Bundespräsident und Fürsprecher der einfachen Leute

Vortrag im Haus Hövener gibt Einblick in das Wirken von Heinrich Lübke

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Auf ein großes Interesse stieß im Museum Haus Hövener der Vortrag von Dr. Peter Karl Becker über Heinrich Lübke.

Brilon - Jeder kennt Heinrich Lübke, den zweiten deutschen Bundespräsidenten, aber wenige wissen, welche nachhaltigen Spuren er in Brilon hinterlassen hat. Darüber gab der Vortrag von Dr. Peter Karl Becker Aufschluss, den er vor einem sehr interessierten Publikum unter etwas widrigen Bedingungen hielt.

Zunächst musste, wetterbedingt, die Veranstaltung vom Museumsgarten nach drinnen verlegt werden. Eine halbe Stunde nach Vortragsbeginn startete zudem, lautstark und stimmgewaltig, der Musiksommer auf dem Marktplatz. Es ist der bemerkenswerte Verdienst des Referenten, dass die Zuhörer dennoch auf ihn fokussiert blieben und seinen Worten bis zum Schluss aufmerksam lauschten. 

Heinrich Lübke, am 14. Oktober 1894 in Enkhausen bei Sundern in einfachen Verhältnissen als Sohn eines Schusters und Nebenserwerblandwirts geboren, blieb zeitlebens dem Sauerland verbunden und kehrte auch später als Präsident regelmäßig in sein Elternhaus zurück. In Brilon legte er am Petrinum sein Abitur ab und studierte anschließend Landwirtschaft, Geodäsie und Kulturtechnik. 

In Entwicklungshilfe engagiert

Nach dem Zweiten Weltkrieg trat Lübke der CDU bei und wurde zunächst Landesminister und später Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, einem in den Hunger- und Aufbaujahren der Nachkriegszeit wichtigen Bereich. Mit den kleinteiligen, bäuerlichen Strukturen des Sauerlands gut vertraut, als Gymnasiast bewohnte er ein Zimmerchen auf einem Briloner Bauernhof, war er zeitlebens ein Fürsprecher der einfachen Leute und setzte diese Erfahrungen auch in seiner Bodenreform ein, die im Briloner Modellversuch erstmals getestet wurde. Die vielen um Brilon liegenden Aussiedlerhöfe, so Becker, gehen auf Lübkes Wirken zurück. Präsident wurde er 1959 eher widerstrebend, aus Pflichtbewusstsein. Auch in dieser Funktion lag ihm die Fürsorge für die Menschen am Herzen. Besonders engagierte er sich in der Entwicklungshilfe für Afrika. Hier habe er frühzeitig die Auffassung vertreten, den Menschen Hilfe zur Selbsthilfe zu gewähren. 

Geradezu prophetisch mutet seine Warnung an, wenn man die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort nicht verbessere, werde man früher oder später die Probleme in Europa haben. Auch zu Heinrich Lübkes Ehefrau, der ebenfalls aus dem Sauerland stammenden Wilhemine geb. Keuthen sowie zum älterem Bruder Friedrich-Wilhelm, der später in Schleswig-Holstein regional und auf Landesebene ähnliche Anliegen wir sein Bruder verfolgte, hatte der Referent umfangreich recherchiert. 

Nach Vortragsende bemerkte ein Zuhörer, es sei doch bedauernswert, dass, abgesehen von der Heinrich-Lübke-Schule, wo der Name letztendlich nur noch als Zusatz zur Sekundarschule erhalten geblieben ist, so gar nichts mehr an den berühmten Sauerländer erinnert. Der Vorschlag, man sollte doch zumindest eine Straße nach ihm benennen, stieß auf große Zustimmung.

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