Interview zum neuen Roman

Heimische Bestseller-Autorin schreibt gerne über Männer, "die nicht immer wissen, wo es lang geht"

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Bestseller-Autorin Lisa Keil aus Ense veröffentlicht am 25. März ihren neuen Roman "Hin und nicht weg".

Die Vorzeichen für die Veröffentlichung von Lisa Keils zweitem Roman haben sich in wenigen Tagen völlig verändert. Eigentlich wollte die 40-Jährige ihr Buch „Hin und nicht weg“ auf der Leipziger Buchmesse vorstellen. Doch die wurde wegen des Coronavirus genauso abgesagt wie einige Lesungen.

Doch auf ihrer Facebookseite schreibt Keil, „dass es im Moment Wichtigeres gibt als ihre geplatzten Autorenplänchen“. Im Interview mit unserer Redaktion sprach die Tierärztin über ihre Leidenschaft fürs Schreiben, die Schublade „Frauenroman“ und über „spannende Männerfiguren“. Am Ende des Gesprächs richtete sie noch einen Appell an ihre Leser: Der örtliche Buchhandel müsse zwar seine Läden schließen, böte im Internet aber fast immer einen Lieferservice an. „Und er hat die Unterstützung jetzt dringend nötig.“

Das Cover ihres neuen Buches ist in Pastelltönen gehalten. Zu sehen sind Blumen, ein Paar mit Hund und ein grasendes Pferd. Als Mann im Buchladen würde ich es wohl links liegen lassen. Warum sollte ich trotzdem zugreifen?
Ich liebe dieses Cover und wir erreichen so die Hauptzielgruppe. Das sind nun mal vor allem Leserinnen, die eine frühlingshafte, locker-leichte Liebesgeschichte lesen möchten. Wenn wir die erreichen und sie beim Lesen etwas überraschen können, ist schon viel gewonnen. Als Feedback zum ersten Roman haben mir viele gesagt: „Ich lese normalerweise keine Liebesromane, aber das hat mir gut gefallen.“ Das hat vielleicht auch mit dem Perspektivwechsel zu tun. In beiden Büchern lasse ich Frau und Mann abwechselnd aus ihrer Sicht erzählen. Außerdem war es mir wichtig, dass meine Männerfiguren sich von denen im klassischen Frauenroman unterscheiden. Das spricht dann vielleicht auch männliche Leser an. 

Was macht denn eine gute Männerfigur aus?
Im klassischen Frauenroman sind die Männerfiguren immer der coole Typ, der Badguy, der sehr viel Geld hat, super aussieht und gut riecht, aber sonst eher flach bleibt. Ich habe mich immer gefragt: Wäre das wirklich der Typ Mann, den wir Frauen uns im echten Leben wünschen? Ich möchte über Männerfiguren schreiben, die nicht immer wissen, wo es lang geht, die eine gewisse Weichheit haben, aber nicht gleich wie Weicheier wirken. 

Im Klappentext ist von Rob Schürmann, die Rede. Einem Tierarzt, dem die Frauenherzen zufliegen. Das klingt aber schon sehr nach klassischem Klischee à la Rosamunde Pilcher.
Sie wollen mir die ganze Zeit aus dieser Schublade „Frauenroman“ heraushelfen. Aber ich habe aufgehört, mich dagegen zu wehren. Es ist doch schade, dass wir der positiven Darstellung von Liebe in Romanen häufig mit einem abwertenden Gefühl begegnen. In der großen Literatur muss Liebe immer tragisch enden. Dabei geht es doch darum, dass man dieses Gefühl des ersten Verliebtseins, das man im Idealfall einer glücklichen und langen Partnerschaft ja gar nicht so oft erlebt, trotzdem noch mal fühlen kann. Dass man beim Lesen dieses Bauchkribbeln und Herzflattern miterlebt. 

Wie ist die Idee für Ihr zweites Buch entstanden? 
Als ich den ersten Roman geschrieben hatte, wussste ich ja noch nicht, was passieren würde. Dass ich einen Vertrag bei einem Verlag bekomme und das Buch ein Bestseller wird, war so weit weg. Aber beim Schreiben habe ich gemerkt, das gefällt mir, das will ich nicht mehr lassen, das soll ein Teil meines Lebens bleiben. Ich brauche ein neues Projekt. Der Tierarzt Rob Schürmann war die einzige Figur, die ich in meinem ersten Buch sehr unglücklich zurückgelassen hatte. Ich mochte die Figur sehr und bei meinen Testleserinnen war sie auch sehr beliebt. So wurde aus der Nebenfigur des ersten die Hauptfigur des zweiten Romans. 

Sie sind selber Tierärztin. Wie viele von ihren eigenen Erfahrungen stecken in dem Roman?
Das Tierarztleben bietet so viele Geschichten, dass ich mir da nichts ausdenken musste. Alle Fälle sind so passiert oder könnten so passieren. In meinem letzten Roman wurden auch zwei Rollen vergeben, auf die sich die Leserinnen mit ihrem Haus- oder Hoftier für einen Gastauftritt im neuen Roman bewerben konnten. Gewonnen haben das Huhn Petronella und Hund Teddy. Ich habe lange mit den Besitzerinnen gesprochen und dann eine ganz eigene Szene mit ihnen und ihren Tieren verfasst. 

Der Roman spielt wieder im beschaulichen Neuberg. Wie viel Ense steckt in den Geschichten?
Neuberg ist eine Mischung aus ganz vielen Orten, die ich kenne. Aber wie Ense ist Neuberg kein Kuhdorf und auch keine Kleinstadt. Und ich habe mich schon immer gefragt, warum Liebesromane immer nur am sandigen Strand oder in einer Weltmetropole spielen müssen. Warum nicht auch mal in einem „Kaff“ wie meine Wahlheimat Ense. Ich liebe das Leben in einem mittelkleinen Ort und ich denke, damit bin ich nicht allein. 

Wie hat sich das Schreiben im Vergleich zum ersten Buch angefühlt? Haben Sie mehr Druck verspürt?
Auf jeden Fall. Beim ersten Buch gab es ja keinen Abgabetermin. Ich hatte keine Ahnung, ob ich das nochmal schaffe. Und natürlich hatte ich beim Schreiben des ersten Buchs das Handwerk gelernt. Das hat mir geholfen, ich musste aber auch lernen, den Text weiter aus Bauch und Herz fließen zu lassen, um meinen ganz eigenen Ton nicht zu verlieren. 

Von Ihrem Erstling wurden etwa 50 000 Bücher verkauft. Was bedeutet Ihnen diese Zahl?
Die Zahl ist mir tatsächlich gar nicht so wichtig. Vielleicht auch, weil ich vom Schreiben nicht leben muss. Aber ich weiß natürlich, dass das für den Verlag eine Bedeutung hat, der in mich als Debütantin Zeit und Arbeit investiert hat. Was mich persönlich viel mehr berührt, sind die Reaktionen einzelner Leser. Wenn mir zum Beispiel eine junge Frau schreibt, dass der Roman ihr im Krankenhaus eine Auszeit geschenkt hat. Oder wenn die Hauptfigur eine Frau dazu inspiriert hat, selbst mutiger zu werden. Oder wenn Opa Arthur mit seinen 83 Jahren, der eigentlich nur die Sportbild liest, so begeistert von dem Buch ist, dass er schon auf das zweite wartet. 

Was kommt als nächstes, gibt es schon ein neues Projekt?
Nach dem Buch ist vor dem Buch. Ich schreibe gerade am dritten Roman der Neuberg-Reihe. Wie es danach weitergeht, wird sich zeigen. Schließlich hält das Leben wie ein guter Roman immer Überraschungen bereit.

Zum Inhalt
Rob Schürmann ist als Tierarzt Tag und Nacht im Einsatz, und die Herzen der Tierbesitzerinnen fliegen ihm zu. Er will nur eine, aber die heiratet einen anderen. Anabel aus Berlin tritt den Aushilfsjob in der Praxis Schürmann mit gemischten Gefühlen an. Schließlich passt sie mit ihren Tattoos und ihrem selbstbewussten Auftreten nicht ins beschauliche Neuberg und schon gar nicht an die Seite des charmanten Tierarztes. Zwischen Hufverbänden und Pfotenoperationen geraten die beiden immer wieder aneinander. Und kommen sich näher. Doch plötzlich steht ein dramatischer Notfall zwischen ihnen und ändert alles.

Das Buch erscheint am Mittwoch, 25. März, im S. Fischer Verlag und kostet 10,99 Euro. ISBN: 978-3-596-70398-2.

Quelle: Soester Anzeiger

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