BriWeTa ermöglichen praktischen Einblick in die Berufe

Talente entdecken

Die Schüler der Haupt- und Förderschule waren nach der Zertifikatsübergabe sehr stolz, durchgehalten zu haben. Foto: Christiane Heiligers

Weil die Übergangsquote in eine duale Ausbildung von Hauptschülern in Brilon vergleichsweise gering ist und um Schwierigkeiten aufgrund stark sinkender Schülerzahlen vorzubeugen, wurde 2012 das Projekt „BriWeTa“ (Briloner Werkstatt-Tage) ins Leben gerufen. Initiator und Organisator war das Sozialwerk Sauerland unter der Federführung von Ulrich Diekmann.

Die Achtklässler der Haupt- und Förderschule waren die Zielgruppe und hatten damit die Möglichkeit, sich in der ersten Phase in Kleingruppen für drei Unterrichtsstunden pro Woche in drei Berufen zu orientieren. Dienstagsnachmittags im Anschluss an den Unterricht ging es dann von Juni 2014 bis Januar 2015 in die Betriebe. Angeleitet wurden sie von erfahrenen Ausbildern, Meistern oder Werkstattlehrern. Dann schloss sich die werkpraktische Vertiefungsphase an, in der sich die Mädchen und Jungen für ein Berufsfeld entschieden. Zusätzlich lernten sie hierbei unter sozialpädagogischer Begleitung Ausdauer und Durchhaltevermögen. Eigene Stärken und Talente rechtzeitig entdecken und diese in einem Beruf zu akzentuieren, der wirklich Spaß macht, war das Hauptziel dieses Vorhabens. Ein paar haben die acht Monate nicht durchgehalten, bei allen anderen herrschte durchweg positive Resonanz.

Viele planen, in dem Bereich die Ausbildung zu starten. Wenn es nicht das Richtige war, nehmen sie zumindest die Erkenntnis mit, eine andere Richtung anzupeilen.

„Praktische Bildung kommt zu kurz“

Nach Beendigung des dritten BriWeTa-Durchlaufes wurden in Anwesenheit der Eltern vergangenen Mittwoch in der Heinrich-Lübke-Schule die Zertifikate an die Jugendlichen verliehen, 20 von der Heinrich-Lübke-Schule und acht von der Christophorusschule. Der Stellvertretende Schulleiter Lars Waßmann lobte: „Ihr habt eine besonders tolle Leistung erbracht. Fast ein Jahr lang habt ihr Durchhaltevermögen bewiesen und freiwillig Kontakte geknüpft. Den ersten Schritt habt ihr getan, ich drücke euch die Daumen.“

Im Anschluss sagte Bürgermeister Dr. Christof Bartsch als Schulträger: „Ich habe den Eindruck, dass in unserem Schulsystem die praktische Bildung oft zu kurz kommt.“ BriWeTa biete eine gute Chance, praktisch veranlagten Kindern praktisches Lernen zu ermöglichen. „Ihr habt diese Chance genutzt, sonst wäret ihr nicht hier.“

Danach richtete Ulrich Diekmann das Wort an die Eltern. „Sie können stolz sein auf Ihre Kinder.“ Dieses Vorhaben sei nicht als Beschäftigungstherapie zu sehen, sondern es seien den Jugendlichen bereits Ausbildungsinhalte des ersten Lehrjahres vermittelt worden. Seiner Meinung nach komme die gewerblich-technische Ausbildung derzeit noch viel zu schlecht weg und Abitur solle man nur machen, wenn man weiß, wofür. An die Schüler appellierte er: „Dieses System verhindert Arbeitslosigkeit. Aber auch Unterstützung und Lernmotivation sind der Schlüssel zum Erfolg.“

Finanziert wurde das 12.000 Euro teure Vorhaben durch die Stadt Brilon und die Bürgerstiftung. Wenn man sich den Unternehmen positiv präsentierte, kann das der Startschuss für eine spätere Ausbildung dort sein, denn das Zertifikat ist Bestandteil der Bewerbung. Nicht nur Studium bringt Heranwachsende heute ans Ziel, gerade der Fachkräftemangel spielt der dualen Ausbildung in die Karten und eröffnet große Chancen auf diesem Gebiet. (Von Christiane Heiligers, brilon@sauerlandkurier.de)

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