Flüchtlingsunterkunft: Neubau alternativlos

oll besetzt war der Saal des DRK-Heims bei der Bürgerversammlung zur Flüchtlingssituation am Mittwochabend. Gut 90 Minuten informierte die Verwaltung rund um das Thema Flüchtlinge.
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oll besetzt war der Saal des DRK-Heims bei der Bürgerversammlung zur Flüchtlingssituation am Mittwochabend. Gut 90 Minuten informierte die Verwaltung rund um das Thema Flüchtlinge.

BREMEN -  Der geplante Bau einer neuen Unterkunft für ausländische Flüchtlinge auf einem gemeindeeigenen Grundstück „An der Windmühle“ in Bremen ist aus Sicht von Verwaltung und Politik alternativlos.

Alle weiteren Optionen jedenfalls seien „geprüft und mit guten Gründen verworfen worden“, bezog CDU-Ratsherr und Fraktionschef Heinrich Frieling in der Bürgerversammlung zur Flüchtlingssituation in Ense am Mittwochabend deutlich Position und erntete dafür sogar Applaus. Um gleichwohl vorhandenen Ängsten Rechnung zu tragen, wurde die Gründung eines runden Tisches vorgeschlagen.

Dabei war die Zusammenkunft, in der die Rathausspitze Rede und Antwort stand, sehr gut besucht. Denn 80 Zuhörer, unter ihnen Politiker, Vereinsvertreter und Nachbarn, sorgten für einen vollbesetzten Saal im DRK-Heim.

Wobei nach allgemeinen Informationen durch Bürgermeister Hubert Wegener zur Entwicklung der Flüchtlingszahlen der vergangenen Jahre, einer Prognose für die kommenden Monate sowie Fakten über die Betreuung, finanzielle Hintergründe und die aktuelle Unterbringungssituation die Vorstellung des geplanten Neubaus einer Unterkunft „An der Windmühle“ in Bremen folgte. Und relativ schnell kristallisierte sich heraus: bis auf sehr wenige, sehen die Enser in der Planung von Verwaltung und Politik für einen Neubau an dieser Stelle nichts, wovor man sich fürchten müsse.

„Für Angst-Szenarien besteht kein Grund“, so etwa Daniel Keil, der als Lehrer an der Conrad-von-Ense-Schule sich seit geraumer Zeit in einem Projekt mit seinen Schülern der Flüchtlings-Thematik angenommen hat. Vergleiche jedenfalls zwischen der vorgesehenen Unterkunft in Bremen und der im ehemaligen Krankenhaus in Wimbern seien unangebracht, da sich beide schon in ihrer Größenordnung wesentlich unterschieden. Eine Einschätzung, die neben anderen Rednern – wie etwa dem einstigen DRK-Vorsitzenden Christian Schwiers – auch die Sozialarbeiterin der Gemeinde Ense, Brigitte Kösling, untermauerte. So sei es bislang in den vorhandenen Unterkünften in Ense nicht zu nennenswerten Problemen gekommen. „Überall, wo wir Flüchtlinge untergebracht haben, haben wir keine der befürchteten Probleme“, so der Tenor. Und als wesentlichen Grund dafür nannte sie zum einen das Konzept der dezentralen Unterbringung, zum anderen aber vor allem die vielschichtigen Kontakte zwischen den Ensern und den Flüchtlingen, die durch diverse Initiativen entstanden seien. Als Beispiele nannte Brigitte Kösling die jüngst eingerichteten Sprachkurse für Flüchtlinge, die Vermittlung von Angeboten durch Kleiderkammer, „Warenkorb“ oder das neue Caritas-Kaufhaus in Niederense durch Privatpersonen, Kirchen, Vereinen oder Schulen. „In Ense kommt etwas in Bewegung“, zollte sie diesem ehrenamtlichen Engagement größten Respekt. Um Verständnis für die Flüchtlinge und ihre Not-Situation warb auch Ingrid Hohoff, die einen der Sprachkurse gibt: „Es muss keiner Angst haben. Dies sind Menschen wie du und ich.“

Doch auch auf die vereinzelt vorgetragene Kritik am konkreten Standort ging die Verwaltung in ihren Ausführungen detailliert ein. So lasse der bereits seit dem Jahr 2002 gültige Bebauungsplan an dieser Stelle ausdrücklich „Anlagen für kirchliche, kulturelle, soziale und gesundheitliche Zwecke“ zu, wie Enses Beigeordneter Alfred Schmidt verdeutlichte.

Hinzu komme, dass geeignete Mietobjekte nur begrenzt vorhanden seien, häufig nur mit einer begrenzten Mietdauer und relativ kurzen Kündigungsfristen. Angesichts der Zuweisung von aktuell zwei Personen pro Woche biete dies der Gemeinde keine Planungssicherheit, zumal Eigentum langfristig günstiger sei. Ausdrücklich ging Alfred Schmidt auch auf das in 2016 frei werdende Haus 1 des Sozialwerks St. Georg ein. Hier hätten Gespräche mit dem Eigentümer gezeigt, dass es andere Pläne mit der Immobilie gebe, das Gebäude jedoch auch etwa aus brandschutzrechtlichen Vorgaben nicht für eine Unterbringung von Flüchtlingen geeignet sei.

Bürgermeister Hubert Wegener verdeutlichte seinerseits, dass der geplante Neubau einer Unterkunft „An der Windmühle“ die Sicht der beschwerdeführenden Nachbarn nicht nachhaltig beeinträchtige, wie er anhand von Zeichnungen unterstrich. „Ihre Betroffenheit“, so der Verwaltungschef, „ist – wenn überhaupt – sehr gering“, hielt er jenen Nachbarn entgegen, die bereits im Anzeiger mit einer Klage gegen das Vorhaben gedroht hatten. Zumal der Bau einer Garage und die Anpflanzung von Büschen für Sichtschutz sorgen werde. Aber auch auf die Befürchtung dieser Anlieger, wonach eine Unterkunft für ausländische Flüchtlinge zur Wertminderung der eigenen Immobilie führe, ging er mit deutlichen Worten ein. „Sie werden keinen Gutachter finden, der Ihnen das bestätigt“, so Hubert Wegener.

Wie angespannt die Unterbringungssituation dabei ist und vor welchen Herausforderungen Ense steht, verdeutlichten einige aktuelle Zahlen: So sind Ense zurzeit 80 Flüchtlinge zugewiesen, wobei man bis zum Jahresende von bis zu 100 Personen ausgeht, die untergebracht werden müssen. Rein rechnerisch stehen zwar in den vorhandenen Unterkünften nur noch 17 Plätze zur Verfügung, die jedoch tatsächlich nicht für diesen Zweck genutzt werden können. Denn vorhalten müsse die Gemeinde auch Plätze für obdachlose Personen, für kurzfristige Zuweisungen und die Wiederkehr untergetauchter Frauen oder Männer. Die neue Unterkunft soll maximal 32 Personen Platz bieten und so konzipiert werden, dass das Gebäude später eine gewerbliche Folgenutzung ermögliche. Die Verweildauer der Ense zugewiesenen Flüchtlinge liege bei durchschnittlich bis zu 18 Monaten. Zwei Drittel seien alleinstehende junge Männer (gut 45 Personen), 25 bis 30 Personen wiederum lebten in einem Familienverbund. - det    ‘  Kommentar

Quelle: Soester Anzeiger

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