Historische Bibliothek im Haus Hövener eingerichtet

Schatztruhe am Marktplatz

Jens Meyer und Carsten Schlömer präsentierten dem Kreis der Initiatoren die wiederbelebten Werke von unschätzbaren kulturellen Wert. Foto: Manfred Eigner

„Was hier geschaffen wurde, ist ein Quantensprung,“ beschreibt Bürgermeister Dr. Christof Bartsch die Sammlung der rund 5000 geschichtsträchtigen Werke im Museum Haus Hövener: „Nicht nur der historische Wert, sondern die wissenschaftlichen Werte, deren Ausmaß wir in der weiteren Nutzung erkennen und erfahren werden.“ Über Jahrhunderte hatten die Werke in einer Art Dornröschenschlaf ein Schattendasein in den Räumen des alten Gymnasiums Petrinum geführt.

Mit dem Umzug in das Schulzentrum in den 1970er-Jahren wurde den Medien, die vom 16. bis zum 19. Jahrhundert in der Gymnasialbibliothek lagerten, erstmals wieder eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Man wusste um den Schatz, der nun in dem modernen Schulgebäude eingelagert wurde. Doch erst durch die Kooperation zwischen der städtischen Schuleinrichtung mit Johannes Droste als Leiter und dem Museum und dem Entschluss, diese Werke als Dauerleihgabe dem Museum Haus Hövener zur Verfügung zu stellen, kam der einmalige Wert ans Tageslicht.

„Es ist für beide Seiten eine, modern ausgedrückt, Win-Win-Situation,“ resümierte Schulleiter Droste, der den Raumbedarf für die wachsende Schülerzahl als Auslöser für die Entscheidung beschreibt: „Das Gymnasium weiß seinen wertvollen Buchbestand in sachkundiger Hand und Pflege. Zweitens war die Stifterin und Namensgeberin dieses Museums, Wilhelmine Hövener, mehr als 30 Jahre als erste weibliche Studienrätin, später Studiendirektorin am Gymnasium Petrinum.“

Aufgabe wird Jahre in Anspruch nehmen

Nach zehnmonatiger Planung und insbesondere handwerklicher Vorbereitung haben die Werke ihren Platz in der neu geschaffenen Historischen Bibliothek gefunden. Federführend waren dabei Museumsleiter Jens Meyer und der wissenschaftliche Mitarbeiter Carsten Schlömer, die von allen Seiten für ihr überdurchschnittliches Engagement mit Lob und Dank bedacht wurden. „5000 Werke sichten, mit äußerster Sorgfalt zu entstauben und aufzuarbeiten war der erste Schritt,“ beschreibt Jens Meyer und holt eines der hinter Glas positionierten Exponate heraus. Mit weißen Stoffhandschuhen sowie Vorsicht und Bedacht öffnet er das alte in Schweinsleder gebundene Buch: „Die Aufgabe wird noch Jahre in Anspruch nehmen, insbesondere die Digitalisierung, denn solche Schätze können nicht einfach durchblättert werden.“

Welchen Wert diese Bibliothek für die Wissenschaft hat, weiß in besonderem Maße Carsten Schlömer, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Paderborn sowie wissenschaftlicher Mitarbeiter Museum Haus Hövener: „Die Mareschal-Bibel aus dem Jahr 1527 ist das älteste gebundene Buch der Minoritenbibliothek oder die Verfassungssammlung von 1772, die landesrechtliche Aspekte wie Bergbauordnung und Forstgesetze beinhalten, sind Beispiele, wie Studenten und Geschichtsforscher bei ihrer Arbeit auf ungeahnte Informationen mit Hilfe dieser Dokumente zurückgreifen können. Diese Bibliothek ist kein abgeschlossenes Programm und kann auch nicht abgeschlossen werden.“

Im Zuge der Bibliotheksvorstellung bietet das Museum eine Sonderausstellung über die Geschichte des Gymnasium Petrinums. Dort wird gezeigt, wie die historische Entwicklung der Stadt mit der des Gymnasiums zusammenhängt. Weiter zeigen Abiturjahrgangs- und Lehrerportraits Gesichter der jeweiligen Schulepochen. „Wir haben eine Schatztruhe auf dem Briloner Marktplatz,“ lädt Winfried Dickel Vorsitzender des Briloner Heimatbundes Semper Idem und Mitglied des Museumsteams, zum Besuch ein: „Sie lebt von den Besuchern der herausragenden Kultureinrichtung im Herzen der Stadt und ist mit den Sonderausstellungen und der neuen Bibliothek massiv im Wert gestiegen.“

Die Sonderausstellung läuft noch bis Sonntag, 26. Juli. (Von Manfred Eigner, brilon@sauerlandkurier.de)

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