Zum 30. Juni

Berghof Schleimer in Ense-Höingen schließt seine Pforten

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Die Gäste müssen Abschied nehmen vom Berghof Schleimer am Hohlberg.

Höingen – Die Stammgäste wussten es schon länger. Aber nicht nur für sie ist diese Nachricht von Bedeutung: Der Berghof Schleimer in Höingen schließt seine Pforten. Zum 30. Juni wollen Lambertus und Beatrix Schleimer ihre Kaffeewirtschaft am Hohlberg einstellen.

„Dann sind wir beide zusammen 130 Jahre alt und irgendwann muss ja doch Schluss sein“, haben sich die beiden den Entschluss nicht leicht gemacht. Sechs Tage in der Woche waren beide für ihre Gäste da, kümmerten sich mit Unterstützung aus der Familie um durstige Paare sowie große und kleine Gruppen. Jetzt arbeitet man auf den Eintritt in den Ruhestand hin, hat bereits erste Pläne für die Zeit danach geschmiedet. 

Immerhin fast 50 Jahre war der „Berghof“ Anlaufstelle für Gäste aus der näheren und weiteren Umgebung. Die erste Konzession, so erinnern sich die beiden, wurde zu einer Maifeier am 1. Mai 1972 ausgestellt. Vor allem viele Wandergruppen aus Neheim stärkten sich in den nächsten Jahren nach ihrem Marsch durch die Höinger Heide mit den von Beatrix selbst gemachten Torten. Aber auch Autokennzeichen aus dem Hammer Raum fanden sich regelmäßig auf dem Parkplatz. 

Gegründet wurde das Café von Franz und Margret Schleimer auf ihrem Aussiedlerhof mit Blick über Niederense ins Möhnetal. Im Zuge der Umstellung von einem Vollerwerbsbetrieb auf den Nebenerwerb hatten die Eltern von Lambertus Schleimer hier zur Sicherung des Hofes ein neues Betätigungsfeld gesucht. 

Zunächst nur als Einkehrmöglichkeit für die Enser gedacht, hatte sich das Projekt bis 1976 so gut entwickelt, dass zur Erweiterung eine Terrasse überdacht wurde. Zwei Fremdenzimmer, in denen Gäste aus dem Ruhrgebiet beherbergt wurden, gab man in diesem Zuge auf. Die Auflagen für Ferien auf dem Bauernhof waren für den Familienbetrieb zu hoch geworden – dafür ergänzten „Hausmacher-Schnittchen“ in vielen Variationen das Angebot bis in den frühen Abend. 

Coronavirus verdirbt den Abschied

 Eigentlich hatte sich das Ehepaar auf diese letzten Wochen im „Berghof“ bis zum Frühsommer gefreut, auch um sich von ihren Stammgästen zu verabschieden. Das Coronavirus mit den behördlich angeordneten Schließungen macht ihnen jetzt vorerst einen Strich durch diese Rechnung. Aber man hofft, wenn auch unter Auflagen, eventuell im Mai und Juni noch einmal öffnen zu können. 

So oder so ist gibt es aber vom 1. Juli an kein „Und zum Abschluss Kaffee bei Schleimers“ mehr. Und damit verlieren nicht nur die Höinger und Enser einen weiteren Ort der Begegnung und des gemütlichen Beisammenseins. Es geht auch ein Stück traditioneller Gastlichkeit verloren.

von Ulrich Gretenkort

Quelle: Soester Anzeiger

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