„So schnell gebe ich nicht auf“

Vor Aufstellungsversammlung der HSK-CDU: Patrick Sensburg gibt sich kämpferisch

Sieht sich als „Teamplayer“ und will den Generationenwandel in der CDU in der Nach-Merkel-Ära mitgestalten: Der amtierende heimische Bundestagsabgeordnete Prof. Dr. Patrick Sensburg.
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Sieht sich als „Teamplayer“ und will den Generationenwechsel in der CDU in der Nach-Merkel-Ära aktiv mitgestalten: Der amtierende heimische Bundestagsabgeordnete Prof. Dr. Patrick Sensburg.

Auf ihn werden am Samstag, 17. April, nicht nur kreisweit viele Augen gerichtet sein: Bei der Delegierten-Aufstellungsversammlung der HSK-CDU tritt der amtierende Bundestagsabgeordnete Patrick Sensburg in einer Kampfabstimmung gegen seinen Herausforderer Friedrich Merz um die CDU-Kandidatur bei der Bundestagswahl im September an.

Hochsauerland – Im Gespräch mit Kurier-Redakteur Lars Lenneper gibt der 49-jährige Briloner Einblicke in seinen aktuellen Alltag, seine Ziele auf Kreis- und Bundesebene und seine Erfolgschancen im Duell mit Widersacher Friedrich Merz, der ebenfalls in einem ausführlichen Interview Rede und Antwort stand.

Herr Sensburg, eine Woche vor dem großen „Showdown“ – wie sieht ihr Alltag zurzeit aus? 
Patrick Sensburg: Mein Terminkalender ist gut gefüllt. Ich bin natürlich sehr viel im Sauerland unterwegs, wobei sich Live-Termine und Vor-Ort-Besichtigungen zumeist mit Videokonferenzen und virtuellen Meetings abwechseln. Viele dieser Veranstaltungen waren ohnehin schon geplant, noch bevor Friedrich Merz seine Gedanken zu einer Kampfkandidatur geäußert hat – jetzt ist mein Terminkalender eben doppelt so voll.
Dreht sich dabei alles nur um Corona oder was bewegt die Menschen im Sauerland aktuell?
Die Corona-Pandemie ist sicherlich das alles bewegende Thema zurzeit. Ich bekomme jeden Tag eine Masse an Briefen und Anfragen, die sich mit Öffnungsperspektiven, Unterstützungshilfen und Impfstoffbeschaffung beschäftigen. Auch bei den vielen Vor-Ort-Terminen etwa bei Besuchen von Friseursalons oder Gastronomiebetrieben landet man zwangsläufig immer wieder bei den Sorgen und Nöten rund um Corona.
Die Bundesregierung steht für Ihren Corona-Kurs massiv in der Kritik. Spüren Sie das auch vor Ort?
Ja, die Kritik an dem Hin und Her in der Bewältigung der Corona-Krise ist deutlich vernehmbar. Manche Parteien machen sich allerdings auch einen schlanken Fuß, beispielsweise die SPD. Dort weiß man offensichtlich teilweise gar nicht, dass man noch mit an der Regierung ist und die ganzen Beschlüsse mitbestimmt, von denen man hinterher gar nichts mehr wissen will. Bei aller Unzufriedenheit, die ich durchaus verstehen kann, versuche ich aber auch immer zu erklären, dass vieles vernünftig läuft. Im europäischen Vergleich weisen die Nachbarstaaten deutlich höhere Inzidenzwerte oder ein geringeres Wirtschaftswachstum auf. Ich bin überzeugt davon, dass der Kampf gegen die Pandemie mit dem Impfen durch die Hausärzte bei uns zügig voranschreiten wird, wir schnell wieder Tritt fassen und der volkswirtschaftliche Schaden insgesamt nicht so groß ausfallen wird, wie viele befürchten. Bestimmte Branchen wie die Gastronomie, Hotellerie, die Veranstaltungs- oder vor allem die Reisebranche benötigen mehr und bessere Unterstützung, aber im Großen Ganzen werden wir mit einer stabiler Wirtschaftslage in einen neuen Aufschwung gehen. 
Muss dafür zuvor nochmal ein bundesweiter Lockdown her oder reicht die bisherige Notbremsen-Regelung aus?
Ich finde, dass man weiter mit der Notbremse reagieren und agieren sollte. Dass mehr Tests auch zugleich höhere Fallzahlen mit sich bringen, ist ja letztlich ein Teil der Ehrlichkeit, weil so die Dunkel-bzw. Grauzone sichtbar wird – und das ist gut so. Die Inzidenz liegt derzeit bei knapp über 100, auch die Situation bei den Intensivpatienten ist meiner Meinung nach aktuell gut zu bewältigen. Wir sollten also nicht panisch werden, selbst wenn die Inzidenz nochmal auf 150 oder 170 hochgeht.
Aber ist es angesichts der aktuellen Lage wirklich zu rechtfertigen, dass mit Schmallenberg und Winterberg zwei Kommunen aus dem HSK als sogenannte Modellregion für Öffnungen vorgesehen sind?
Ja, man sollte das versuchen. Corona ist auch morgen noch nicht vorbei, und wer im Bereich Modellregion das ein oder andere lernt, der kann das auch in die Zukunft weitertragen. Das Entscheidende wird sein, Leben und Wirtschaft wieder zu ermöglichen und nicht, möglichst viel möglichst schnell wieder dicht zu machen.
Abgesehen von Corona, welche Themen für den HSK stehen noch auf Ihrer Agenda?
Der Breitbandausbau ist sicherlich immer ein Thema. Eine wirtschaftlich derart gut aufgestellte Region wie das Sauerland muss auch Spitze in der Digitalisierung sein. In den letzten Jahren hat sich diesbezüglich aber wirklich viel getan. Als ich 2009 in den Bundestag kam, war das Sauerland weitestgehend abgehängt, was schnelles Internet betrifft. Auch die generelle Verbesserung der Infrastruktur ist schon lange eines meiner Leitziele.
Können Sie dies konkretisieren? 
Nehmen wir das Beispiel der A46/B7n. Im östlichen Teil des Sauerlands stehen wir derzeit vor der Aufgabe, einen regionalen Konsens in der Linienbestimmung zu finden, der auch den Interessen der Menschen in der Region bestmöglich gerecht wird. Auch im westlichen Teil hat der Bund noch einmal deutlich gemacht, dass er den Lückenschluss zwischen Iserlohn und Neheim schaffen will. Auch hier müssen wir vorankommen. Die Gelder des Bundes sind da – es scheitert also nicht am Willen oder an den Finanzmitteln. Aber auch der Ausbau der Schieneninfrastruktur ist wichtig. Nicht zuletzt die Blockade des Suez-Kanals hat gezeigt, wie viele Güter auf die Schiene verlegt werden. Die Anbindung und Nutzung des Güterverkehrs im Sauerland ist deshalb ein ganz wesentlicher Punkt. Das betrifft aber natürlich auch den Personenverkehr. Meine Mutter beispielsweise ist 79 Jahre alt, irgendwann wird sie kein Auto mehr fahren, will aber weiter mobil bleiben. Deshalb müssen wir in der Region auch im ÖPNV Optionen bereithalten, um der alternden Gesellschaft weiterhin Mobilität garantieren zu können.
Abgesehen von den inhaltlichen Themen: Was spricht noch für Sie als Kandidaten? 
Einmal die Zukunft: Ich möchte meine Arbeit der vergangenen Jahre für den HSK gerne fortführen. Wir werden im Herbst nicht nur einen Wechsel im Kanzleramt erleben, sondern auch innerhalb der Unionsfraktion steht ein Generationenwechsel an. Hier gibt es eine ganze Reihe von jüngeren Abgeordneten, die sich in den vergangenen Jahren intensiv in die Themen eingearbeitet haben und die nun bereit stehen um mehr Verantwortung für unser Land und die Union zu übernehmen und neue Impulse zu setzen, und da zähle auch ich mich zu. Wir müssen die CDU neu und nach vorne ausrichten. Das müssen wir mit einem Angebot schaffen, was auch die Gesellschaft wahrnimmt, denn wir wollen ja Volkspartei bleiben. Zudem bin ich ein Teamplayer, der sowohl gerne und gut mit den Fraktionen, Bürgermeistern oder auch dem Landrat im HSK, als auch mit unserem Vorsitzenden Armin Laschet oder der CDU/CSU-Fraktion in Berlin zusammenarbeitet.
Und welche Argumente sprechen für Friedrich Merz?
Das müssen andere entscheiden. Da halte ich mich zurück. Jeder, auch gerade die Delegierten machen sich natürlich schon ihre Gedanken, welche Argumente für den einen Kandidaten sprechen, welche für den anderen, was vielleicht die individuellen Beweggründe sind. Ich für meinen Teil habe noch unheimlich viele Ideen, Vorstellungen und Ziele, die ich für den HSK umsetzen und bewegen will. Von daher würde ich mich freuen, wenn ich an meine Arbeit anknüpfen kann. Das ist mein Beweggrund. Ich glaube, ich habe das die letzten Jahre gut gemacht, es hat sich viel verbessert, es gibt aber noch viel zu tun.
Sie halten sich öffentlich überhaupt auffällig mit Aussagen zu Ihrem Herausforderer zurück. Dabei hat dessen Nominierung ja schon ordentlich Staub aufgewirbelt. Hat sich Ihr Verhältnis zu Friedrich Merz nicht verändert? 
Nein, man muss in der Politik nach vorne schauen. In der Demokratie ist es nun einmal so, dass es auch mal mehrere Kandidaten geben kann. Auch Bernd Schulte wäre ein gutes Angebot für eine starke CDU im Hochsauerlandkreis gewesen. Nun müssen die Delegierten entscheiden, was für unseren Wahlkreis die beste der beiden bestehenden Alternativen ist. Es geht nicht um den Bundesvorsitz oder die Frage einer potenziellen Kanzlerkandidatur, es geht um den Abgeordneten für den HSK – das muss entschieden werden. Es geht einzig und allein darum, wer sich am besten vor Ort um die Belange der Bürgerinnen und Bürger kümmert und diese in Berlin vertritt.
Und da sehen Sie sich in der Pole Position?
Zurzeit lässt es sich ganz schwer sagen, wer am Ende gewinnen wird. Für beide Kandidaten gibt es Sympathisanten und Unterstützer in der Region. Es wird mit Sicherheit auch noch auf die Reden bei der Delegiertenversammlung selbst ankommen. Zurzeit würde ich jedenfalls keine Wette auf einen Sieger abschließen. Ich hoffe aber natürlich, dass ich es schließlich sein werde.
Was passiert, wenn Sie es am Ende nicht werden?
Darüber denke ich nicht nach. Ich habe keine Gedanken an einen Plan B, ich nutze lieber die Zeit, um alles dafür zu tun, dass Plan A klappt und ich mir dann ab 17. April Gedanken um einen vernünftigen Wahlkampf machen kann. Denn das kommt gerade viel zu kurz. Wir beschäftigen uns derzeit viel zu sehr mit uns, dabei haben wir schon Mitte April. Die Zeit drängt. 
Hand aufs Herz: Gab es zwischendurch mal einen Gedanken daran, die Kandidatur zurückzuziehen?
Nein, den gab es nicht. Wenn man so ein Amt ausüben will, muss man fest zu seinen Entscheidungen stehen. Ich hatte schon im Januar deutlich vor der Merz-Ankündigung gesagt, dass ich wieder für den Bundestag kandidieren möchte. Mir macht die Aufgabe wirklich Freude und viele wissen, dass ich mich entschlossen für die Sache einsetze. So schnell gebe ich nicht auf!

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