„Dominik H. hat die Unerfahrenheit ausgenutzt“

Urteil im Briloner Missbrauchsprozess: Angeklagter muss für drei Jahre und acht Monate hinter Gitter

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Dominik H. bei der Urteilsverkündung.

[Update 15.15 Uhr] Brilon/Arnsberg. Mit Spannung wurde das Urteil im Briloner Missbrauchsprozess gegen einen 28-jährigen Mann aus Essen, der zum Tatzeit in Brilon lebte, erwartet. Nach sechs Verhandlungstagen vor der sechsten Großen Strafkammer als Jugendschutzkammer am Landgericht Arnsberg erging im Namen des Volkes folgendes Urteil: Der Angeklagte Dominik H. wurde zu einer Gesamtfreiheitsstrafe wegen sexuellen Missbrauchs in drei Fällen und wegen schwerem sexuellen Missbrauch in zwei Fällen zu drei Jahren und acht Monaten ohne Bewährung verurteilt.

Trotz unterschiedlicher Zeugenaussagen sah es das Gericht als erwiesen an, dass der Angeklagte, dem zuvor sieben Fälle (davon zwei schwer) zur Last gelegt worden sind, die damals erst elfjährige Tochter der Lebensgefährtin seines Vaters im Frühjahr und Sommer 2014 im häuslichen Umfeld in Brilon mehrfach sexuell missbraucht zu haben. Besonders die nicht öffentliche Einlassung des Opfers hatte das Gericht überzeugt, sodass eine Gesamtfreiheitssprache gegen den Sexualstraftäter ausgesprochen wurde.

Der mehrfach vorbestrafte Dominik H. lebte zum Tatzeitpunkt zusammen mit seinem Bruder und Vater sowie dessen Lebensgefährtin und deren vier Kindern (das fünfte war unterwegs) als Patchwork-Familie in einem Haus einen Kilometer vom Briloner Stadtgebiet entfernt am Waldrand. In dem bereits genannten Zeitraum hatte H. das junge Mädchen mehrfach geküsst, im Intimbereich und an der Brust gestreichelt, ist mit dem Finger in sie eingedrungen, um sich so sexuell zu erregen.

Aufgrund des sexuellen Missbrauchs forderte die Staatsanwaltschaft als auch der Anwalt des Opfers, Rechtsanwalt Volker Regenbogen, eine Freiheitstrafe von fünf Jahren. Der Verteidiger des Angeklagten Ralph Giebeler plädierte jedoch auf einen Freispruch, zweifelte stark die Kompetenz der Rechtspsychologin hinsichtlich Projektion und Ambivalenz an, stellte zu Beginn der Verhandlung einen Antrag auf ein weiteres psychologisches Sachverständigengutachten. Dieses wurde jedoch nach eingehender Beratung des Gerichts mit der Begründung abgelehnt, dass es Aufgabe des Gerichts sei, die Glaubwürdigkeit des Opfers zu beurteilen.

„Clara hat die Intimitäten über sich ergehen lassen“

Der vorsitzende Richter Markus Jäger begründete sein Urteil damit: „Im Frühjahr 2014 verliebte sich die damals elfjährige Clara (Name von der Redaktion geändert) in den Angeklagten. Dieser ließ sich auf intime Kontakte mit dem Kind ein, auch wenn er öffentlich immer alles abstritt. Er hat sie an der Scheide berührt, ist in sie mit dem Finger eingedrungen, hat sie mehrfach geküsst, im Bad an der Brust berührt und sich von ihr oral stimulieren lassen. Zum Geschlechtsverkehr kam es nicht, weil Clara sich auf der Übernachtungsparty in der Scheune weggedreht hatte. Clara hat die Intimitäten über sich ergehen lassen. Dominik H. hat die Unerfahrenheit ausgenutzt.“

Gegen den Angeklagten Dominik H. wurde eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahre und acht Monaten ausgesprochen.

Durch ihre freie und verhältnismäßig komplexe, nachvollziehbare Aussage vor Gericht, plausible Erklärungen hinsichtlich der Audiodateien als auch der Tatsache, dass sie laut Jäger vieles erzählt habe was nicht strafrechtlich relevant sei, wurde Dominik H., der über vier Einträge im Bundeszentralregister verfügt, schließlich zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren und acht Monaten verurteilt. Des Weiteren wurden ihm die Kosten des Verfahrens sowie die Auslagen der Nebenklägerin auferlegt.

Der Haftbefehl wird aufrecht erhalten, bleibt aber außer Vollzug gesetzt. Dominik H. muss zudem eine Speichelprobe beim LKA abgeben zwecks Registrierung in der Datenbank aufgrund sexuellen Missbrauchs.

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