Archäologische Grabungen

Hofstelle aus der Eisenzeit auf Höinger Neubaugebiet entdeckt

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Sebastian Luke (von links) von der für die Ausgrabungen beauftragten Firma „Archäologie am Hellweg“, Prof. Dr. Michael Baales, Leiter der LWL-Außenstelle Olpe, Eva Cichy, wissenschaftliche Referentin der LWL-Archäologie sowie Enses Beigeordneter Andreas Fresen besuchten die Ausgrabungsstelle.

Höingen - Wo bald neu gebaut werden soll, wird zurzeit nach alten Siedlungsspuren gesucht: Auf dem zukünftigen Baugebiet „Höinger Heide IV“ haben Archäologen Überreste aus der Eisenzeit gefunden. 

Auf dem Boden taucht eine Verfärbung auf. Die Erde ist dort auf der Fläche eines kleinen Kreises dunkler als rundherum. Auch ein ganz kleines Stück Holzkohle ist zu erkennen. Der Fund bekommt die Nummer 17. Ein Experte vermisst die Stelle, holt die Kamera raus und hält alles fest. 

Das, was die Archäologen gerade auf dem künftigen Neubaugebiet „Höinger Heide IV“ gefunden haben, sind Spuren einer Hofstelle aus der Eisenzeit. Genauer gesagt hat an dieser Stelle wahrscheinlich der Pfosten eines Hauses gestanden. Dort, wo bald eigentlich neue Häuser gebaut werden sollen, werden zurzeit alte Siedlungsspuren gesucht. 

Die Archäologen der LWL-Archäologie für Westfalen waren im September auf erste Funde gestoßen. Laut Dr. Eva Cichy, wissenschaftliche Referentin der zuständigen Außenstelle Olpe, habe man aufgrund der Lage einen Verdacht gehabt: „Heute baut man in der Nähe von Kindergärten oder Schulen. Früher waren die Nähe zum Gewässer, ein guter Boden und Hanglage entscheidende Punkte.“ 

Deshalb sei die Chance, dort etwas zu finden, recht groß gewesen. Es sei das erste Mal, dass in Ense eine Siedlung aus der Eisenzeit ausgegraben werde, berichtet Cichy. Spuren aus der Zeit habe man allerdings bereits vor Jahren bei der Ausgrabung eines Gräberfeldes in Bremen gefunden. 

Die Funde aus Höingen genau zu datieren, ist schwierig. „Wir haben viel unspezifische Keramik gefunden“, erklärt Cichy. Im Moment geht sie davon aus, dass die Spuren aus den letzten acht Jahrhunderten vor Christus stammen. 

„Wenn wir zum Beispiel Metall finden würden, könnten wir das besser bestimmen“, sagt sie. Doch weil das Material zu der Zeit rar und vor allem kostbar gewesen sei, sei es selten an solchen Stellen zu finden. 

Bereits begutachtet haben die Archäologen Pfostengruben, aus denen sich teilweise Hausgrundrisse rekonstruieren lassen. „Wir freuen uns aber auch immer besonders über Müll“, sagt Dr. Eva Cichy. Stoße man auf eine Grube, die mit Abfall ausgefüllt worden sei, könne man darin oft wertvolle Spuren von Alltagsgegenständen finden, sagt sie. 

Immer alles auszugraben, sei aber eigentlich gar nicht das Ziel der Archäologen. „Wir möchten viel lieber sichern und erhalten“, sagt Dr. Eva Cichy. Doch im Höinger Fall sei das nicht möglich gewesen. 

Durch Erosionen oder Erdrutsche an Hängen habe man manchmal das Glück, dass eine hohe Erdschicht über den Siedlungsüberresten sei. „Dann reicht es, wenn für das Neubaugebiet die Voraussetzung festgelegt wird, dass nur mit Bodenplatte gebaut werden darf“, so Cichy. 

In Höingen liegen die Überreste aber vergleichsweise weit oben. Würde dort jetzt gebaut werden, würden diese zerstört. Das verhindert das LWL nun, indem die Spuren gesichert werden. 

Rund zwei Wochen werden die Ausgrabungen wohl noch dauern, schätzt Dr. Eva Cichy. Die Aufarbeitung nehme aber Monate in Anspruch. Alles wird anhand von Fotos und Plänen dokumentiert. Die Funde wandern ins Magazin nach Münster. 

Bis auf der Ackerfläche in Höingen eine neue Siedlung entsteht, wird es ebenso noch etwas dauern. „Wir werden vermutlich im April oder Mai mit der Erschließung starten“, erklärte Enses Beigeordneter Andreas Fresen.

Die Kosten für die Ausgrabungen muss die zunächst die Gemeinde Ense tragen. Die Funde gehören zwar dem Land, bezahlen muss deren Sicherung aber die jeweilige Kommune. Anfang des Jahres hatte die Gemeinde bereits 98 000 Euro für die Grabungen am Gerlinger Notweg in Bremen zahlen müssen. 

Eine erste Kostenschätzung für die laufende Ausgrabung belief sich auf 50 000 Euro. Weil das Gebiet nun aufgrund der Funde noch um einige Meter ausgeweitet werden muss, kann die Summe aber noch steigen. 

Klar ist jedoch, dass die Gemeinde die Kosten – genauso wie zuletzt beim Bremer Baugebiet – wieder auf die Häuslebauer umlegen wird. Das bestätigte Enses Beigeordneter Andreas Fresen.

Quelle: Soester Anzeiger

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