Praktikant Sven Becker spricht bei Stolperstein-Verlegung

Rede erntet viel Applaus

Gunter Demnig ließ die Steine in der Gartenstraße im Gehweg ein. Foto: Eigner

Als Quantensprung in der Erinnerungskultur bezeichnete Janos Klink in seiner Rede die Idee des Künstlers Gunter Demnig, der die Stolpersteine vor rund zehn Jahren ins Leben gerufen hat.

„In über 800 Städten, vor allem in Deutschland, aber auch im benachbarten Ausland, sind etwa 40 000 Stolpersteine verlegt,“ so der Vorsitzende des Jugendparlamentes.

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Bürgermeister Dr. Christof Bartsch überraschte, als seine Begrüßung sehr kurz ausfiel und stattdessen sein Schülerpraktikant Sven Becker seine Gedanken zu dem dunklen Kapitel der Briloner Geschichte vorstellte: „77 Jahre ist es her, dass die SA im Deutschen Reich in jüdische Häuser einbrach. Diese Terrorwelle machte auch vor Brilon keinen Halt. Auch hier wurden Juden entwürdigt, verschleppt, enteignet; auch in Brilon brannte die Synagoge. Hier wie überall in Deutschland schauten Polizei und Feuerwehr oftmals zu, ohne etwas zu unternehmen. Darum ist es unsere Aufgabe, das Gedenken an jene Zeiten aufrechtzuerhalten. Nur wenn wir erinnern an die Vergangenheit, können wir die Zukunft verbessern. Abschließend bleibt zu sagen, dass die junge Generation heute keine Verantwortung mehr übernehmen muss für die Verfolgung der Juden zwischen 1933 und 1945, aber wir können unsere deutsche Vergangenheit nicht verleugnen oder darüber hinwegsehen. Unsere Aufgabe ist nicht, uns schuldig zu fühlen, sondern an jene Deutsche zu erinnern, die sich schuldig gemacht haben und an die Juden, die dem zum Opfer fielen.“ Die Rede erntete viel Applaus.

Carsten Schlömer, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Paderborn sowie wissenschaftlicher Mitarbeiter Museum Haus Hövener und Jugendreferent Briloner Heimatbund führte aus: Die Geschichte des Antisemitismus sei eine Tragödie, welche bis in die Antike zurückreicht. „Selbst in unserer kleinen Stadt Brilon finden sich bis heute Zeugnisse des Antisemitismus und beweisen auf tragische Art und Weise, wie oft die jüdischen Bürger Brilons Repressionen zu erdulden hatten. Bereits im 16. Jahrhundert kam es zur Veröffentlichung so genannter ,Juden-Ordnungen’, die vom Erzbischof zu Köln festgelegt wurden. Ein seltenes hier in Brilon noch erhaltenes Exemplar jener Edikte beschreibt genau die heute fürchterlich anmutenden Gesetze, die eine unvorstellbar schreckliche Zeit für die Männer und Frauen des jüdischen Glaubens darstellten.“ Mahnend schloss er seine Ausführung: „Es liegt an einer aufgeklärten Gesellschaft Fanatismus, Rassismus und Sozialdarwinismus zu bekämpfen und anzuerkennen, dass jeder Mensch, ungeachtet seiner Religion, seines sozialen Standes oder seiner Herkunft ein wichtiger Bestandteil der modernen Gesellschaft sein kann.“

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