Landwirt sorgt sich um Zukunft

Grünes Kreuz am Feldrand ist ein Zeichen des Protestes

+
Ein grünes Kreuz hat Landwirt Florian Hollmann (rechts) als Zeichen des stillen Protestes aufgestellt. Er betreibt in Bittingen gemeinsam mit seinen Eltern Gerlinde (links) und Eberhard Hollmann einen Hof. 

Bittingen – Am Rand des Feldes an der B 516 bei Bittingen steht ein Kreuz. Kein gewöhnliches, sondern ein grünes. Aufgestellt von Florian Hollmann. Der Landwirt aus Bittingen drückt damit – wie tausende andere Bauern aus Deutschland – seinen Protest aus. 

Es ist ein stiller Protest gegen das im September beschlossene Agrarpaket von Bundesumweltministerium und Bundeslandwirtschaftsministerium.

Florian Hollmann möchte nicht lautstark protestieren und Schilder in die Höhe halten, sondern sachlich auf das Thema aufmerksam machen. Und vor allem: darüber reden. Einige Menschen hätten ihn bereits auf das aufgestellte Kreuz angesprochen, erzählt er. „Die Leute fragen: Was hat das zu bedeuten?“

Zu bedeuten hat das, dass sich der junge Landwirt um die Zukunft der Landwirtschaft sorgt. Er führt gemeinsam mit seinen Eltern Eberhard und Gerlinde Hollmann den Hof in Bittingen und hat die Aktion mit ihnen abgestimmt. Daran teilzunehmen und auf diese Weise Protest zu äußern, sei „Familienkonsens“ gewesen.

 „Ich habe das Gefühl, dass zurzeit eine politische Enteignung stattfindet“, erklärt Florian Hollmann. Es gebe immer mehr Auflagen und Regularien, wie sie ihre Flächen zu nutzen hätten. „Wir brauchen Regeln. Aber welche, die praktikabel sind, Sinn machen und vor allem kontrollierbar sind“, sagt Hollmann.

Im Moment herrsche eine Auflagen-Flut, deren Einhaltung niemand überprüfen könnte. Für die, die sich nicht daran halten wollen, gebe es zu viele Schlupflöcher. 

Ein Punkt des neuen Agrarpaketes ist unter anderem das Verbot von Pflanzenschutzmitteln in Schutzgebieten. Von den landwirtschaftlichen Nutzflächen im Kreis Soest (72 900 Hektar) würden rund 61 000 Hektar als Acker genutzt. 35 000 Hektar seien als Vogelschutzgebiet oder Naturschutzgebiet ausgewiesen, erklärt Hollmann. Durch das Verbot würden sich die Erträge in diesen Gebieten um die Hälfte reduzieren, fürchtet Hollmann. 

Hollmann hält es zudem für wichtig, in Europa gemeinsam an einem Strang zu ziehen, um in Deutschland überhaupt wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Landwirte würden hier eine gute Qualität produzieren. 

Die Produkte seien aber teurer als ausländische Ware, die unter anderen Bedingungen und weniger Auflagen bei Pflanzenschutz und Tierhaltung hergestellt würden. „Der Verbraucher im Geschäft wird meistens aber nach dem günstigeren Produkt greifen“, sagt Hollmann. 

Bei allen Themen vermisst Hollmann vor allem den Dialog zwischen Politik und dem Berufsstand. Neue Regeln würden auf rein politischer statt auf fachlicher Ebene getroffen. Aktuelles Beispiel sei das staatliche Tierwohllabel. 

Dieses werde etabliert, anstatt das bereits bestehende Konzept der „Initiative Tierwohl“, die vom Lebensmitteleinzelhandel finanziert wird, auszubauen und zu stärken. „Der Staat könnte da ja zum Beispiel die Kriterien einbringen“, sagt Hollmann. 

Dass sich die Landwirtschaft verändern und am Umweltschutz beteiligen muss, steht für Florian Hollmann und seine Mutter Gerlinde außer Frage. „Wir spüren ja auch, wie die Biodiversität abnimmt“, sagt Florian Hollmann. 

Man müsse den neuen Entwicklungen und Erkenntnissen offen gegenüber sein. Aber inzwischen seien die Landwirte zum Sündenbock für alles, was derzeit falsch läuft, geworden.

Mit Sorge betrachtet die Familie deshalb, dass sich die Zahl der Höfe verringert. Sie selbst bewirtschaften zurzeit eine Fläche von 220 Hektar und halten insgesamt 4000 Mastschweine. Eine Größenordnung, die früher auf vier bis fünf Höfe verteilt gewesen sei, berichtet Gerlinde Hollmann. Für kleine Betriebe werde es immer schwieriger zu überleben.

Deutschlandweite Aktion

Die Idee zu der Aktion hatte ein Landwirt und Blogger aus dem Rheinland, der sich selbst „Bauer Willi“ nennt. Er rief dazu auf, mit zwei Brettern, etwas grüner Farbe und ein paar Schrauben deutschlandweit auf das Thema aufmerksam zu machen.

Der stille Protest ist inzwischen auch lautstark geworden. Mehrere hundert Landwirte haben am vergangenen Wochenende in Bonn gegen die Agrarpolitik der Regierung protestiert. Einige fuhren mit ihren Traktoren zum Protest bis vor den Sitz des Bundeslandwirtschaftsministeriums. 

Nächste Woche soll es erneut eine Aktion in Bonn geben. Wie Gerlinde Hollmann berichtet, würden dann auch mehrere Schlepper aus dem Kreis Soest nach Bonn reisen.

Quelle: Soester Anzeiger

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare