Anspruch auf Hilfe

Hemmschwellen überwinden: Telefonaktion „Arm dran? Ruf an!“ erstmals im Altkreis Brilon

Die Beteiligten an der gemeinsamen Telefonaktion „Arm dran? Ruf an!“ am 9. Juli möchten möglichst vielen Betroffenen helfen, einen Weg aus der Armut zu finden.

Altkreis Brilon - Armut und vor allem Altersarmut ist ein großes Thema in der heutigen Zeit. Wer in seinem Leben ein niedriges Erwerbseinkommen erwirtschaftet hat, ist nicht nur einem erhöhten Altersarmutrisiko ausgesetzt, sondern lebt auch noch kürzer als Besserverdienende. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Doch Betroffene haben einen Anspruch auf Hilfe. Dies kostet aber oft Überwindung zum Amt zu gehen oder es fehlt das Wissen, an wen man sich wenden kann.

In einer gemeinsamen Kampagne der Stadt Brilon, der Caritas, der Diakonie, des Sozialdienstes katholischer Frauen, des Vereins Ipsylon, des Seniorenbeirates und der Sozialverbände SoVD und VdK, vertreten durch Ehrenbürgermeister Franz Schrewe, soll diesem Problem entgegengetreten werden. 

Die Beteiligten starten am Dienstag, 9. Juli, in der Zeit von 17.30 bis 19.30 Uhr eine Telefonaktion „gegen die Armut“. Die Aktion läuft unter dem prägnanten Titel „Arm dran? Ruf an!“ und findet zum ersten Mal statt. Jeder aus dem Altkreis Brilon kann sich bei den Beteiligten die für ihn wichtigen Informationen einholen, eine Rechtsberatung erfolgt allerdings nicht. Das Entscheidende: Der Anruf ist anonym. 

„Die Schamgrenze ist gewaltig hoch. Viele Betroffene finden nicht den Mut, ihren gesetzlichen Anspruch geltend zu machen. Das habe ich bei meiner Arbeit im Seniorenbeirat immer häufiger beobachtet“, so Reinhard Prange, Vorsitzender des Seniorenbeirats, der die Idee zu der Kampagne hatte. „Wir möchten eine relativ schnelle Möglichkeit bieten, auch anonym in persönlichen Kontakt mit verschiedenen Sozialverbänden, -diensten und Vereinen vor Ort zu treten, um diese Hemmschwelle zu überwinden“, ergänzt Ulrich Schilling, Caritas-Koordinator im Dekanat Hochsauerlandkreis. 

Spirale aus Armut, Krankheit und Vereinsamung

Armut hat jedoch nicht nur eine finanzielle Seite, sondern auch eine soziale. „Es gibt eine Spirale aus Armut, Krankheit und Vereinsamung beziehungsweise Isolation. Das hängt alles miteinander zusammen. Diese Spirale wollen wir durchbrechen. Ein erster Schritt ist, sich Hilfe zu holen und zuzulassen“, erklärt Annika Siebertz vom Verein Ipsylon. 

Und das sind die einzelnen Ansprechpartner mit den jeweiligen Telefonnummern, worüber sie am Aktionstag, 9. Juli, von 17.30 bis 19.30 Uhr zu erreichen sind: 

Maria Theresia Kupitz, Tel. 0 29 61/97 19 27 ist beim Caritasverband Brilon für den Fachdienst Allgemeine Soziale Beratung zuständig. Es gibt Zeiten, in denen das Leben aus dem Lot gerät. Arbeitslosigkeit oder Krankheit können Menschen in Notsituationen bringen, aus denen sie nicht mehr alleine herausfinden. Hier hilft die allgemeine Soziale Beratung und zeigt Wege auf, die aus der Not herausführen können. 

Ulrich Schilling, Tel. 0 29 61/97 19 13 ist Caritas-Koordinator im Dekanat Hochsauerlandkreis und berät zu Wegen aus der Altersarmut und der Vereinsamung und kennt Kontaktdaten der Kleiderkammern und der Warenkörbe sowie Treffpunktmöglichkeiten wie das „Briloner Mosaik“ und Seniorennachmittage in verschiedenen Orten im Altkreis. 

Annika Siebertz, Tel. 0 29 61/97 19 17 ist beim Verein Ipsylon, dem Initiativkreis psychosozialer Hilfen Brilon, für die Psychosoziale Beratung zuständig. Menschen in schwierigen Lebenssituationen finden hier zeitnah lebenspraktische Hilfen und Beratung. Zu ihren Arbeitsinhalten gehören unter anderem Gespräche bei belastenden Lebenssituationen wie Armut (im Alter), Jobverlust, Schicksalsschläge, Beziehungskonflikte sowie Beratung in Behördenangelegenheiten und sozialrechtlichen Fragen. 

Ellen Mendelin-Plauth, Tel. 0 29 61/97 19 29 berät bei der Diakonie Ruhr-Hellweg zu Leistungen für Familien (neben Elterngeld oder Kindergeld auch über die Bundesstiftung „Mutter und Kind“ bei einer Schwangerschaft) und auch explizit Schwangere. 

Reinhard Prange, Tel. 0 29 61/97 19 53 hat als Vorsitzender des Seniorenbeirates immer ein offenes Ohr für die Belange der Senioren in der Stadt und steht oftmals mit Rat und auch Tat zur Seite. 

Iris Mund, Tel. 0 29 61/97 19 15 ist beim Sozialdienst katholischer Frauen ebenfalls in der Allgemeinen Sozialen Beratung tätig, auch sie hat ein breit gefächertes Beratungsangebot, angefangen von der Anlaufstelle bei allgemeinen sozialen Problemlagen bis hin zur Hilfestellung bei Sozialhilfe- und Behördenangelegenheiten und der Beratung zu Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung. 

Anna Tuss, Tel. 0 29 61/97 19 50 berät beim Sozialdienst katholischer Frauen zu Fragen bei Verschuldung und unterstützt dabei, Wege aus der Verschuldung zu finden. 

Franz Schrewe, Tel. 0 29 61/97 19 38 ist ehemaliger Bürgermeister der Stadt Brilon und seit 2015 Landesvorsitzender des SoVD NRW und steht für die Sozialverbände SoVD und VdK. Die Sozialverbände setzen sich für Menschen ein, die sich in sozialrechtlichen Fragen, wie gesetzliche Rentenversicherung, gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung, Arbeitslosenversicherung, allen Fragen der Behinderung, Sozialhilfe und Grundsicherung, nicht selbst helfen können.

Wenn die Aktion gut angenommen wird, können sich die Beteiligten vorstellen, die Kampagne fortzusetzen.

Bei der Telefonaktion besteht zudem die Möglichkeit, Termine zu vereinbaren, um die Beratung fortzuführen. Alle Beratungen bei den beteiligten Verbänden und Vereinen sind grundsätzlich kostenlos (beim SoVD und VdK muss man allerdings Mitglied sein), konfessions- und politisch unabhängig.

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