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„Riesengroße Bereicherung“

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Eine Auswahl von Materialien stehen Astrid Nentwig zur Trauerbegleitung von Familien zur Verfügung.
Eine Auswahl von Materialien stehen Astrid Nentwig zur Trauerbegleitung von Familien zur Verfügung.

Kinder bringt man gedanklich nicht gerne mit dem Thema Tod zusammen. Dennoch ist die Leiterin des Familienzentrums Astrid Nentwig bereits zweimal mit dem Sterben von Kindern konfrontiert worden.

Es hat sie nachdenklich gemacht , sodass sie sich entschlossen hat, sich zur Kindertrauerbegleiterin zu qualifizieren.

„Jeder denkt, dass es ihm nie passieren möge, tatsächlich habe ich es schon zweimal erleben müssen, dass ein Kind gestorben ist“, erzählt Nentwig. Auch der Tod der geliebten Großmutter oder eines anderen nahen Verwandten oder Bekannten lässt Erwachsene oft hilflos und verunsichert zurück, wie sie damit gegenüber ihren Kindern umgehen sollen. In der Ausbildung der Erzieherinnen ist es ebenfalls immer noch ein Tabuthema. Dabei, so hat Nentwig beobachtet, setzen Kinder sich oft viel direkter und ohne Scheu mit dem Thema auseinander.

Über ein Jahr lang ist die engagierte Erzieherin einmal im Monat zur Weiterbildung nach Olpe gefahren, in das dortige Kinderhospiz Balthasar. „Das erste Mal bin ich mit Bauchweh hingefahren; ich wusste ja überhaupt nicht, was mich da erwartet“, erinnert sie sich. Es sei aber nicht so, dass der Gedanke an das Sterben dort ständig präsent sei. Außerdem seien nicht alle der Kinder dort bereits in der finalen Sterbephase. Häufig kommen ganze Familien, um sich eine Auszeit zu nehmen. „Es war eine Herausforderung – aber auch eine riesengroße Bereicherung“, so hat es Nentwig erlebt. Die Kinder selbst, aber auch die Eltern und Geschwister entwickeln häufig mit der Zeit eine ganz andere Einstellung, eine besondere Wertschätzung dem Leben gegenüber“, hat sie beobachtet. „Ich habe viele schöne Erfahrungen gemacht und es wird dort auch viel gelacht“, so ihr Resume.

In der Fortbildung wurden Aspekte behandelt, wie man Kinder gut bei Verlusten in der Familie begleiten kann, was die Grundlagen der Kindertrauer sind, welche Fragen von den Kinder kommen können, wie man mit Kindern ein Todeskonzept entwickeln kann und wie man Eltern und Geschwister beim Umgang mit dem Tod unterstützt. Besonders bei der Trauerbegleitung von Kindern – aber auch für die Erwachsenen – hat Nentwig gelernt, sind Rituale und Symbole hilfreich.

Mit ihr haben zehn weitere Teilnehmer die Ausbildung absolviert, meistens Kinderkrankenschwestern. Nentwig war die einzige Erzieherin. „Ich finde es ein sehr wichtiges Thema, auf das Erzieher gut vorbereitet sein sollten, denn es kann jederzeit passieren“, so Nentwig. Über das Familienzentrum wird sie künftig für alle Familien als Ansprechpartner zur Verfügung stehen – und das nicht nur in Erlinghausen, sondern in ganz Marsberg und Umgebung, denn im weiteren Umfeld ist sie die einzige qualifizierte Trauerbegleiterin. (Von Kristin Sens, marsberg@sauerlandkurier.de)

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