brüggemann zusammen.

Eingeladen zu dem Pressegespräch war auch der saarländische Umweltminister Reinhold Jost, denn das Saarland verfüge über einen Vorsprung an Expertise, so Wiese. Der „ungeheure Wandel“ den der Wald in den letzten Jahrzehnten erlebt habe, sei etwas, dem „nur mit behutsamen längerfristigen Planungen“ zu begegnen sei, erklärte Jost. „Es ist ein ganzheitliches Konzept notwendig das über lange Zeiträume das Thema im Blick behält und alle Waldeigentümer mitnimmt“, sagte der Minister. Das Saarland sei eines der ersten Länder gewesen, welches eine naturnahe Waldbewirtschaftung eingeführt habe und mit 75 Prozent Laubwald bundesweit den höchsten Anteil aufweise. „Wir haben die Wälder die andere sich wünschen“, betonte Jost, weil man schon vor Jahrzehnten mit dem Umbau angefangen habe.

Eine ganzheitliches und nachhaltiges Waldmanagement sei letztendlich „gut angelegtes Geld“, weil es ökologische Rendite abliefere. Neben der notwendigen fachwissenschaftlichen Begleitung verwies er auch auf die vorhandene Expertise kommunaler und privater Waldbesitzer.

„Das Land lässt Waldbesitzer im Regen stehen“, kritisierte André Stinka, umweltpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, in seinem Schlusswort. Er regte breite Dialogveranstaltungen an und plädierte dafür, „auch die kleinsten Waldbesitzer in den Blick zu nehmen“.

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