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Ortskräfte aus Afghanistan finden neue Heimat

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Von: Philip Maack

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Ortskräfte und ihre Familien fliehen aus Afghanistan
Ortskräfte und ihre Familien fliehen aus Afghanistan © Marc Tessensohn

Kurzfristig hat die Gemeinde ehemalige Ortskräfte aus Afghanistan zugewiesen bekommen. Die sollen schon bald da sein. Doch sie werden wohl nicht die letzten Flüchtlinge in Ense sein.

Ense – Die Gemeinde Ense nimmt Ortskräfte aus Afghanistan auf. Das hat die Verwaltung am Mittwochmorgen mitgeteilt.

Zwei sechsköpfige Familien sind Ense von der Landesregierung zugewiesen worden.

Die Ortskräfte haben der Bundeswehr geholfen

„Normalerweise bekommen wir immer zwei Wochen vorher Bescheid, wenn wir jemanden aufnehmen sollen“, sagt Dennis Schröder, Beigeordneter im Rathaus. „Doch diesmal ist das alles recht kurzfristig passiert.“

Die beiden Familien sind nämlich erst am vergangenen Wochenende in Deutschland angekommen, wurden erstmal vorübergehend in einer Landesaufnahme-Einrichtung untergebracht.

Doch schon am Mittwochabend hat die Gemeinde die erste Familie in Ense erwartet. „Die zweite soll dann im Laufe der nächsten Woche kommen“, berichtet Schröder. An welchem Tag genau, ist noch nicht klar.

Als Ortskräfte werden die Einheimischen bezeichnet, die während des deutschen Afghanistan-Einsatzes für die Bundeswehr tätig waren.

Diese waren etwa als Übersetzter, Fahrer, Sicherheitskräfte oder auch Köche aktiv. Die Ortskräfte sollten den Soldaten den Kontakt zu den Afghanen erleichtern und als Vermittler auftreten.

Nach dem Truppen-Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan haben dort die Taliban wieder die Macht übernommen. Die Menschen, die als Ortskräfte gearbeitet haben, gelten für sie als Verräter.

Ihr Leben und das ihrer Familien sind in Afghanistan daher nicht mehr sicher. Aus diesem Grund gewährt die Bundesregierung diesen Menschen Asyl in Deutschland.

25 Flüchtlinge hat Ense seit Anfang Dezember aufgenommen

In Ense sind die beiden nun zugewiesenen Familien die ersten ehemaligen Ortskräfte. Doch die Auswirkungen der Entwicklung in Afghanistan hat die Gemeinde schon vor der jetzigen Aufnahme gespürt.

„Seit Anfang Dezember haben wir 25 Personen zugewiesen bekommen“, sagt Schröder. „Das ist für zwei Monate eine ganze Menge.“

Zwar habe es solche Zahlen bereits im Rahmen der sogenannten Flüchtlingskrise 2015 und 2016 in der Gemeinde gegeben, seitdem waren es allerdings nie wieder so viele.

„Die Landesregierung hat uns aber schon mitgeteilt, dass wir 2022 wieder mit mehr Menschen rechnen müssen“, meint Schröder.

Doch die vielen Flüchtlinge stellen die Gemeinde vor eine echte Herausforderung: der Wohnraum für die Aufgenommenen wird knapp. „Das ist ein riesiges Problem“, sagt Helga Brixner.

Sie ist die Vorsitzende des Vereins „Flüchtlinge werden Nachbarn“. „Gerade für Familien ist es nicht einfach, eine Wohnung in Ense zu finden.“

Ihr Verein betreut Flüchtlinge in der Gemeinde, hilft ihnen bei der Eingewöhnung in Deutschland.

Um die afghanischen Ortskräfte in Ense unterzubringen, hat die Verwaltung nun einen Aufruf gestartet.

Verein will zwar, hat aktuell aber Personalsorgen

Wer geeigneten Wohnraum für die sechsköpfigen Familien bereitstellen kann, soll sich im Rathaus melden.

„Diese Menschen werden mindestens mittelfristig hier in der Gemeinde bleiben“, erläutert Schröder. „Es sollte also keine bloße Übergangsunterkunft sein.“

Aktuell bringt Ense alle aufgenommenen Flüchtlinge erstmal in verschiedenen Häusern im Gemeindegebiet unter. Eine zentrale Einrichtung gibt es hier nicht.

Helga Brixner und ihr Verein bieten der Verwaltung ihre Hilfe im Umgang mit den Neuzugängen an. „Bisher haben wir es aber noch nicht geschafft, uns mit der Gemeinde zusammenzusetzen“, sagt Brixner.

Aufgrund der Corona-Kontaktbeschränkung ist der Verein aktuell ohnehin nur eingeschränkt aktiv. „Wir können uns ja überhaupt nicht treffen“, erklärt die Vorsitzende.

Dazu verfügt „Flüchtlinge werden Nachbarn“ nur über eine überschaubare Personalstärke. „Unsere Mitglieder haben schon einige Bezugspersonen“, sagt Brixner.

Trotzdem werde man versuchen, Kontakte zu den Ortskräften zu knüpfen. „Es gibt ja auch schon afghanische Menschen in Ense, auch Familien.“

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