Flüchtlinge: „Größte Herausforderung seit 1969“

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Für die Herrichtung eines Provisoriums im ehemaligen Edeka-Markt an der Grabenstraße in Niederense hat die Politik „grünes Licht“ gegeben.

Bremen - Bürgermeister Hubert Wegener hält die Bewältigung der Flüchtlingssituation in Ense für die „größte Herausforderung seit Gründung der Gemeinde 1969“. Die „Lage spitzt sich dramatisch zu“, so der Verwaltungschef, der nicht mehr ausschließen kann, dass bis zum Jahresende noch weitere 100 Personen aufgenommen und untergebracht werden müssen.

Derweil hat ihm die Politik „grünes Licht“ für die Herrichtung eines Provisoriums im ehemaligen Edeka-Markt an der Grabenstraße gegeben, um im Falle weiterer Zuweisungen Obdachlosigkeit vermeiden zu können. Über den kompletten Umbau der Immobilie wird allerdings erst der Rat am 1. Oktober entscheiden.

Und wie angespannt die aktuelle Situation ist, machte Bürgermeister Hubert Wegener am Donnerstagabend im bau- und Verkehrsausschuss anhand einiger Zahlen deutlich: So wurden Ense im Juni sieben, im Juli elf, im August 19 und im September bislang 26 ausländische Flüchtlinge zugewiesen. Und wenn dieser Druck anhalte, werde man bis Ende des Jahres nochmals 100 Menschen aufnehmen müssen. Aktuell sind in Bremen 37 Menschen, in Niederense 48, in Höingen 15, in Waltringen drei und in Hünningen neun Personen untergebracht. In den vorhandenen Unterkünften sind derweil noch acht Plätze frei. „Wir müssen alle an einem Strang ziehen, wenn wir diese Herausforderung bewältigen wollen“, warb Bürgermeister Hubert Wegener um Zustimmung zu den Plänen der Verwaltung. Und im Bauausschuss fiel der Appell auf fruchtbaren Boden.

Denn auch wenn auf einen formellen Beschluss zum Umbau des ehemaligen Edeka in Niederense verzichtet wurde, der erst in Ratssitzung am 1. Oktober fallen soll, so gab man der Verwaltung „grünes Licht“ für die Herrichtung eines Provisoriums auf rund 55 Quadratmetern der Immobilie, um die größte Not zu lindern und handlungsfähig zu bleiben. Wie es danach weitergehen kann, verdeutlichte Architektin Luzia Fleißig.

Und das von ihr präsentierte Konzept hält Verwaltung und Politik die Möglichkeit offen, abschnittsweise bauen und damit die insgesamt erforderlichen rund 520 000 Euro nicht auf einen Schlag ausgeben zu müssen. So wolle man nach dem Provisorium zunächst mit dem Ausbau einer Kellerwohnung beginnen, wenn erforderlich danach drei Einheiten für jeweils acht Personen im hinteren Teil des Ladenlokals herrichten. Durch die vorgesehene Bauweise könne man auf die jeweiligen Gegebenheiten flexibel reagieren. Die Wohnungen sollen dabei keinen gehobenen Standard aufweisen, sondern sich den in Ense üblichen Ausstattungen anpassen. So will man etwa den Fliesenboden im ehemaligen Edeka belassen, bei den erforderlichen Fenstern auf 1b-Ware zurückgreifen und durch einen kleinen Innenhof die nicht optimale Licht- und Belüftungssituation regeln. Auch Doppelstock-Betten seien mittlerweile durchaus üblich. Verschiedene Eingänge zu den Wohnungen wiederum sollen eine spätere Nutzung des Gebäudes für den sozialen Wohnungsbau ermöglichen.

Und in der Politik stieß das Konzept der Architektin auf einhellige Zustimmung. Sie sei „begeistert“ von den Plänen, so Grünen-Ratsfrau Dr. Stefani Konstanti. Und auch Horst Brauckmann (SPD) sagte Zustimmung zu dem Provisorium zu, zeigte sich ebenfalls angetan von der Gesamt-Idee. Georg Busemann und Hans-Georg Knaup als Sprecher der CDU-Fraktion ließen ebenfalls keinen Zweifel daran erkennen, dass ihre Ratsmannschaft dem Vorhaben zustimmen werde. Bei allem Verständnis dafür, mit dem Geld der Gemeinde verantwortungsvoll umgehen zu müssen, sei Kritik hier nicht angebracht, so Georg Busemann.

BG-Ratsherr Joseph Kettler sprach sich gegen den Kauf der Immobilie aus. FDP-Ausschussmitglied Hans Dümpelmann wollte dagegen von der Verwaltung wissen, ob angesichts der geplanten Investitionen eine solche Option bestehe, was Bürgermeister Hubert Wegener bejahte. Allerdings sei eine Entscheidung hierüber noch nicht gefallen. Zudem ließ er die Politik wissen, dass man über die Nutzung weiterer Objekte zur Unterbringung ausländischer Flüchtlinge in Verhandlungen stehe, um weitere Kapazitäten zu schaffen, ohne allerdings konkreter zu werden.

Quelle: Soester Anzeiger

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