Politik nimmt bei Kindergarten-Standort Idee von Anwohnern auf

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Der Aschenplatz am „Heuerwerth“ wird in die Suche nach einem geeigneten Kindergarten-Standort einbezogen. Bürgermeister Hubert Wegener wird jetzt mit den TuS-Verantwortlichen darüber reden.

Bremen - Die Verwaltung wird mit dem TuS Niederense Gespräche führen, um auszuloten, wie die Chancen stehen, auf dem Aschenplatz am Heuerwerth den geplanten zweigruppigen Kindergarten zu errichten. Gleichzeitig bleibt auch der bisher ins Auge gefasste Standort südlich des Baugebiets „Alter Kamp“ auf dem Tisch. Hierfür wurde die notwendige Bebauungsplanänderung auf den Weg gebracht. Erst in einer Rats-Sondersitzung soll eine endgültige Entscheidung über den Standort getroffen werden.

Das ist das Ergebnis der Ratssitzung vom Donnerstagabend, in der die Anwohner der Stichstraße „Schreibers Hof“ die neue Alternative präsentiert hatten (wie gestern bereits berichtet). Chancenlos ist dagegen der Vorschlag von Gerlinde Hollmann, den Kindergarten „Villa Kunterbunt“ dementsprechend auszubauen.

Zu kurz sei die Zeit, alle Varianten zu prüfen, wolle man nicht Gefahr laufen, die Frist bis zur Einreichung förderfähiger Anträge verstreichen zu lassen, so am Ende die Überzeugung der Mehrheit im Rat.

Bis zum 10. Januar 2018 nämlich müssen die Unterlagen beim Kreis Soest vorliegen, um in den Genuss eines 90-prozentigen Zuschusses der förderfähigen Kosten zu kommen. Bis zu diesem Zeitpunkt müssten nämlich nicht nur alle drei Alternativen geprüft, sondern für die „Villa Kunterbunt“ mit einer Elterninitiative im Zweifel auch ein neuer Träger gefunden werden. Bislang ist die Bilmer Einrichtung ein kommunaler Kindergarten, für den bei einem An- bzw. Umbau aber nicht so hohe Zuschüsse fließen würden wie für einen Kindergarten unter der Trägerschaft eines Vereins.

Wobei die gut einstündige Debatte am Donnerstagabend durchaus kontroverse Positionen auch innerhalb der Fraktionen von CDU und SPD erkennen ließen. So erklärte SPD-Ratsfrau Dagmar Dülberg zunächst, dass die Genossen am Standort „Alter Kamp“ festhalten würden und die Belastungen für die Anlieger an „Schreibers Hof“ durchaus „erträglich“ seien. Die Alternative „Heuerwerth“ sei überraschend und zu spät eingebracht worden, zumal die Anwohner nicht „die Autorität“ hätten, im Vorfeld schon Gespräche mit dem TuS Niederense zu führen. Es fehle die parlamentarische Einbindung des Anwohner-Vorschlags, so die Genossin. Dem widersprach Parteifreund Willi Lakenbrink im Laufe der Debatte deutlich: Er stehe auf Seiten der Anlieger und könne Dagmar Dülbergs Position „nicht mittragen“. Und auch SPD-Fraktionschef Bruno Löher warb dafür – wenn zeitlich möglich – die Alternative zu prüfen.

Und damit stand der Sozialdemokrat nicht alleine. Denn neben der CDU, die ohnehin per Antrag gefordert hatte, den Aschenplatz in die Betrachtungen vor einer endgültigen Beschlussfassung mit einzubeziehen, sprachen sich auch BG und FDP dafür aus, „den Bürgerwillen nicht einfach zu ignorieren“, sondern einer ernsthaften Prüfung zu unterziehen. Grünen-Ratsherr Marc Teuber wiederum schloss sich der Verwaltungsmeinung an, den Kindergarten am „Alten Kamp“ zu bauen. Womit er auf einer Linie mit CDU-Ratsherr Josef Risse lag. Der sprach sich ausdrücklich für den Standort „Alter Kamp“ und damit gegen die vorgebrachte Alternative „Aschenplatz“ aus. Als Parteifreund und CDU-Fraktionschef Heinrich Frieling im Laufe der Diskussion versuchte, auch den Standort „Villa Kunterbunt“ in die Prüfung einzubeziehen und die Gründung einer Elterninitiave als Trägerin der Bilmer Einrichtung ins Spiel brachte, herrschte Josef Risse ihn an: „Du redest Mist“.

Bürgermeister Hubert Wegener warb mit der Nähe zur Schule für den Standort „Alter Kamp“. Zudem gehöre für ihn ein Kindergarten in ein Baugebiet. Nicht verkneifen konnte er sich den Hinweis, dass für den Aschenplatz am „Heuerwerth“ 2006 noch 40 000 Euro ausgegeben worden seien. Den Standort „Villa Kunterbunt“ hielt er für nicht geeignet, da der Bedarf an neuen Kindergartenplätzen eben in Niederense und nicht in Bilme bestehe. Angesichts des Vorschlags, die vorhandenen Parkplätze an der benachbarten Bilmer Kirche zu nutzen, gab er zu bedenken, dass Eltern dann ihre kleinen Kinder bis zu 100 Meter weit zur Einrichtung tragen müssten.

Nach mehr als einer Stunde war bei vier Enthaltungen dann folgender Kompromiss mehrheitsfähig: Für den Bau eines zweigruppigen Kindergartens auf einem gemeindeeigenen Gelände in Niederense wird ein Planungsauftrag vergeben. Gespräche mit potenziellen Trägern sind zu führen, entsprechende Förderanträge zu stellen, wobei die Standortfrage erst in einer Rats-Sondersitzung am 17. Oktober getroffen wird.

Vollkommen unberührt hiervon ist der vorgesehene Anbau einer dritten Gruppe an den Kindergarten „Bremer Stadtmusikanten“. Diese Pläne werden – wie vorberaten – in jedem Falle weiter verfolgt.

Quelle: Soester Anzeiger

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