Initiativkreis unterstützt Enser Flüchtlinge

Das Logo des Initiativkreises.

Ense - Seit einigen Monaten ist der Initiativkreis „Flüchtlinge werden Nachbarn“ in der Gemeinde Ense aktiv. Der Anzeiger sprach mit Daniel Keil über die Arbeit der freiwilligen Helfer.

Es ist ein Thema, das dieser Tage aus den Medien kaum wegzudenken ist: die Aufnahme und Versorgung von Flüchtlingen. Auch in der Gemeinde Ense werden Menschen untergebracht. Menschen, die ihre Heimat verlassen haben und sich nun in einer fremdem Umgebung zurechtfinden müssen. Hilfe erhalten sie dabei durch den Initiativkreis „Flüchtlinge werden Nachbarn“.

Eine Arbeit, die viele Fallstricke bietet und deren Umsetzung genau überlegt sein will. „Wir wollen keine Patenschaften für einzelne Flüchtlinge oder Familien bieten, keine zu enge Bindungen entstehen lassen“, beschreibt Daniel Keil einen der wichtigsten Ansätze des Initiativkreises. Als „Hilfe zur Selbsthilfe“ lässt sich der Gedanke dahinter am besten beschreiben, mit dem die Gruppe den hilfesuchenden Menschen ein besseres Leben ermöglichen will.

Mangelnde Sprachkenntnisse als Barriere

Sofern dies möglich ist, denn Hürden gibt es zu Hauf, allen voran stehen die Sprachbarrieren. „Wenn jemand kein Deutsch, aber auch kein Englisch und Französisch spricht, stoßen nicht nur wir an unsere Grenzen. Auch für die Person wird es schwer sich verständlich zu machen und zurecht zu finden“, nahm der Initiativkreis diese Problematik als Ansatz für einen „Wegweiser“. In diesem werden Informationen zusammengefasst, die notwendig sind, um sich in Ense, aber auch generell in Deutschland zurecht zu finden. „Wir wollen Missverständnissen vorbeugen, damit gewisse Probleme gar nicht erst entstehen“, spricht Keil Dinge an, die für uns alltäglich, für einen Fremden jedoch ungewohnt sind. „Flaschenpfand gehört beispielsweise dazu. Wir haben uns daran gewöhnt, den Flüchtlingen ist ohne Hinweis jedoch nicht ersichtlich, wieso sie an der Kasse plötzlich mehr bezahlen sollen“.

Aber auch die Gegebenheiten vor Ort bringen Herausforderungen mit sich. „Wenn jemand in Bremen oder Niederense untergebracht ist, dann gestaltet sich die Selbstversorgung noch relativ einfach. In Waltringen wird das aber schon schwieriger“, berichtet Keil und weist darauf hin, dass auch Arztbesuche zu den Problembereichen gehören. „In einem Fall wollte ein Flüchtling einen Arzt in Soest aufsuchen, weil er ihm von einem anderen Flüchtling empfohlen wurde. Von Ense aus und ohne Sprachkenntnisse ist das kaum zu bewerkstelligen“, setzt die Arbeit des Initiativkreises auch hier an.

Eine Übersetzungsliste soll die bislang schwierige Diagnose erleichtern. Erkrankungen werden hierbei in die jeweilige Landessprache übersetzt, die Liste soll anschließend den Enser Ärzten übergeben werden. Zugleich wird jedoch auch der Selbsthilfe-Gedanke nicht vergessen. „Wir geben ihnen als Hinweis, dass sie zu Not die Menschen den Google Übersetzer auf dem Smartphone benutzen sollen, um sich wenigstens etwas verständlich zu machen“, erklärt Keil.

Smartphone als Verbindung in die Heimat

Mit dem Smartphone spricht er dann auch gleich ein Thema an, dass von Asylgegnern gerne dazu genutzt wird, um auf eine „Überversorgung“ der Flüchtlinge hinzuweisen. Für Keil hat dies jedoch weit wenig mit einem Statusgedanken gemein, als vielmehr mit den Kommunikationsmöglichkeiten, die sich dadurch eröffnen. „Für viele Flüchtlinge ist ein Smartphone die einzige Möglichkeit, mit der Heimat, Freunden und Verwandten Kontakt zu halten. Entsprechend viel Wert legen sie darauf.“ - eine Erkenntnis, die der Initiativkreis im Zuge seines Engagement gewann.

Betreuer für Flüchtlinge gesucht

Für Keil liegt darin auch ein Anreiz, sich in der Flüchtlingshilfe einzubringen. „Es bringt viele Erfahrungen. Positive, über die man sich freut, aber auch negative, aus denen man lernt“, lädt er weitere Enser dazu ein, ähnliche Erfahrungen zu machen.

Denn der Initiativkreis sucht weiterhin Verstärkung, hat sich das Ziel gesetzt, für alle der derzeit zehn Unterkünfte je zwei bis drei Mann als Betreuer stellen zu können. „Es soll keine Betreuung rund um die Uhr werden, und kein Helfer soll sich in dem Engagement selbst verlieren“, gehören regelmäßige Abstimmungen innerhalb der Betreuergruppe und des Initiativkreises schon jetzt fest dazu.

Möglichkeiten zum Kennenlernen bieten die Treffen des Initiativkreises. Die Termine werden in der Presse bekanntgegeben.

Quelle: Soester Anzeiger

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