„Erschließer und Bewahrer historischen Erbes“

Winfried Dickel erhält für vielfältiges Engagement Bundesverdienstkreuz am Bande

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Die Ehre des Bundesverdienstkreuzes will Winfried Dickel mit seinem Museumsteam, Freunden und Verwandten teilen.

Brilon – „Allen, die in kennen war klar, da wird etwas geplant, das hat derjenige auch verdient“, wandte sich Landrat Dr. Karl Schneider an Winfried Dickel, bevor er ihm das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland nebst Urkunde und einem dicken Blumenstauß überreichte.

Seit Anfang der 80er Jahre verfasse er die Stadtchronik, habe seit 1992 den Arbeitkreis für Ortsgeschichte im Briloner Heimatbund geleitet und nach dessem Zusammenschluss mit Semper Idem als erster Vorsitzender geprägt, nannte Schneider nur einige der zahlreichen Beispiele von Dickels verdienstvollem Wirken in Brilon und Umgebung. 

Das Museum Haus Hövener, welchem er heute als kommissarischer Leiter ehrenamtlich vorsteht, hat er bereits bei dessen Aufbau Ende der 90er Jahre mitgestaltet und seit 2013 ist er Vorsitzender des Stiftungsvorstands. Seit mehr als 35 Jahren organisiert er Stadtführungen für Migranten und mit seinem Engagement bei der Gründung des Geoparks Grenzwelten bewies er, dass sein Blick über Brilon hinaus geht. 

2006 war er zudem Gründungsmitglied der Briloner Bürgerstiftung. Als „Erschließer und Bewahrer historischen Erbes“ bezeichnete zusammenfassend der Landrat den Geehrten. Dabei habe er sich „mit Herzblut“ für Brilon und das Umland eingesetzt. „Es ist eine tolle Arbeit, deswegen bin ich heute morgen gerne hergekommen“, freute sich Schneider. 

Das Bundesverdienstkreuz am Bande wurde in Brilon an Winfried Dickel (Mi.) verliehen, überreicht durch Landrat Dr. Karl Schneider. Mit ihnen freute sich Bürgermeister Dr. Christof Bartsch.

Auch Bürgermeister Dr. Christof Bartsch lobte Dickel als „überaus verdienten Bürger unserer Stadt“ und erinnerte daran, dass es keine Selbstverständlichkeit sei, wenn sich jemand derartig dem Gemeinwohl verpflichte. Jeder in Brilon und seinen 16 Dörfern wisse, wovon er rede, wenn er den Namen Dickel erwähne, denn die Ortsteile seien diesem stets genauso wichtig gewesen. 

„Wie ein roter Faden“, so Bartsch, „zieht sich seine Liebe zur Heimatstadt durch sein Wirken“. Dabei habe er Menschen aller Generationen auf unterschiedliche Weise Geschichte vermittelt und dabei ein Stück Lebensqualität erzeugt. „Es ist die Summe der Einzelaktionen, die der Auszeichnung bedürfen“, betonte der Bürgermeister und zählte einige weitere „Bausteine“ aus Dickels Engagement auf, wie die Schaffung des Altstadtrundgangs und der Beschilderung, die nun auf die Ortsteile ausgeweitet werde, die Stadtführergilde, die Sanierung und Verschönerung des Petruskumps, die bereits erwähnte Geoparkstation, die Bildungspartnerschaft des Museums mit den Schulen, der Museumsgarten und - als jüngste Aktivität - die Dauerausstellung für Pitt Moog. 

Unter seiner Leitung habe er dem Museum zu neuen Höchstwerten bei den Besucherzahlen verholfen, durch sein ehrenamtliches Engagement aber auch dazu beigetragen, Verbindlichkeiten abzubauen. Leidenschaft, eine unkomplizierte Art, klare Ansprache sowie die Bereitschaft, jederzeit selbst mit Hand anzulegen, zeichneten Dickels Persönlichkeit aus. „Du bist ein Weichensteller und Erinnerer“, wandte sich Bartsch abschließend direkt an ihn. 

Ein dickes Dankeschön für den „Chef“ gab es auch vom gesamten Museumsteam, bevor dieser selbst das Wort ergriff: „Ich bin gerührt und fühle mich außerordentlich geehrt.“ Mit seinem Dank für die Laudatio verband Dickel sogleich den Dank an alle jene, die über die Jahre hinweg ihn unterstützt hätten, allen voran Ehefrau Egilde, die er bereits in jungen Jahren kennenlernte. In die Rolle des Ortschronisten - früher eine der traditionellen Aufgaben der Dorflehrer - sei er nach seiner Pensionierung hineingewachsen. „Das bot sich an, weil zu der Zeit die Grundschulen in den Dörfern aufgelöst wurden.“ Der inzwischen verstorbene Stadthistoriker Gerhard Brökel habe ihn „in vielerlei Hinsicht auf die Spur gebracht“ und wertvolle Tipps gegeben. 

Mit dem Drucker Franz Josef Kemmerling „bastelte“ er vor 37 Jahren seine erste Ausgabe der Briloner Chroniken, Rudolf Thiele, damals Marketingleiter der Volksbank, half ihm beim Vertrieb. Durch diese Arbeit habe er „unzählige Leute in der Stadt und den Dörfern“ kennengelernt, was ihm auch bei seinen späteren Ideen sehr hilfreich war und ihm Fördermitgliedschaften in zahlreichen Vereinen einbrachte. 

Vernetzung war für Dickel immer ein wichtiges Stichwort. Sie funktioniert bei Brilon natürlich, in der Bürgerstiftung, im Geopark Grenzwelten, beim Arbeitskreis aller Heimats- und Geschichtsvereine des Altkreises sowie bei der Erforschung alter Handelswege. Ein guter Draht zu Wirtschaft, Politik und Verwaltung war zudem immer hilfreich. 

"Ein erhebliches Stück des Verdienstordens gehört euch"

Schließlich ging Dickel auf die Arbeit im Museum ein, sprach über Erfolge, erklärte aber auch, dass die Arbeit nicht weniger werde. So sei man dabei, die geologische Abteilung mit Leadermitteln zu „ertüchtigen“. An sein Team gewandt, betonte der Geehrte: „Ein erhebliches Stück des Verdienstordens gehört Euch.“ Sein Dank gehörte vor allem jenen, die er als seine Freunde bezeichnete, denn, wie er bekannte: „Wer keine Freunde hat, hat schon verloren.“ Winfried Dickel schloss mit den Worten: „Die Ordensverleihung hat viele Väter, sie hat aber ganz bestimmt eine Mutter: Danke Loni!“ und meint damit die zertifizierte Natur- und Landschaftsführerin Apollonia Held-Wiese, die zum Museumsteam gehört.

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