1. SauerlandKurier
  2. HSK
  3. Ense

NTG aus Ense-Höingen zahlt Philippinos 45.000 Euro

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Detlev Stute

Kommentare

null
Die Firma NTG will – obwohl sie nach eigenen Aussagen keine vertraglichen Versäumnisse mit Blick auf die Firma Beier begangen hat – zukünftig noch intensiver aufpassen, damit sich derartige Vorkommnisse nicht wiederholen. © Stute

Höingen – Die Firma NTG hat für acht philippinische Lkw-Fahrer, die im vergangenen Jahr in Höingen gestrandet und von Lohndumping betroffen waren, eine Lohnnachzahlung in Höhe von 45.000 Euro gezahlt.

Allerdings habe sich das Unternehmen „allein aus humanitären und sozialen Gesichtspunkten“ dazu bereit erklärt. Das Geld sei dem DGB Rechtsschutz im Zuge eines Vergleichs zur Verfügung gestellt worden, um dies „entsprechend der geltend gemachten Lohnansprüche an die philippinischen Fahrer aufzuteilen."

Das geht aus einer Stellungnahme der Anwaltskanzlei Sychla und Sychla aus Xanten für unsere Redaktion hervor. Sie vertritt die Interessen von NTG.

Der Fall der Philippinos, die über die dänische Firma Beier nach Europa gelockt worden waren, war im November 2018 aufgeflogen. Zeitweise hatten die Männer unter unwürdigen Bedingungen im Freien campieren müssen. Später waren sie in Flüchtlingsunterkünften in Ense untergebracht worden.

"Zu keinem Zeitpunkt Arbeitgeber dieser Lkw-Fahrer"

Wobei NTG in der Stellungnahme deutlich macht, dass man „zu keinem Zeitpunkt Arbeitgeber dieser Lkw-Fahrer“ war. „Beschäftigt waren diese bei einem Auftragnehmer der Firma NTG, der Firma Kurt Beier mit Sitz in Dänemark. Diese hatte wiederum Subunternehmer aus Polen und der Ukraine eingeschaltet“, heißt es. 

Und: Die Kurt Beier Transport A/S habe „mit Beginn der Zusammenarbeit mit der NTG eine umfängliche Verpflichtungserklärung zur Beachtung des Mindestlohngesetzes sowie des Arbeitnehmerentsendungsgesetzes gegengezeichnet“, führt die Anwaltskanzler aus. Insoweit „war und ist streitig, ob und inwieweit die NTG im Rahmen ihrer Transportverträge für Vergütungsansprüche nach dem Mindestlohngesetz haftet.“

Dauer der Beschäftigung als Richtschnur

Die geleisteten Zahlungen seien dabei das Ergebnis von Verhandlungen des Höinger Spediteurs mit der DGB Rechtsschutz GmbH in Dresden im Februar, die acht der sich noch in Ense aufhaltenden LKW-Fahrer vertrat. 

Die Beträge für die Betroffenen – zwischen fünfmal 3.000 Euro, zweimal 6.000 Euro und einmal 18.000 Euro – seien anteilig an die acht Mitarbeiter verteilt und ausgezahlt worden. Dabei galt als Richtschnur die Dauer der Beschäftigung. 

Der DGB Rechtsschutz habe nach der vereinbarten außergerichtlichen Lösung die philippinischen Lkw-Fahrer aufgefordert, Konten in ihren Heimatländern zu eröffnen. Auf diese seien die Gelder dann eingezahlt worden.

Keine Veranlassung gesehen, in die Öffentlichkeit zu gehen

Danach, so die Kanzlei Sychla und Sychla, sei die „Sache sowohl für die DGB-Rechtsschutz GmbH als auch für die NTG erledigt und mithin Ende April 2019 abgeschlossen“ gewesen. 

Das Höinger Speditionsunternehmen habe nach dem außergerichtlichen Vergleich keine Veranlassung gesehen, in die Öffentlichkeit zu gehen, so die Ergänzung von Wolfgang Sychla im Gespräch mit unserer Redaktion. 

Zukünftig sicher noch intensiver aufpassen

Abschließend weisen die Rechtsanwälte noch darauf hin, „dass selbst im Ansatz gegenüber unserer Partei strafrechtliche Ermittlungen nicht aufgenommen worden sind, die insoweit ausgesprochenen Vermutungen sind schlichtweg falsch. 

Ob und inwieweit gegen die Firma Kurt Beier und deren Tochtergesellschaft ermittelt wurde, kann nicht beurteilt werden.“ 

Mit Blick auf die Frage, wie man bei NTG zukünftig solche Vorkommnisse vermeiden wolle und könne, erklärte Wolfgang Sychla, dass NTG keine vertraglichen Versäumnisse mit Blick auf die Firma Beier begangen habe. Dennoch werde man zukünftig sicher noch intensiver aufpassen, so der Jurist gegenüber dem Anzeiger.

Lesen Sie zum Thema auch:

Philippinische Lkw-Fahrer haben Lohnnachzahlung erhalten

Höinger Unternehmen weist Vorwürfe wegen philippinischer Lkw-Fahrer zurück

Auch interessant

Kommentare