„In Ense ist kein Platz für Ausländerfeindlichkeit und Intoleranz“

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Über 250 Enser gingen am Sonntag auf die Straße, um ihre Solidarität mit den Flüchtlingen und den bisherigen Entscheidungen von Politik und Verwaltung zum Ausdruck zu bringen

BREMEN - „Wir wollen unsere Flüchtlinge in unserer Gemeinde willkommen heißen und sie integrieren. In Ense ist kein Platz für Ausländerfeindlichkeit und Intoleranz. Deshalb ist es mir wichtig, dass wir heute hier zusammengekommen sind, um ein gemeinsames, deutliches Zeichen zu setzen für ein friedliches Ense, in dem sich alle Menschen mit Respekt begegnen.“ Und dass Vize-Bürgermeister Klaus Osterhaus mit dieser Einschätzung und diesem Appell nicht allein stand, das verdeutlichte der unüberhörbare Applaus der mehr als 250 Enser, die sich am Sonntag vor dem Rathaus versammelt hatten, um unter dem Slogan „Ense ist bunt“ ihre Solidarität mit den Flüchtlingen und den bisherigen Entscheidungen von Politik und Verwaltung zum Ausdruck zu bringen.

Dabei wertete Daniel Keil, Sprecher der Bürgerinitiative „Flüchtlinge werden Nachbarn in Ense“, die gemeinsam mit der Gemeinde zu der Veranstaltung am Vormittag in der Ortsmitte aufgerufen hatte, die große Beteiligung in seiner Ansprache als „ein tolles Signal“: und zwar sowohl in Richtung der Flüchtlinge, denen so gezeigt werde, dass sie sich „nicht ängstigen müssen“ als auch in Richtung der zahlreichen Helfer aus den verschiedenen Organisationen, die „diesen Rückhalt brauchen“. 

Gleichzeitig warb er zudem um einen Dialog mit all jenen, die der gegenwärtigen Flüchtlingssituation und -politik kritisch gegenüberständen. Denn nur so sei es möglich, Lösungen zu finden. Von daher, so Daniel Keil, solle die Veranstaltung vor dem Rathaus auch die Möglichkeit zum Gespräch bieten. Störungen der Kundgebung blieben dabei aus, lediglich für vereinzelt aufgehängte Plakate interessierte sich auch die Polizei.

Flüchtlingskundgebung "Ense ist bunt"

Vize-Bürgermeister Klaus Osterhaus (CDU) machte in seiner Ansprache dabei deutlich, dass Ense trotz aller „finanziellen Aufwendungen“ für eine „menschenwürdige Unterbringung“ der Flüchtlinge sowie der unsicheren Mitfinanzierung durch das Land und die nicht einzuschätzende Zahl weiterer Flüchtlinge sicher sein könne: „Wir wollen und werden damit klarkommen.“ Jedoch sei es nur das eine, für die äußeren Rahmenbedingungen zu sorgen und ein solches Bekenntnis abzugeben. Die andere Seite sei die individuelle Hilfe für die Flüchtlinge, die angesichts der ehrenamtlichen Begleiter in Ense „geradezu vorbildlich“ erfolge. „Der Name der BI ‘Flüchtlinge werden Nachbarn in Ense’ ist für unsere Gemeinde Programm“, so Klaus Osterhaus.

Allerdings gebe es „einige wenige, die – aus welchen Gründen auch immer – den Flüchtlingen ablehnend gegenüberstehen.“ Oft ständen dahinter Ängste, die „man nicht einfach beiseite schieben kann, sondern die sehr ernst genommen und besprochen werden müssen“, so Klaus Osterhaus. Insofern wiederholte auch er die schon von Bürgermeister Hubert Wegener ausgesprochene Einladung zum Dialog. Den aber könne es nur geben, „wenn alle Beteiligten ihren grundsätzlichen Willen zu einer Lösung bekunden. Nur dann kann es gelingen, Ressentiments und Vorurteile abzubauen.“

Allerdings fand er deutliche Worte zu jenem Anschlag auf die Flüchtlingsunterkunft, die Auslöser für die Veranstaltung am Sonntag gewesen ist: „Wer feige Schüsse aus dem Hinterhalt auf ein Haus abgibt, in dem sich Menschen, Familien mit kleinen Kindern aufhalten, die gerade dem Terror entflohen sind und die von den Kriegsereignissen in ihrer Heimat zum Teil stark traumatisiert sind, der ist verachtenswert. Dabei ist es unerheblich, ob die Schüsse den Menschen oder dem Objekt gegolten haben. Mir steht es nicht zu, zu verurteilen, das ist die Sache der Gerichte. Ich schäme mich nur für den- oder diejenige, die sich zu einer solchen widerwärtigen Tat haben hinreißen lassen“.

„Wir alle hier sind das Gesicht, das wirkliche Gesicht der Gemeinde Ense, und darauf können wir stolz sein“, beendete Klaus Osterhaus seine Ansprache auf den Rathaus-Stufen unter starkem Beifall.

Quelle: Soester Anzeiger

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