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Tierrechtsorganisation Peta hat Bio-Ziegenhof in Brilon im Visier

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Von: Jana Sudhoff

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Auf der Peta-Homepage wird der Beitrag mit Bildern wie diesen von stark unterernährten Ziegen unterstützt.

Brilon. Hohe Wellen schlägt in der Region eine Undercover-Recherche der Tierrechtsorganisation Peta, in der sie einen Ziegenhof in Brilon an den Pranger stellt. Zu sehen sind stark abgemagerte Tiere, Vernachlässigungen und Prügel. Öffentlich verbreitet wurde der 2016 gedrehte Film am Samstag durch einen zusätzlichen Beitrag in der Vox-Sendung „hundkatzemaus“ von Tierdetektivin Judith Pein. Viele Menschen sind über die mutmaßlichen Misshandlungen schockiert und empört. Trotz aller aufkochenden Emotionen wird es noch eine Weile dauern, die Vorwürfe sachlich zu prüfen und ein abschließendes Urteil zu fällen.

Aufgrund von Zeugenmeldungen sei Peta 2016 auf den Bio-Ziegenhof in Brilon aufmerksam geworden, heißt es auf der Peta-Homepage. Ihre „Undercover-Recherchen“ haben die Tierrechtler in einem dreiminütigen Film zusammengefasst: Zu sehen ist unter anderem, wie zwei Mitarbeiter mit Stock und Faust auf Ziegen in einem Melkstand einschlagen. Viele der Ziegen seien außerdem stark unterernährt, hätten offene Wunden und lahmen – so lautet die weitere Kritik. Durch die „Vernachlässigungen sollen täglich mehrere Tiere“ verendet, die toten Körper „nicht alle vorschriftsmäßig abgeholt“, sondern wie Müll entsorgt worden sein. 

Anfang Dezember hat Peta bei der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet. In diesem Zeitraum ist Film- und Fotomaterial auch dem Veterinäramt des HSK übermittelt worden. Erste Anzeigen hatte das Veterinäramt bereits Anfang des Vorjahres bekommen. Viermal – im Zeitraum von Januar bis November – sei der Betrieb deshalb kontrolliert worden, heißt es in der Stellungnahme des Amtes. Das Urteil fiel anders aus: „Dabei wurden keine Beanstandungen bei der Ziegenhaltung und nur teilweise geringfügige Beanstandungen bei der Hundehaltung festgestellt.“ Zwei weitere Besuche im Dezember hätten keine „Beanstandung bei der Ziegen- und Hundehaltung“ ergeben.

 Mitarbeiter fristlos entlassen

 „Die Haltungsbedingungen sind völlig einwandfrei“, sagt der vom Hofinhaber eingeschaltete Rechtsanwalt Dr. Walter Scheuerl aus Hamburg. Dies würde nicht zuletzt durch die Besuche des Veterinäramtes und des Betriebstierarztes bestätigt. Dass vereinzelt leider auch einmal Tiere sterben und bis zu ihrer regelmäßigen Abholung abgesondert von der Herde vor dem Stall – in diesem Fall mit einer Plane abgedeckt – gelagert werden, sei „die Realität in der Landwirtschaft“. Auch den Vorwurf, die Ziegen seien unterernährt, weist der Anwalt als haltlos zurück. Es liege im Eigeninteresse eines Milchunternehmens, dass die Tiere ausreichend Milch geben. „Mit einer unterernährten Ziege ist kein Geld zu verdienen“, so Scheuerl. 

Die von Peta gefilmten Mitarbeiter seien sofort fristlos entlassen worden. Von dem Misshandlungen habe der Hofbesitzer nichts gewusst und sofort die Konsequenzen gezogen, nachdem er das Peta-Filmmaterial vorgelegt bekommen habe, was allerdings rechtswidrig beschafft worden sei, wie Scheuerl betont. Auch Judith Pein habe Hausfriedensbruch begangen, weil sie ohne Erlaubnis des Hofbesitzers im Stall gedreht habe. Man werde Strafanzeige stellen. Bereits im Vorfeld hatte der Rechtsanwalt den Sender dazu aufgefordert, den Beitrag nicht zu senden.

Zweifel an Echtheit der Bilder

Peta fordert ein sofortiges Tierhalteverbot und empfindliche Strafen wegen massiver Tierquälerei auf dem Bio-Ziegenhof in Brilon, schreibt die Tierrechtsorganisation in einer Pressemitteilung. Die Organisation hatte die beiden Mitarbeiter, die in dem mit versteckter Kamera gefilmten Beitrag zu sehen sind, und den Hofinhaber bei der Staatsanwaltschaft angezeigt.

Während dieser Vorfall vom Hofinhaber durch die Entlassung seiner Mitarbeiter offensichtlich eingeräumt wurde, beschäftigt sich die Staatsanwaltschaft Arnsberg dennoch vorrangig mit der Authentizität des restlichen Filmmaterials. „Wir prüfen, ob die Bilder überhaupt von dem Hof in Brilon sind“, wie Oberstaatsanwalt Werner Wolff auf Anfrage des SauerlandKurier sagte. 

Obwohl die Ergebnisse noch ausstehen, hat es bereits erste Konsequenzen für den Ziegenhof gegeben, der das Warenzeichen „Bioland“ trug. Direkt nach Bekanntwerden der Vorwürfe Anfang Dezember hat der Verband „Bioland“ dem Betrieb die Mitgliedschaft gekündigt und das Verbandszertifikat entzogen. „Wir waren schockiert von den Bildern und bedauern sehr, wie mit den Tieren umgegangen wurde“, heißt es in einer Pressemitteilung der Bioland Nordrhein-Westfalen. 

„Gesundheitliche Probleme“ 

Und weiter: „Im letzten Jahr gab es auf dem Betrieb erhebliche gesundheitliche Probleme im gesamten Ziegenbestand. Diese haben dazu geführt, dass die Tiere teilweise sehr dünn waren und der Bestand insgesamt geschwächt war. Um die Krankheit zu beheben, war der Betrieb aufgefordert, gemeinsam mit dem Tiergesundheitsdienst ein Konzept zu erarbeiten. Dieser Aufforderung ist der Betrieb nach mehrfacher Aufforderung nicht nachgekommen.“  Der Ziegenhofinhaber hat Widerspruch gegen die Kündigung eingelegt. 

Derweil hat der Ziegenhof jüngst nach einer Betriebsprüfung am 18. Januar einer unabhängigen Akkreditierungsstelle seine Bescheinigung vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (Lanuv) verlängert bekommen, Erzeuger biologischer und ökologischer Waren zu sein. Die EU-Ökozertifizierung steht derzeit nicht auf dem Prüfstand. Prüfen lassen möchte Rechtsanwalt Scheuerl indes die Ambitionen eines „Peta-Kronzeugen“, der seinem Mandanten ein Kaufangebot für seinen Hof gemacht habe. Entsprechende Unterlagen würden an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet werden. Zudem behalte man sich vor, Unterlassungsansprüche geltend zu machen. Peta hat ihre Filmaufnahmen auf der Homepage veröffentlicht. Währenddessen ist der Beitrag aus „Hundkatzemaus“ online nicht verfügbar. 

Die Peta fordert ihrerseits Konsequenzen für das Veterinäramt, weil es „trotz mehrerer Zeugenhinweise lange Zeit untätig blieb“. 

Die Sauerländer Bürgerliste hat beim Kreis für den Ausschuss für Umwelt, Landwirtschaft und Forsten einen Bericht über die Vorkommnisse auf dem Biohof sowie über die Maßnahmen, die das Kreisveterinäramt ergriffen hat, um die Missstände wirkungsvoll und dauerhaft abzustellen, beantragt.

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