„Kulturhistorische Bedeutung der Kapelle ist maßgebend“

Eine Unterschutzstellung der Kapelle als reines Baudenkmal hält Enses Denkmalbeauftragter Horst Brauckmann eher für unwahrscheinlich.

NIEDERENSE -  Für eine Unterschutzstellung der Anna-Kapelle ist vor allem deren kulturhistorische Bedeutung für die Bürger sowie deren geschichtliche Entwicklung maßgebend. Diese Meinung vertritt Enses Denkmalbeauftragter Horst Brauckmann gegenüber dem Anzeiger.

Denn nach der Besichtigung des Gotteshauses durch Dr. David Gropp vom Landschaftsverband Münster am Dienstagnachmittag „wird nach meiner Einschätzung eine Unterschutzstellung als reines Baudenkmal schwer zu begründen sein“, heißt es in einer Stellungnahme gegenüber dem Anzeiger. Die Veränderungen in der Fassade und im Bodenaufbau mit Kunststoffbelag zeugten jedoch „vom festen Willen der Bürger, ihre Kapelle zu pflegen und zu erhalten“, meint Horst Brauckmann weiter. Und auch wenn er selbstverständlich dem Votum des Experten beim LWL für Inventarisation und Bauforschung nicht vorgreifen will und kann, so ist er dennoch optimistisch, dass dieser das Gotteshaus als Denkmal einstufen werde und so den Weg für Zuschüsse freimache, die eine Sanierung ermöglichten.

Bekanntlich hatte Dr. David Gropp am Dienstagnachmittag die Kapelle auf Einladung der Verwaltung in Augenschein genommen, um der Frage nachzugehen, ob ihre geplante Eintragung in die Denkmalliste der Gemeinde Ense gerechtfertigt ist.

Und die von Horst Brauckmann angesprochene kulturhistorische Bedeutung der Kapelle für die Bürger untermauerte er in einer kurzen Chronologie des Gotteshauses, die im Wesentlichen auf einen älteren Beitrag von Heinz Plasswilm basiert. Danach wurde die erste Kapelle durch das Engagement von 17 Niederensern errichtet. Wegen Baufälligkeit musste sie jedoch 1870 abgerissen werden. Nur 17 Jahre später weihte man dann die jetzige Kapelle ein. Nachdem 1943 die Pfarrkirche St. Bernhard Himmelpforten durch die Möhnekatstrophe zerstört wurde, diente die Kapelle als Notkirche, bis Ostern 1949 die neue Pfarrkirche St. Bernhard eingeweiht wurde. Ab Mitte 1949 stellte Pfarrer Anton Berges auf Anfrage von Luise Zanter den evangelischen Mitchristen die Anna-Kapelle zur Mitnutzung zur Verfügung. Damals wurde die Orgelbühne mit einer Holzwand vom Kapellenraum abgetrennt. Dadurch entstand ein Versammlungsraum für die katholische Jugend, bis 1976 das Pfarrzentrum Porta Coeli eingeweiht wurde. Seit 1976 kann die evangelische Kirchengemeinde Ense für eine symbolische Miete die Kapelle nutzen. 1978 wurde die Kapelle durch die evangelische Kirche für 50 000 Euro renoviert. Das Kreuz stammt ebenfalls aus dem zerstörten Kloster und konnte fast unbeschädigt geborgen werden. Um einen Abriss durch Bauschäden zu verhindern, gründete sich 2007 ein Förderverein, dem aktuell 100 Mitglieder angehören. Auf Initiative dieser Gemeinschaft wurden erste Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt, dazu zählten Abdichtungen am Dach sowie der Einbau neuer Dachrinnen. Desweiteren wurde das morsche Podest am Altar erneuert. - det

Quelle: Soester Anzeiger

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