Nach Schüssen auf Flüchtlingsheim: Gemeinde will ein Zeichen setzen

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640 000 Euro hat die Gemeinde im vergangenen Jahr in den Bau der Flüchtlingsunterkunft „An der Windmühle“ in Bremen investiert. Die ersten Flüchtlinge zogen im November ein. Weil Unbekannte mit einer Waffe mehrfach auf das Gebäude geschossen haben, ermittelt jetzt der Staatsschutz. 

Bremen - Mit „absoluter Fassungslosigkeit“ hat die Bürgerinitiative „Flüchtlinge werden Nachbarn in Ense“ die Nachricht aufgenommen, dass Unbekannte mit einer Waffe Schüsse auf das Flüchtlingsheim „An der Windmühle“ abgegeben haben. Die Initiative und die Gemeinde haben für Hinweise, die zum Ergreifen der Täter führen, eine Belohnung ausgesetzt und wollen am Sonntag mit einer Aktion ein Zeichen setzen.

In der Stellungnahme der Bürgerinitiative (BI) heißt es: „Im friedlichen Ense, welches sich bislang immer als weltoffen, tolerant und der Menschlichkeit verpflichtet dargestellt hat, gibt es Personen, die einen feigen und hinterhältigen Anschlag auf ein Flüchtlingsheim ausgeführt haben.“ Der Staatsschutz habe mehrere Projektile sichergestellt, die unter anderem auf ein Fenster im Giebel abgefeuert wurden. „Hierbei wurde in Kauf genommen, dass Menschen verletzt oder gar getötet werden.“ Die Initiative schreibt von „mindestens fünf Schüssen“. Die Polizeipressestelle in Dortmund, die zu den Fällen des Staatsschutzes Auskunft gibt, wollte das auf Anfrage nicht bestätigen. Zur Zahl der Schüsse, der Art der Munition und der verwendeten Waffe, könne er zurzeit keine Angaben machen, sagte Polizeisprecher Kim Freigang. Auch neue Hinweise zum Tatzeitpunkt oder zu Verbindungen mit den Hakenkreuz-Schmierereien im vergangenen Jahr lägen derzeit nicht vor: „Wir stehen noch am Anfang und ermitteln ergebnisoffen in alle Richtungen“, sagte Freigang. Die Kreispolizei in Soest sieht in den entdeckten Schussspuren zurzeit keinen Anlass, mit besonderen Maßnahmen zu reagieren. Bereits jetzt würden Flüchtlingsunterkünfte regelmäßig von Polizeistreifen in den Blick genommen, sagte Polizeisprecher Frank Meiske.

In dem attackierten Flüchtlingsheim lebten Kinder und Erwachsene, die in Kriegsgebieten und auf der Flucht zum Teil traumatische Erlebnisse hatten, schreibt die BI. „Es wurde nicht einfach nur auf ein Haus oder ein Fenster geschossen; hier wurde gezielt auf die Menschlichkeit geschossen. Es wurden in Ense gelebte Werte und Ideale angegriffen“, forumlierte es Michael Greve, einer der BI-Sprecher, stellvertretend für alle Mitglieder. Es fehle an angemessenen Worten, um diese abscheuliche Tat einzuordnen. „In Ense greifen feige Attentäter zu Waffen, um auf Kriegsflüchtlinge zu schießen.“

Flüchtlinge, die nach Bekanntwerden der Tat Fragen, Ängste oder Sorgen haben, könnten sich jederzeit an die Gemeinde wenden, sagte die für Asylbewerber zuständige Mitarbeiterin der Verwaltung Brigitte Kösling. Bislang habe es solche Anfragen im Rathaus aber noch nicht gegeben. Vielmehr habe die Bewältigung des Alltags im Vordergrund gestanden. Auch die Bürgerinitiative stehe hier natürlich zur Verfügung, so Greve.

Die Bürgerinitiative bittet außerdem die Enser Bevölkerung um Mithilfe bei der Aufklärung des Anschlages. Sie lobte eine Belohnung von 500 Euro für Hinweise aus, die zum Ergreifen des Täters führen. Die Gemeinde Ense stockte diesen Betrag um weitere 500 Euro auf, wie Kösling bestätigte.

Laut Michael Greve gebe es zudem eine Privatperson, die ungenannt bleiben möchte, die weitere 200 Euro zur Verfügung stellt. Neben Polizei und dem Dortmunder Staatsschutz würden auch alle Mitarbeiter der Bürgerinitiative „im vertraulichen Rahmen“ Hinweise entgegennehmen, so Greve. Auch die Mitarbeiter des Rathauses stünden hier als Ansprechpartner zur Verfügung (Telefon 0 29 38/980-0), sagte Kösling

Unter dem Motto „Ense ist bunt“ will die Gemeinde als Veranstalter in Zusammenarbeit mit der Bürgerinitiative ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und für ein friedliches und buntes Miteinander setzen. Am Sonntag ab 11 Uhr seien alle Enser Bürger eingeladen, selbst Gestalter dieses Zeichens zu sein, heißt es in einer Pressemitteilung der Gemeinde und der BI. Die Bürgerinitiative verteilt vor dem Rathaus Luftballons, die für ein kunterbuntes Ense sorgen und zeigen sollen: „In Ense ist kein Platz für Fremdenfeindlichkeit!“ Die Bürgerinitiative wünscht sich, dass die Enser die Luftballons mit nach Hause nehmen und als Zeichen ihrer Solidarität an der Haustür befestigen.

Quelle: Soester Anzeiger

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