Museumsleiter entdeckt besonderes Blatt

Spicken wie vor 150 Jahren:  Briloner Museum Haus Hövener macht überraschenden Fund

Präsentiert den rund 150 Jahre alten „Spickzettel“ der damaligen Studenten: Museumsleiter Carsten Schlömer.
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Präsentiert den rund 150 Jahre alten „Spickzettel“ der damaligen Studenten: Museumsleiter Carsten Schlömer.

Die Studenten in Brilon hatten schon vor 150 Jahren ihre Tricks, um sich das Leben zu erleichtern – das beweist nun ein überraschender Fund aus der Historischen Bibliothek des Klosters am Steinweg und des Gymnasiums Petrinum. Die Bibliothek befindet sich seit 2015 im Haus Hövener. 

Brilon – Bereits Ferdinand Lohmann berichtete vor über 250 Jahren, dass das Schülerleben in Brilon alles andere als leicht war. Nicht nur der frühe Unterrichtsbeginn um sechs Uhr morgens oder die Prügelstrafe durch die Patres des späteren Gymnasiums Petrinum Brilon werden erwähnt, sondern auch, wie manche Professoren ungezogene Schüler in die alte Gruft unter der Nikolaikirche sperrten, berichtet das Museum Haus Hövener.

In einem 1863 erschienen Grammatikbuch zur hebräischen Sprache fiel Museumsleiter Carsten Schlömer dann ein besonderes Blatt in die Hände. Der kleine Zettel sei offensichtlich nicht Bestandteil des Lehrbuches und dafür umso wertvoller. Zwischen griechischen Übungen fand sich eine herausgetrennte Seite aus einem weitaus älteren Buch. „Es handelt sich um eine damals wissenschaftliche Diskussion, die Ende des 15. Jahrhunderts abgedruckt wurde“, erklärt Carsten Schlömer. Sehr wahrscheinlich nutzte der Schüler eine lateinische Vorlage, um das Hebräische zu übersetzen oder abzugleichen. „Es ist im Grunde ein Spick- oder Lernzettel für den Studenten gewesen. Dass er dabei eine fünfhundert Jahre alte Schrift zweckentfremdete, war dem Pauker wohl egal.“

Spuren des Mittelalters treten ans Tageslicht

Vergleichbare Funde von älteren Handschriften und Drucken aus dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit in weitaus jüngeren Büchern gab es schon mehrfach. Urkunden, Bibeltexte und andere mittelalterliche Handschriften aus Pergament wurden zur Buchbindung genutzt, informiert das Haus Hövener. Bei so manchem Band würde ein vorsichtiger Blick reichen und die Spuren des Mittelalters würden an das Tageslicht treten. Warum dies in den Scriptorien der Klöster so gehandhabt wurde, liege auf der Hand. „Pergament ist weitaus widerstandsfähiger, zäher und dicker. Ein schmaler Streifen aus einer mittelalterlichen Handschrift stützte den Einband und machte das Buch stabiler“, erklärt Schlömer. Makulatur werde so etwas dann genannt.

Im Übrigen gab es in der ursprünglichen Klosterbibliothek laut dem Museum noch weitaus ältere Schriften. Thomas von Aquin und andere Gelehrte hätten sich in den Regalen des einstigen Klosters im Steinweg gereiht. Diese Texte seien jedoch nach der Auflösung der Ordensniederlassung 1803 in hessische Archive gebracht worden. „Dennoch können die Brilonerinnen und Briloner immer noch sehr stolz auf ihren Kulturschatz sein“, resümiert Schlömer. Ob auch heute noch Schüler des Petrinums spicken, könne das Museumsteam jedoch nicht beantworten.

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