Wichtige Stellschrauben drehen

Praktische Schritte zur Nachwuchsgewinnung wurden in Brilon aufgezeigt und diskutiert.

„Mit Jugendlichen ins Gespräch kommen.“ Das sieht Wirtschaftsförderer Oliver Dülme von der Brilon Wirtschaft und Touristik als eine der wichtigsten Stellschrauben, um Schüler im letzten Drittel ihrer Schulzeit auf das Berufsleben mit all seinen Möglichkeiten vorzubereiten. Dass um qualifizierten Nachwuchs im Handwerk geworben werden muss, darin waren sich bei der Informationsveranstaltung des Handwerkervereins 1849 Brilon alle einig. Doch gilt es den richtigen Weg zu finden.

Handwerker suchen richtigen Weg zur Nachwuchsgewinnung

Wie groß das Interesse der Briloner Handwerksfirmen zu diesem brisanten Thema ist, zeigte der vollbesetzte Tagungsraum und die intensive Diskussion im Anschluss an die Fachvorträge der Referenten. „Es wird für die Betriebe immer schwieriger geeignete Auszubildende zu finden,“ sprach Ingomar Schennen von der Kreishandwerkerschaft ein Grundproblem an. „Es gibt zu wenig junge Leute und es gibt zu wenig qualifizierte junge Leute. Ein Handwerksmeister hat mir berichtet, seine Altgesellen, die jetzt in Rente gehen, konnten trotz nur acht Jahren Volksschulzeit ihren Mann stehen, lesen, schreiben und rechnen.“ Damit traf der Referent den wunden Punkt vieler Ausbilder im Raum, die unter anderem berichteten, dass Auszubildende nach zehn Schuljahren bei der Berechnung von Flächen- oder Kreisinhalten ein leeres Blatt abgeben. Auch wenn die Schulen heute viele Aufgabe übernehmen müssen, die früher das Elternhaus geregelt hat, so war dennoch der Tenor, dass dort ein Ansatzpunkt gesucht werden muss. Einer der seit Jahrzehnten als Bindeglied zwischen Schule und Ausbildung fungiert, ist Berufsberater Theo Gruß. Er stellte in seinem Vortrag interessante Aspekte vor: „Jugendliche müssen mit Jugendlichen sprechen. Untereinander erfolgt ein ganz anderer Austausch als mit Erwachsenen. Auch dem antiquierten Bild der jeweiligen Berufe durch Schule und Elternhaus muss entgegengewirkt werden. Die Anforderungen und technischen Möglichkeiten in den Berufen ändern sich kontinuierlich und hier ist die frühe Information der Eltern wichtig.“ Oftmals werde die Entscheidung um einen Praktikumsplatz von den Faktoren beeinflusst: Betrieb ist bekannt, der Weg ist kurz, Beruf aus Elternsicht bekannt. Doch die Kinder müssen wissen, was auf sie wirklich zukommt. Daher sollte schon im siebten, achten Schuljahr damit begonnen werden, sich mit der Berufswahl auseinander zu setzten. Nicht erst mit dem Praktikum.“ MdB Dirk Wiese (SPD) rief dazu auf, auch die jungen Leute ins Boot zu holen, die nach ihrer Schulzeit keinen Ausbildungsplatz bekommen haben: „Wenn Jugendliche zu lange vor einer Ausbildung ‘geparkt‘ werden, entsteht oftmals sozialer Sprengstoff.“ MdL Matthias Kerkhoff (CDU) setzte an verschiedenen Punkten an. Um den antiquierten Berufsbildern entgegen zu wirken, rief er die Betriebe auf, zu zeigen, was sich alles an interessanten Möglichkeiten in ihren Branchen bietet und auch die Weiterbildungsmöglichkeiten. „Nur Meisterbetrieb können vernünftig ausbilden,“ wandte er sich gegen Absenkungen der Anforderungen und rief dazu auf in den Schulen die sogenannten Mint-Fächer: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften sowie Technik mit einem höheren Stellenwert zu belegen. Ingomar Schennen regte weiterhin an breitbandig zu werben und dabei die Mädchen für die sogenannten Männerberufe zu begeistern, aber auch die Chancen zu nutzen, die durch Migration und Zuwanderung entstehenden. Einig war man sich, dass die Briloner Ausbildungsbörse eine gute Möglichkeit bietet, mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. An einigen Ständen werden auch Auszubildende ihre Erfahrungen weitergeben. Gern hätten sich noch mehr Betriebe zur Ausbildungsbörse am 18. März im Kolpinghaus präsentiert, doch mit den 51 Ausstellern, die 68 Berufe und zehn duale Studiengänge vorstellen, ist das Raumangebot vollständig ausgenutzt. Als Lösung werden sich einige Firmen zusammenschließen und gemeinsam ihre Ausbildungsmöglichkeiten darstellen.

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